Von Benjamin Haerdle
Die geografische Lage macht vor allem Hochschulen in Grenznähe attraktiv. In Deutschland wohnen, in den Niederlanden studieren - getreu dieser Devise verfahren viele Studierende. Sie pendeln aus den ländlichen Räumen auf deutscher Seite Richtung Nimwegen oder Groningen, quasi ein Auslandsstudium light. Die Sprache ist dabei keine Barriere. In grenznahen Schulen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen lernen Tausende deutsche Jugendliche Niederländisch.
Zudem bieten viele Hochschulen mehrwöchige Niederländischkurse vor Studienbeginn an. Das reicht aus, um dem Unterricht folgen zu können. An mancher Hochschule wie etwa der FH Saxion am Standort Enschede kommen die meisten Studierenden aus einem Umkreis von 100 Kilometern. "Wir sehen uns deshalb schon längst als euregionale Hochschule", sagt Rob Admiraal, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der FH Saxion.
Die Gäste profitieren auch von der niederländischen Verfassung, die das Recht auf Bildung festschreibt. "Jeder, der die formalen Aufnahmebedingungen erfüllt, wird an den Hochschulen aufgenommen", erklärt Admiraal, denn ein Numerus clausus existiert in keinem Fach. Dafür gibt es Studiengebühren, die derzeit rund 1500 Euro pro Jahr betragen. Doch das schreckt nur wenige ab: Die Deutschen stellen mit 40 Prozent die größte Gruppe unter den 50.000 ausländischen Studenten in den Niederlanden.
Englisch als Deutschenbremse?
Aber das gute Image bei den Deutschen stellt umgekehrt die Niederländer momentan vor Probleme. Zwar tobt noch nicht eine so erbitterte Diskussion wie in Österreich, wo sich medizinische Universitäten bereits von deutschen Studierenden überlaufen fühlen. Bei der FH Fontys, wo am Standort in Venlo einzelne Kurse zu 85 Prozent mit deutschen Studierenden besetzt sind, will man aber die Zahl deutschsprachiger Studiengänge nicht ausbauen.
"Wir haben nichts gegen Deutsche, ganz im Gegenteil. Sie sind meist besser und motivierter als unsere Studierenden", sagt Meijer. Doch das nationale Ungleichgewicht in den Kursen führe dazu, dass in Projektgruppen Deutsche und Niederländer jeweils nur mit Landsleuten zusammenarbeiteten. Zudem würden Niederländer den Standort Venlo vermehrt meiden und sich in Eindhoven einschreiben.
Fontys will sich nun stärker als internationale Hochschule profilieren: "Wir möchten mehr englischsprachige Kurse, mehr internationale Themen und mehr ausländische Studierende", formuliert Meijer die neue Strategie. Und auch der Maastrichter Uni-Chef Ritzen setzt künftig darauf, mehr Studierende aus Großbritannien zu locken. Gute Argumente haben die Hochschuloberen in jedem Fall parat: Schon jetzt rühmt sich das Nachbarland, mit mehr als 1460 Studienprogrammen das größte Angebot an internationalen Kursen in Europa mit Ausnahme von Großbritannien bereitzustellen.
Benjamin Haerdle ist Journalist in Leipzig
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