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Auslandsstudium mit Behinderung: "Germany is so barrierefrei"

Von Marie Löwenstein

Sprachbarrieren sind ihr kleinstes Problem: Wollen behinderte Studenten ins Ausland, steht ihnen viel im Weg, ihr Semester in der Fremde ist fast immer kompliziert und teuer. Vier Studenten erzählen, wie sie sich trotz Widrigkeiten ihren Traum erfüllten. 

Janine Mohr: "Nicht jeder kann so kämpfen wie ich" Zur Großansicht
Marie Löwenstein

Janine Mohr: "Nicht jeder kann so kämpfen wie ich"

Janine Mohr, 23, sitzt zwar im Rollstuhl, aber deswegen wollte sie nicht in Deutschland festhängen. "Ich habe gar nicht eingesehen hier zu bleiben, nur weil ich behindert bin", sagt sie. Sie lässt sich nicht leicht unterkriegen. Deswegen hat sie auch für ihr Auslandssemester in Spanien gekämpft - und gewonnen. Als Praktikantin ging sie an eine Sprachschule in Valencia.

Janine Mohr ist von Geburt an tetraspastisch gelähmt und benötigt rund um die Uhr Hilfe und Pflege. Wo andere Studenten über die Sprachbarriere klagen, wurden für sie schon Treppen zum Problem. Spanien sei zwar nicht unbedingt barrierefreier als Deutschland, aber dafür seien die Leute pragmatischer, sagt sie.

Es gebe nicht solche Berührungsängste: In Deutschland hätten immer alle Angst, etwas falsch zu machen. "Wenn ich in Spanien vor einer Treppe stand, hatte ich machmal gar keine Zeit zu erklären: 'Einer trägt mich und zwei den Rollstuhl' - da war ich schon oben." Heute arbeitet sie im internationalen Büro des Studentenwerks Köln und hilft anderen, im Ausland zu studieren.

Selbst in der Fremde studieren oder arbeiten wollte Mohr schon als Grundschülerin. Dass dieser Traum viel kosten sollte, hielt sie nicht ab. Für erhöhte Reisekosten, Versicherungen und eine behindertengerechte Wohnung, in der auch ihre Assistentin wohnen kann, musste sie etwa 20.000 Euro bezahlen. Deswegen wählte sie den Studiengang "mehrsprachigen Kommunikation" in Köln. Der schreibt ein Auslandssemester oder -praktikum vor und lieferte ihr so ein wichtiges Argument, um Fördergeldern erfolgreich zu beantragen.

"Wenn es nicht in der Studienordnung vorgeschrieben ist, muss man sehr hartnäckig sein oder auf die Tränendrüse drücken", sagt sie. Die Mitleidstour ist nicht ihre Art. Ein Auslandssemester machen zu können, sieht sie als ihr Recht an. Mit einer Kombination von Stipendien konnte sie die Reise schließlich bezahlen.

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1. ERASMUS-Förderung für Behinderte
symmank 22.07.2011
Die Anregung für den Artikel kam offenbar aus einer Fachtagung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) im Mai 2011 in Bonn: Zwei der Interviewten erhielten eine Sonderförderung im Rahmen des ERASMUS-Programms (eu.daad.de/veranstaltungen). Wir hätten uns gewünscht, dass dies Erwähnung findet, denn das Angebot gilt für alle Behinderten, die ein Auslandsstudium oder -praktikum planen.
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Trotz Behinderung ins Ausland
Auslandssemester und Karriere
Für Menschen mit einer Behinderung ist es oft schwer, eine Arbeit zu finden. Fehlende Auslandserfahrung kann dabei gerade für Akademiker eine Barriere darstellen, denn die wird in vielen Berufen vorausgesetzt. Oft heißt es in Job-Ausschreibungen: “Behinderte werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt“. Die gewünschte Qualifikation können Behinderte ohne ein Auslandssemester aber oft gar nicht erreichen.

Ein Auslandssemester im Lebenslauf kann potentielle Arbeitgeber davon überzeugen, dass der Bewerber sich im fremden Umfeld selbstständig zurrecht findet. Deswegen lohnt es gerade für Studenten mit Behinderung, ein Auslandssemester anzustreben. Das zu realisieren ist aufwändig, aber nicht unmöglich.
Planung
Ein Auslandssemester für Studenten mit Behinderung braucht viel Vorlauf. Welche Partneruniversitäten hat meine Universität, die behindertengerecht sind? Wie finanziere ich meinen Aufenthalt? Wo wohne ich und wie komme ich zur Universität? Studenten sollten sich frühzeitig mit den Auslandsbüros beider Universitäten sowie den jeweiligen Behindertenbeauftragten in Verbindung setzen. Nützlich ist es auch, sich Erfahrungsberichte von Studenten durchzulesen, die schon einmal im Ausland waren.
Finanzierung
Wenn ein Auslandssemester in der Studienordnung vorgeschrieben ist, ist es leichter, Fördergelder zu beantragen. Es ist empfehlenswert, sich frühzeitig Bewerbung bei mehreren Stellen zu bewerben. Oft fühlt sich keine Stelle zuständig und Bewerbungen werden hin und her geschoben, was viel Zeit kostet. Interessierte sollten gründlich recherchieren, welche Kosten an der Zieluniversität auf sie zu kommen.

Mit etwas Glück übernimmt der DAAD “behinderungsbedingte Mehrkosten“. Dazu zählt beispielsweise eine behindertengerechte Unterkunft mit Wohnraum für eine Assistenz. Außerdem wird man als körperbehinderter Student mit dem Höchstsatz des Auslands-Bafög gefördert. Selbst wenn man im Inland keinen Anspruch auf Bafög hat, lohnt es sich dennoch, einen Antrag auf Auslands-Bafög zu stellen, weil beim Auslands-Bafög die Einkommensgrenze höher ist als im Inland.

Auch Erasmusgeld sollte beantragt werden. Zusätzlich lohnt es sich um Stipendien bei Stiftungen zu bewerben. Auf der Website des Studentenwerks Köln findet sich eine ausführliche Liste.