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24. Februar 2013, 07:37 Uhr

Plagiate

"Wer kaum Angst hat, schummelt eher"

Spickzettel versteckt, Laborergebnisse gefälscht, abgeschrieben: Einige Studenten mogeln sich durchs Uni-Leben. Schuld an Plagiaten sind auch unklare Regeln, sagen Experten. Als Strafe schlagen sie vor, schon erworbene Credit-Points zu streichen.

Die Liste der Prominenten, die über Plagiatsvorwürfe gestolpert sind, ist lang. Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte großflächig abgeschrieben. Annette Schavan, unlängst noch Bildungsministerin, verlor ihren Doktortitel, weil sie vor 33 Jahren nach Meinung ihrer Universität "vorsätzlich getäuscht" hatte.

Doch auch mancher Student haben keine weiße Weste. Das wurde auf der Bildungsmesse Didacta in Köln deutlich, wo Experten jüngste Ergebnisse aus einer Erhebung diskutierten. Demnach haben 79 Prozent der Befragten in den sechs Monaten vor der Umfrage mindestens einmal im Studium zu unsauberen Tricks gegriffen. Die Palette der Vergehen reicht dabei vom Plagiieren über Abschreiben bis zu gefälschten Laborergebnissen und Spickzetteln.

Besonders viele Studenten schreiben demnach in Klausuren ab. Mehr als jeder Dritte (37 Prozent) gab zu, das in den vorhergehenden sechs Monaten mindestens einmal gemacht zu haben. Plagiate räumte fast jeder Fünfte ein. Davon sagte knapp die Hälfte, sogar mehrmals in den letzten sechs Monaten plagiiert zu haben. "Die Ergebnisse waren für uns in ihrer Dimension erschreckend", sagte Sebastian Sattler, Projektleiter der Studie. Für die Umfrage der Universität Bielefeld wurden zwischen 2009 und 2012 in mehreren Erhebungswellen zwischen 2000 und 6000 Studenten anonym befragt.

Studenten sind seit Guttenberg "hoch nervös"

Besonders häufig plagiieren demnach Ingenieurs- und Sportwissenschaftler. Von den Ingenieurswissenschaftlern räumten 30 Prozent Plagiate ein, bei den Sportwissenschaftlern waren es 25 Prozent. Am geringsten war der Anteil in den Human- und Gesundheitswissenschaften (7 Prozent).

Die Ursachen für das Fehlverhalten waren vielfältig: "Wer kaum Angst hat, entdeckt zu werden, schummelt eher", sagte Sattler. Auch wenig stressresistente Studenten betrügen eher. Der Projektleiter rät Hochschülern, Angebote an den Unis zum Thema Stressmanagement wahrzunehmen. Denn viele Probleme mit Plagiaten seien auch darauf zurückzuführen, dass jemand nicht rechtzeitig fertig werde - und dann aus Zeitnot kopiere.

Viele Studenten hätten zudem das Zitieren nicht ausreichend erlernt, sagt Rüdiger Grimm, der sich seit Jahren als Ombudsmann für die Wissenschaft am Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie mit dem Thema Plagiate befasst.

Ähnliches hat auch der Jurist Armin von Weschpfennig von der Universität Bonn beobachtet, der auf der Didacta einen Vortrag zum Thema hielt. Vielen Studenten fehle die Methodenkompetenz, kritisierte er. Gleichzeitig seien viele seit dem Fall Guttenberg hochnervös. Das führe dazu, dass einige zur Sicherheit nun jeden beliebigen Foreneintrag aus dem Internet zitieren. Er forderte deshalb, bei den Lehrplänen nachzubessern und mehr Seminare zum Thema wissenschaftliches Arbeiten anzubieten.

Verwirrende Zitierregeln

Sattler setzt sich auch für mehr Einheitlichkeit bei den Zitierregeln und klarere Richtlinien an den Hochschulen ein. Die Zitierregeln wichen derzeit an den unterschiedlichen Hochschulen und in den einzelnen Fächern voneinander im Detail ab. Viele seien davon verwirrt.

Einig sind sich die Experten, dass die Strafen für plagiierende Studenten derzeit zu lasch sind. Zwar können Hochschüler bei besonders krassem Fehlverhalten exmatrikuliert werden. Doch kaum vorhanden sind einheitliche Strafen für ein weniger krasses akademisches Fehlverhalten. Da bleibe es bislang oft bei einem Gespräch mit dem Studenten, so Grimm, der auch an der Universität Koblenz-Landau lehrt.

Projektleiter Sattler spricht sich deshalb dafür aus, Regeln einzuführen, nach denen Studenten bei wissenschaftlichem Fehlverhalten bereits erworbene Credit Points wieder abgezogen werden können.

Positiv sehen die Experten auch die Idee von Selbstverpflichtungen von Studenten - ähnlich wie in den USA. Dort verpflichten sich Hochschüler mit der Einschreibung, wissenschaftlich sauber zu arbeiten. Auf diese Zusage werden sie dann bei jeder Prüfung hingewiesen.

Von Kristin Kruthaup/dpa/son

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