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Krach um Campus-Partei: Zu viel Party in Wuppertal

Von Claudia Malangré

Uni Wuppertal: Ärger um den Asta-Chef Zur Großansicht
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Uni Wuppertal: Ärger um den Asta-Chef

An der Wuppertaler Uni regiert eine Spaßpartei, die jetzt für einen Eklat gesorgt hat: Bei der Wahl zum Queer-Referat soll der Asta-Vorsitzende eine Kommilitonin als Lesbe geoutet haben.

Asta-Politik ist mitunter schmutzig. Nur selten gelangen die kleinen politischen Scharmützel an die breitere Öffentlichkeit. Die wenigen Studenten, die sich noch für Hochschulpolitik interessieren und wählen gehen, werden mitunter dazu verleitet, bei der Parlamentswahl auf Spaßparteien zu setzen. So kamen unter anderem die ominöse Hamburger Fleischliste, die Liste B.I.E.R. an der Ruhr-Uni oder auch der Uni-Ableger der Satiriker von "Die Partei" an Stupa-Mandate.

In Wuppertal ist seit Jahren eine Gruppe aktiv, die sich offensiv als "Partyliste" bezeichnet und die 2012 mit Freibier an die Urnen lockte. Die Liste nennt sich Odeon/Campusbash und organisiert gleichnamige Uni-Partys. Seit 2014 ist sie stärkste Kraft im Studierendenparlament und stellt einen von drei Asta-Vorsitzenden.

Vertreter der Partyliste haben nun für einen Eklat gesorgt: Bei der Wahl des Queer-Referates Ende August erschienen Asta-Chef Sch. und sein Marketingreferent F. gemeinsam mit einer Gruppe Studenten, die der Hochschulgruppe Odeon/Campusbash nahe stehen soll, so berichten es Teilnehmer der Wahl.

Die Besetzung des Queer-Referats ist ein Vorgang, der eigentlich nur direkt Betroffene interessiert und sonst keine große Beachtung findet. Das Referat soll die Minderheiten aus Homosexuellen, Bisexuellen, Transsexuellen und Transgender repräsentieren. Abstimmungsberechtigt sind laut Satzung alle, die sich der Queer-Gruppe zugehörig fühlen.

Manipulierte Wahlen?

Das Problem: Mehrere Anwesende werfen Sch., F. und Co vor, sie hätten eine Zugehörigkeit zur Queer-Minderheit vorgetäuscht, um die Wahl zu manipulieren. Ob das stimmt, lässt sich nicht beweisen, genausowenig wie das Gegenteil. Durch die von Sch., F. und mutmaßlichen Odeon/Campusbash-Anhängern gestellte Übermacht wurden bei der offenen Abstimmung per Handzeichen nur ein Referent von sieben möglichen bestellt. Andere Bewerber, darunter auch bisherige Referenten, waren chancenlos.

Sch. weist die Vorwürfe der Wahlmanipulation zurück. SPIEGEL ONLINE sagte er, die Abstimmung sei demokratisch verlaufen. In einer Erklärung auf der Asta-Seite hieß es, der Asta-Vorsitzende habe den Ablauf der Wahl "im Sinne der Amtsaufsicht zu begutachten".

Die Anschuldigungen gegen den Vorsitzenden und seinen Marketingreferenten enden aber nicht beim Vorwurf der Manipulation: Sch. soll homophob aufgetreten sein, berichten mehrere Anwesende. Er habe den Namen einer Studentin von der Wählerliste laut vorgelesen und sie als Lesbe geoutet, erklärt Jason Whichelo, ehemaliger studentischer Schwulen-Referent an der Uni Wuppertal. Außerdem habe Marketingreferent F. dem Asta-Vorsitzenden Sch. in den Schritt gefasst, um ihre Homosexualität zu bezeugen. So erzählt es neben mehreren Augenzeugen auch die Vorsitzende der Liberalen Hochschulgruppe (LHG), deren Gruppierung bis zu dem Eklat mit Odeon/Campusbash koalierte. Sch. habe ihren Namen mit dem Zusatz "Lesbe" vorgelesen. Auch das "in den Schritt fassen" habe sie beobachtet.

Laut dem Asta-Vorsitzenden war alles anders

Für den Asta-Vorsitzenden sind der Outing- und der Homophobievorwurf eine Intrige der Oppositionsgruppen im Studentenparlament, er bestreitet sie. Augenzeugen berichten auch, Sch. habe bei der Wahl die Hand gehoben und mit abgestimmt, doch darüber will der Asta-Vorsitzende keine Auskunft geben. Die Frage, ob er mitgewählt habe, bewege sich "im Bereich des Wahlgeheimnisses".

Erstmals waren der Outing- und der Homophobievorwurf direkt nach der Wahl auf einer Facebook-Seite der Opposition veröffentlicht worden. Darauf reagierten Sch. und F. mit einer Anzeige wegen Verleumdung gegen unbekannt und meldeten die Vorsitzenden aller Oppositionsgruppen namentlich der Wuppertaler Polizei. Marketingreferent F. reagierte nicht auf Anfragen von SPIEGEL ONLINE.

Alle Rücktrittsforderungen perlten bislang am Asta-Vorsitzenden ab, stattdessen trat sein Co-Vorsitzender von der Liberalen Hochschulgruppe zurück. Er sehe keine weitere Möglichkeit der Zusammenarbeit mit Odeon/Campusbash. Und dann legten auch noch neun Vertreter der Opposition ihre Mandate im Studierendenparlament nieder. In einer gemeinsamen Stellungnahme erklärten sie, damit Neuwahlen erzwingen zu wollen.

Bisher scheint es allerdings nicht so, als würde es dazu kommen. Das verbleibende Studierendenparlament hat die Mandatsniederlegungen nicht anerkannt. Ein Uni-Sprecher sagte, selbst wenn sie rechtens seien, wäre das Studierendenparlament noch immer beschlussfähig. Es bleibt also alles, wie gehabt, Rumpf-Asta und Rumpfparlament können weitermachen - mindestens bis zur nächsten Spaßwahl von Wuppertal.

Mitarbeit: Marvin Oppong

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Unsere kuenftige geistige Elite
bjbehr 13.10.2014
Unsere zukuenftige geistige Elite geriert sich wie im Kindergarten. Oh je! Und wer meint, in unserer heutigen Zeit jemanden damit zu diskreditieren, indem er ihn wozu auch immer "outet", sollte sich einem Intelligenztest unterziehen, der zur Exmatrikulation fuehrt oder zum weiteren Verbleib an der Hochschule.
2.
Muddern 13.10.2014
Die Institution AStA war womöglich einmal eine gute Idee. Inzwischen ist bereits dort ein Klüngel, dessen Denken und Handeln weit am Interesse der Mehrheit der Studenten vorbeigeht. Man hat die Wahl zwischen Antifa-Filiale und Hedonismus. Bemühungen zur wirklichen Verbesserung der Studienbedingungen sind jedoch von keinem AStA zu erwarten. Beachtet man noch, wie niedrig jedes Jahr die Wahlbeteiligung zur AStA/StuPa-Wahl ist (grundsätzlich im 10%-Bereich), gibt es nur noch einen Schluss: Diese Geldverschwendungs- und Pöstchenschiebe-Institution sollte abgeschafft werden. Das Geld, das jedes Semester in den AStA fließt, könnte sinnvoller investiert werden: gut ausgestattete, barrierefreie Räume, Lehrstellen, professionelle Sozialberater, Helfer für Studenten mit Behinderung.
3. AStA wie ich sie erlebte
troncologne 13.10.2014
Meine Wahrnehmung während des Studiums war wie folgt: die Jungs und Mädels der AStA haben sich immer sehr stark engagiert ... leider nur nicht wenn es tatsächlich ums Studieren ging. Überdurchschnittlich waren lediglich die Anzahl der Semester bis zum Abschluss, wenn es bis dahin überhaupt geschafft wurde. Wie gesagt, das war meine persönliche Wahrnehmung.
4. Kindergarten
wauz 13.10.2014
Es ist gut, wenn sich Studenten politisch informieren und politisch betätigen. Aber: das tun sie kaum noch. Die Spasslisten sind einfach ein Zeichen dafür, dass es nur noch darum geht, kreativ Geld zu verbraten. Dazu braucht es aber keine verfasste Studierendenschaft. Wer ein politisches Anliegen hat, soll sich mit anderen Zusammentun! Die nötigen Mittel finden sich!, Wo Wille ist ist (auch ein Gebüsch)!
5.
Olaf 13.10.2014
Eine Wahl bei der über die Wahlberechtigung nach eigenem Gefühl entscheiden wird, ist ein Witz. Daran sind die Leute schuld, die solch eine Satzung schreiben.
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