Architektur-Idee: Komm, wir bauen ein Milliardengrab

Fast unendliche Weiten: Einfach planen, koste es, was es wolle Zur Großansicht
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Fast unendliche Weiten: Einfach planen, koste es, was es wolle

Wehe, wenn Architekturstudenten losgelassen: Für einen Wettbewerb durfte der Nachwuchs eine neue Berliner Landesbibliothek entwerfen. Die Idee: Die Bücherei kommt unter die Erde. Oben glänzt eine holzgetäfelte Lesehalle, viermal so groß wie der Petersdom, in der man sogar Segway fahren kann.

Der Steuerzahler kann froh sein, dass das hier abgebildete und von vier Hochschülern entworfene Gebäude niemals errichtet wird. Es wäre achtmal so groß wie ein Fußballfeld, müsste fast vollständig unterkellert werden und hätte einen öffentlichen Bauherrn, was der Kostenentwicklung während des Entstehungsprozesses ja meistens nicht guttut (siehe Stuttgart 21 oder Elbphilharmonie Hamburg).

Bei der gigantischen Halle mit Glasdach handelt es sich um eine Idee für die neue Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Die 3,4 Millionen Bücher und anderen Medien würden unter Tage gelagert, oben wären 60.000 Quadratmeter Platz zum Flanieren und Schmökern.

Architekturstudent Julian Bauch und drei seiner Kommilitonen haben die Halle im Rahmen eines Seminars geplant und sich "gar nicht" um die Kosten geschert. "Geld war uns egal", sagt Bauch. In Berlin hört man so was derzeit nicht gern. Unter anderem wegen des Willy-Brandt-Flughafens, der wohl etwa dreimal so teuer wird wie geplant.

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insgesamt 42 Beiträge
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1. Milliardengrab-Designer
rainer_daeschler 19.05.2013
Was ist der Unterschied zu wirklichen Prestigeprojekten? Da wird sich auch nicht um die Kosten geschert. Nur in der initialen Phase bedarf zwecks politischer Durchsetzbarkeit der Präsentation eines engen Kostenrahmens. Ist erst mal mit dem Bau angefangen, sind der Kostensteigerung keine Grenzen mehr gesetzt. Wer immer dafür finanziell einstehen muss, Land, Kommune oder beide, sie können einer teilfertigen Bauruine nicht entkommen und müssen jeden Betrag nachschießen, der gefordert wird. Zwar gibt es dann laufend eine öffentliche Kostendiskussion, denn die Beträge fehlen Land und Kommune an allen Ecken und Enden, doch das sind Scheingefechte, denn gezahlt wird immer. Die jungen Architekten liegen bereits ganz richtig mit ihren Entwürfen und haben den Vorteil, man würde für das Geld auch hinterher was zu sehen bekommen, statt wie in Hamburg nur einen abgerissenen Klotz als Konzerthalle und in Stuttgart sieht man nach Fertigstellung für optimistische 6,5 Mrd € nur eine ausgefallene Bahnsteigüberdachung
2. "Geld war uns egal"
catcargerry 19.05.2013
Zitat von sysopWehe, wenn Architekturstudenten losgelassen: Für einen Wettbebwerb dufte der Nachwuchs eine neue Berliner Landesbibliothek entwerfen. Die Idee: Die Bücherei kommt unter die Erde. Oben glänzt eine holzgetäfelte Lesehalle, vier mal so groß wie der Petersdom, in der man sogar Segway fahren kann. Architektur: Studenten-Entwurf für Zentralbibliothek Berlin - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/architektur-studenten-entwurf-fuer-zentralbibliothek-berlin-a-894699.html)
Echte Kreative halt. Anfangssemester? Kostenplanung gehört zum state of art und lernt man doch in dem Studium auch, oder in Berlin nicht? Schinkels Orianda war Umsetzung zaristischen Größenwahns, wessen wird hier gehuldigt?
3. Unvernünftige Architektur
kulinux 19.05.2013
Juchu! Ein Treibhaus mit Glasdach! Egal, wie man es klimatisiert: in der Riesenhalle werden ausserdem vermutlich merkliche Winde wehen aufgrund der Temperaturunterschiede. Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte werden sich über die Hügellandschaft auch sehr freuen. (Man sollte Leuten, die so etwas entwerfen, ohne auf ihre Mitmenschen Rücksicht zu nehmen, wünschen, dass sie zumindest zeitweilig in eine ähnliche Lage versetzt werden.) Natürlich lesen wir alle auch die Bücher am liebsten am Boden liegend – schreibt sich in der Position ja auch viel besser, egal ob mit Stift oder auf dem Laptop … Und wie es aussieht, ist der Holzboden kein Parkett, sondern eher eine Art Lattenrost? Da wird also vermutlich in dem Riesenareal immer gerade irgendwo ein Reparaturtrupp werkeln –*und auch die Sanitäter haben vermutlich ihre Freunde, falls die Benutzer dieser Architektur darin hängen bleiben, sich Zehen verstauchen usw. … Fazit: Diese Jungarchitekten haben die allerbesten Voraussetzungen, es in unserer heutigen Architekturszene weit zu bringen: Plane sinnlos, ohne Rücksicht auf Kosten, Menschen, Nutzbarkeit … Gut, dass sie also hier bei SPON schon mal eine Plattform bekommen. Nein, im Ernst: Man sollte solche Leute nicht einmal Architektur studieren lassen. (Da wird doch angeblich durch Eignungstests etc. vorher stark gesiebt …?). Zum Spargelstechen mögen sie taugen, obwohl sie dann vermutlich auch eher die Erde abliefern und den Spargel wegwerfen … PS: Es gab da mal einen Architekturtheoretiker, der forderte, Gebäude sollten Utilitas (= Nützlichkeit), Firmitas (= Dauerhaftigkeit) und Venustas (Schönheit) aufweisen. Aber der hieß Vitruv und lebte vor mehr als 2000 Jahren. Warum sollte man solchen "alten Schwachsinn" heute noch lesen oder gar drauf hören? Schliesslich gab es zu seiner Zeit ja praktisch noch gar keine Architektur und keine Erfahrung mit Bauten … naja, einiges steht zwar heute noch. Aber das – 2000 Jahre Benutzbarkeit (s. Pantheon) – wird man bei grenzenlosem Budget sicher auch bei dieser "Bibliothek" schaffen …*vorausgesetzt, man stiftet ihr auch noch einen Wald für den Holznachschub. Den Berliner Tiergarten vielleicht?
4. Bleibt nur eine Frage...
michaelkaloff 19.05.2013
Satire oder Realsatire?
5. Wenn Geld egal ist...
paradigm 19.05.2013
... warum ist dann ein Entwurf bei rausgekommen, der total unbrauchbar ist? Gerade wenn mich die Kosten nicht interessieren, dann sollte doch am Ende die "ideale" Bibliothek herauskommen. Was die aber gemacht haben ist halt wieder irgendeinen dieser "schicken" Sinnlosbauten zu entwerfen, der auf dem Papier "schön" aussieht, aber nicht dem Zweck gerecht wird. Um nur ein paar Probleme zu nennen: - Der große offene Raum führt dazu, dass der Geräuschpegel und die allgemeine Unruhe ein einigermaßen konzentriertes Arbeiten unmöglich machen - Ohne Tische und Stühle wird das auch nicht besser (soll man sich tatsächlich auf den Boden setzen/legen?) - Der unebene Boden macht das Aufstellen von Möbeln auch schwierig und ist auch für Rollstuhlfahrer oder Gehbehinderte ungeeignet Was wird den Leuten eigentlich im Studium beigebracht? Manche Architekten scheinen wohl nicht daran interessiert zu sein, dass man die Gebäude hinterher auch gebrauchen kann...
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