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18. Januar 2013, 13:30 Uhr

Bafög-Stau in Berlin

Wo bleibt mein Geld?

Weil ein Berliner Bafög-Amt mit der Antragsflut nicht zurechtkam, machte es für einige Wochen einfach dicht. Seit Jahresbeginn empfängt es jetzt wieder Schüler - doch Tausende stehen noch immer ohne Geld da. Und das Warten kann dauern, auch bei Studenten.

"Öffnung des Bafög-Amtes für den Besucherverkehr" steht im besten Behördendeutsch über der kurzen Mitteilung von Ende Dezember. Darin kündigt das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf an, dass Schüler, die Ausbildungsförderung beantragt haben oder beantragen wollen, endlich wieder zu den "üblichen Sprechzeiten" vorbeikommen dürfen. Und auch telefonisch sind die Mitarbeiter "wieder in vollem Umfang zu erreichen".

Das ist insofern eine Nachricht, als dass die Stelle, zuständig für das Schüler-Bafög in sieben Berliner Bezirken, zehn Wochen lang einfach dichtgemacht hatte, keine Anrufe und Mails beantwortete. Denn die Mitarbeiter kamen nicht mehr hinterher, die Antragsflut war zu groß, 5000 Anträge hatten sich bis zum Herbst aufgestaut.

Im Deutschlandfunk sagte der zuständige Bezirksstadtrat Carsten Engelmann, die Arbeitsbelastung sei zu groß, zu viele Mitarbeiter seien krank geworden. Deshalb habe er das Amt zugemacht: "Wir schaffen Arbeitsruhe, um möglichst viele Anträge abzuarbeiten." Denn irgendwann seien bis zu tausend ungeduldige Antragssteller während der Sprechstunden vorbeigekommen, sagte er der "Berliner Morgenpost".

Doch auch jetzt, nach der Schließzeit, liegen 2000 Anträge unbearbeitet im Amt. Tausende junge Menschen warten auf ihr Geld. Für einige Schüler hat sich die Lage jetzt noch einmal verschärft: Sie konnten für eine Übergangszeit von vier Monaten einen Vorschuss beantragen - aber auch diese Zeit ist mittlerweile vorbei. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft forderte deshalb, Vorabzahlungen müssten "unbürokratisch über die vier Monate hinaus" gewährt werden, und zwar ohne dass neue Anträge gestellt werden müssen.

Das Problem mit der Bafög-Warterei kennen Studenten und Schüler in vielen Gegenden Deutschlands: Selbst wenn sie ihren Antrag rechtzeitig gestellt und alle Unterlagen zusammengesammelt haben, muss das noch nicht heißen, dass auch die Förderung rechtzeitig ankommt. Immer wieder heißt es: warten, warten, warten.

Die "Süddeutsche Zeitung" zitiert Engelmann mit den Worten: "Wir sind ratlos." Mit seinem Personal könne er "den Berg nie zufriedenstellend" abarbeiten. Doch mehr Leute wird er in absehbarer Zeit wohl nicht bekommen. Während die Antragszahlen stiegen, bleibe die Besetzung in den Bafög-Ämtern oft gleich. Allein im Jahr 2012 kamen in Engelmanns Amt rund 15.000 Anträge an.

Viel besser sieht es auch für Studenten in Berlin nicht aus. Für sie ist nicht das Bezirksamt zuständig, sondern das Studentenwerk - und das warnte schon zu Semesterbeginn: Weil immer mehr Studenten nach Berlin zögen, steige auch die Zahl der Bafög-Anträge. Deshalb strich man auch dort kurzerhand vorübergehend die Sprechstunden.

Grundsätzlich gilt für jeden Studenten beim Bafög: Je früher der Antrag gestellt wird, desto größer ist die Chance, dass das Geld rechtzeitig kommt. Eine Garantie gibt es allerdings nicht.

otr

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