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Umstrittene Pläne: Baden-Württemberg will Promotionsrecht für FHs öffnen

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Corbis

Hochschulabsolventin: Wo darf ich jetzt promovieren?

Das Promotionsrecht ist ein Vorrecht der Universitäten - noch. Denn ein Bundesland nach dem anderen will auch Fachhochschulen das Doktormachen erlauben. Baden-Württemberg hat dazu jetzt eine "Experimentierklausel" angekündigt. Doch es gibt Widerstand.

Erst preschte Schleswig-Holstein mit einem Vorschlag zum Promotionsrecht vor, jetzt folgen Baden-Württemberg und Hessen. Im nördlichsten Bundesland hatte die für Wissenschaft zuständige Ministerin Waltraud Wende (parteilos) erst vor wenigen Wochen angekündigt, dass künftig auch Fachhochschulen den Doktortitel verleihen dürfen sollen. Bislang ist das ein Privileg der Universitäten, eines, das sie energisch verteidigen.

Jetzt hat auch die baden-württembergische Forschungsministerin Theresia Bauer (Grüne) angekündigt, in einem neuen Landeshochschulgesetz "neue Wege zur Promotion" zu schaffen. Dazu gehört eine "Experimentierklausel", die vorsieht, "einem Zusammenschluss von Hochschulen für angewandte Wissenschaften das Promotionsrecht befristet und thematisch begrenzt zu verleihen". Im Klartext: Das Doktormachen soll nicht allein den Unis vorbehalten bleiben, sondern eingeschränkt auch für HAWs, wie die FHs im Südwesten heißen, möglich sein.

Ein ähnlicher Passus findet sich im schwarz-grünen Koalitionsvertrag für Hessen. Dort heißt es: "Außerdem werden wir ein eigenständiges Promotionsrecht für forschungsstarke Bereiche hessischer Fachhochschulen etablieren." Über Parteigrenzen hinweg wollen Forschungs- und Bildungspolitiker so die Fachhochschulen stärken.

Gar nicht begeistert sind davon allerdings die Universitäten und die Standesvertreter der Hochschulen. Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler, urteilt: "Die Experimentierklausel im Entwurf des baden-württembergischen Hochschulgesetzes wurde offenbar überhastet und ohne faktische Notwendigkeit eingefügt." Denn schon jetzt funktioniere die Kooperation von Universitäten und HAWs, auch bei den Promotionen.

Der Deutsche Hochschulverband bewertet die Vorschläge ähnlich: "Wir lehnen die Pläne ab und sehen sie mit großer Sorge", sagte Sprecher Matthias Jaroch. Zum Markenkern der Universitäten gehöre die Grundlagenforschung, es würde sie schwächen, wenn das Promotionsrecht aufgeweicht würde.

Schon zu den Plänen in Schleswig-Holstein hatte Jaroch gesagt: "Wenn man den Fachhochschulen die Verleihung von Doktortiteln erlaubt, dann verwässern die Profile der beiden Hochschultypen." Die Promotion passe einfach nicht in das Profil einer Fachhochschule, "sie kann sie von ihrem Auftrag her auch gar nicht leisten".

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insgesamt 54 Beiträge
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1. Profil...
spiegel-kommentar 23.01.2014
Ich denke schon, dass die Promotion an Hochschulen leistbar ist. Vermutlich ist die Betreuung im Regelfall sogar erheblich besser als an Universitäten, wo die Doktoranden in Mega-Instituten untergehen.
2. soso Hessen´s
offspec 23.01.2014
1. Gibt es wenigestens EIN EINUZIGES Beispiel für "Forschungsstarke FH" ? Gwöhnlichs ind das Einrichtungen mit nicht habliliterten und bisweilen sogar nicht promovierten Professoren. 2. "Promotion an Hochschulen leistbar ist": Nur zur Erinnerung: Hochschulen sind KEINE Fachhochschulen - noch NICHT lieber Forist ! D´s Ausbildungsniveau nähert sich dem mässigen Europäischen immer mehr an. Beispiele zuhauf: G-8 ohne Sinn und Verstand, Bachelor ohne Inhalte und Wert, kleine Promotion in Prag usw. usf.
3. Wozu
Mannfreed 23.01.2014
Ich frage mich, warum der Anspruch immer weiter sinken soll? Nicht, dass ich einer FH das nicht zutraue, aber die Zahl der Dissertationen wird steigen. Und was bedeutet das? Wofür habe ich mich jahrelang von Mist ernährt? Wozu habe ich sieben Jahre bis drei Uhr Nachts gearbeitet? Warum habe ich sogar Arbeit von einem Jahr in die Tonne gekloppt, weil ich auf dem Holzweg war und keinen Mist einreichen wollte? Damit demnächst jeder... Ich bin sehr für das Nadelohrprinzip. Abitur schenken, okay. Studium für jeden, okay. Aber irgendwann ist ja mal Schluss. An meiner ehemaligen Fakultät promovieren bei ~2.000 Studenten im Mittel drei Leute pro Jahr und darauf darf ich nicht stolz sein? Ich biete jedem an, an meine Arbeit abzuknüpfen. Fulltime für drei Brötchen pro Tag. Dauer etwa fünf bis sieben Jahre. Bitte melden!
4. Das Profil ...
CMES 23.01.2014
Zitat von spiegel-kommentarIch denke schon, dass die Promotion an Hochschulen leistbar ist. Vermutlich ist die Betreuung im Regelfall sogar erheblich besser als an Universitäten, wo die Doktoranden in Mega-Instituten untergehen.
... der Fachhochschulen oder auch Universities of Applied Sciences (wie sie oft genannt werden), ist eine Praxisorientierung. Dies ist die große Stärke der Fachhochschulen. Die Stärke der Universitäten ist eine fundierte theoretische Tiefe, die Fachhochschulen in diesem Umfang nicht leisten können. Gerade für Forschung und Lehre im universitären Umfeld ist es allerdings notwendig, in der Tiefe Methoden und Theorien zu kennen, zu verstehen und miteinander in Verbindung setzen zu können. Dies kann zum einen auf theoretischer Ebene, zum anderen auf praxisorientierter Ebene erfolgen. Dennoch ist der Unterschied zwischen den beiden Hochschultypen sehr groß, so dass es Sinn macht eine Doktorarbeit an der Universität zu belassen, da ProfessorInnen an der Universität auch habilitiert sind, während an der Fachhochschule die Bezeichnung Professor oftmals nur verliehen wird, so dass die Einschränkung für Fachhochschulen zumindest lauten müsste, dass nur habilitierte ProfessorInnen eine Doktorarbeit abnehmen dürften.
5.
taubenvergifter 23.01.2014
Warum dann nicht gleich auf die gymnasiale Oberstufe ausweiten?
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