Ein Kommentar von Oliver Trenkamp
Es geht den Politikern mit unsauberen Doktorarbeiten natürlich auf die Nerven, dass sie nicht wissen, wer sie da in diesem Internet ins Visier genommen hat. Verständlich.
Aber den Plagiatsjägern ihre Anonymität vorzuwerfen, um damit von der eigenen Fehlleistung abzulenken, ist ein durchsichtiges und billiges Manöver. Der EU-Abgeordnete Jorgo Chatzimarkakis, der an diesem Mittwoch seinen Doktorgrad verloren hat, tut so, als müsse er sich gegen anonyme Lästereien wehren, wie sie auf der Schüler-Pöbelplattform iShareGossip zu finden sind. Dabei hat die Lästerseite mit der Plagiatsjäger-Plattform Vroniplag nur zweierlei gemein: Beide stehen im Internet, und die meisten Nutzer bleiben anonym.
Aber die abschreibenden Politiker fühlen sich vorverurteilt und von Petzen an den Pranger gestellt. Womöglich aus politischen Motiven, schließlich trifft es ja meistens Politiker von Union und FDP. Die Politik-Doktoren und ihre Verbündeten stellen - mindestens implizit - die Frage: Wer würde sonst nächtelang Texte scannen und miteinander vergleichen, wenn nicht linke Wirrköpfe und Nerds, die zu viel Zeit haben?
So warf Chatzimarkakis den Plagiatsjägern fehlende Transparenz vor, zuletzt bei "Anne Will", wo er auch erzählte, seine Zitierweise in Oxford gelernt zu haben. Sein EU-Parlamentskollege Alexander Alvaro hatte schon zuvor gewettert: "Mit VroniPlag ist das Denunziantentum aus dem Schutze der Anonymität des Internets heraus anscheinend zum gesellschaftlich akzeptierten Sport geworden." Der Politikberater, Publizist und Blogger Michael Spreng forderte: "Die Jäger müssen sich stellen."
Sie liegen falsch, VroniPlag ist nicht iShareGossip. Es sind Ablenkungsgefechte mit Scheinargumenten. Denn...
Der Vorläufer von VroniPlag hieß nach dem Ex-Verteidigungsminister GuttenPlag. Die Plattform wurde gerade mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Die Plagiatsjäger schickten einen Vertreter, um ihre Anonymität zu wahren. Man kann ihnen nur raten: Bleibt dabei, auch wenn wir euch gerne kennenlernen würden!
Nicht, weil ihr sonst unzählige Hassmails bekommt und als "Verlierer des Tages" auf Seite Eins der "Bild" erscheint wie Weber-Wulff. Sondern weil es ablenken würde von dem, worum es geht: Welche Doktorarbeit ist sauber und welche eben nicht?
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