Von Alexandra Straush
Mitte Juni ging ein Aufatmen durch die Universität Jena. Die sogenannte School for Microbial Communication hatte sich als eine von 45 Graduiertenschulen in der Exzellenzinitiative behauptet. Zwei weitere Graduiertenschulen, ein Exzellenzcluster und ein Zukunftskonzept fielen jedoch schon in der Vorrunde durch. Freude und Frust liegen nicht nur in Jena nahe beieinander. Sie gehören zu einer Organisation, machen ihr Leben aus, bestimmen ihr Klima.
Freude gilt dabei als ein Selbstläufer. Aber bei Frust sind Vorgesetzte gefragt wie nie. Vor allem, wenn Mitarbeiter umsonst viel Zeit und Energie in ein Projekt gesteckt haben. "Die Belastung ist riesig und der Erfolgsdruck so hoch wie bei der Fußball-Nationalmannschaft, wenn sie gegen Italien spielt", sagt der Jenaer Rektor Prof. Dr. Klaus Dicke. "Unter diesen Bedingungen kochen auch schnell Konflikte hoch."
Die Auslöser dafür kommen oft von außen, etwa in Form der Exzellenzinitiative, eines anerkannten Rankings oder einer Etatkürzung aus dem Ministerium. Ein kritisches Lebensereignis nennt Dr. Uwe Schimank so etwas. Den Begriff hat der Professor am Institut für empirische und angewandte Soziologie der Universität Bremen aus der Entwicklungspsychologie entlehnt. Hier bezeichnet er einschneidende Erlebnisse des Einzelnen wie einen Todesfall oder einen Lottogewinn. Die Folgen sind Irritation und Stress im positiven wie negativen Sinne.
Mit dem Begriff bezeichnen Arbeits- und Organisationspsychologen einen schwer zu erfassenden Sachverhalt in etwa so: Das Betriebsklima ist die persönliche Wahrnehmung der Qualität der Zusammenarbeit aller Beschäftigten in einem Betrieb. Alternativ wird auch der Begriff Organisationsklima verwendet. Denn eine Organisation ist ein strukturiertes soziales Gebilde, das ein bestimmtes Ziel verfolgt. Unter den Begriff fallen also Unternehmen genauso wie Behörden oder Hochschulen. In jedem Fall geht es um die Befindlichkeit der Mitarbeiter, um Zufriedenheit und Identifikation, kurz um das Gefühl, beim eigenen Arbeitgeber am rechten Fleck zu sein.
In der Wirtschaft hat es sich eingebürgert, dem Betriebsklima durch Fragebögen zur Mitarbeiterzufriedenheit auf den Zahn zu fühlen. An Hochschulen und in Forschungseinrichtungen hingegen wird das Thema bisher eher vernachlässigt. Das kann unangenehme Folgen haben. Die empirische Forschung hat diverse Zusammenhänge zwischen dem abgefragten Befinden der Mitarbeiter und personalwirtschaftlich relevanten Zahlen festgestellt. Ein hoher Krankenfehlstand und eine überdurchschnittlich hohe Fluktuation beim Personal fänden sich dort, wo Mitarbeiter das Betriebsklima als schlecht empfinden, sagt Dr. Martin Braun. Er untersucht am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart die Einflussfaktoren für gesundes und erfolgreiches Arbeiten.
Gutes Klima motiviert Mitarbeiter
Dazu gehört auf jeden Fall schönes Wetter. Aus Sicht der Arbeitspsychologen fördert gutes Klima im Haus die Motivation und die Identifikation mit dem Unternehmen. Das wirkt sich auf die Innovationskraft eines Betriebs und den wirtschaftlichen Erfolg aus. Und darauf komme es am Ende auch in der Wissenschaft an, sagt Martin Braun: "Hier sind die individuelle Motivation und Kreativität erfolgskritische Faktoren. Weil sich die technische Ausstattung immer mehr angleicht, ist es der Mensch, der den Unterschied macht." Es lohnt sich also, in guten wie in schlechten Zeiten auf das Betriebsklima zu achten.
Ein Lob ist das Mindeste
Diese Rahmenbedingungen kann zwar jeder Einzelne mehr oder weniger mit beeinflussen - etwa durch Engagement und kollegiales Verhalten. Die Hauptaufgabe liegt aber beim Management. Mitarbeiter registrieren genau, wie sich die Leitung zu verschiedenen Situationen stellt. "Der Erfolg eines Exzellenzprojekts muss spürbar sein als Erfolg der Universität insgesamt", beschreibt zum Beispiel der Jenaer Rektor Klaus Dicke seinen Führungsstil.
Damit kommt er auf eine wichtige Stellschraube für gutes Betriebsklima zu sprechen: Wertschätzung. Sie drückt sich oft schon in sehr kleinen Dingen aus, meint Dicke: "Ob man zum Beispiel eine Gratulations-E-Mail verschickt, wenn jemand einen Preis bekommen hat, oder als Rektor zu einer Veranstaltung ein Grußwort hält."
Positive Ereignisse wie die Einladung zu einer Konferenz oder einen angenommenen Aufsatz in einer anspruchsvollen Publikation gelte es zu feiern, meint auch Prof. Dr. Alfred Kieser. Er ist Vizepräsident für Forschung der Zeppelin Universität in Friedrichshafen und lehrt Managementtheorie. "Anerkennung ist im Hochschulbetrieb essentiell", sagt er. Da der finanzielle Spielraum für Prämien wie in der Wirtschaft zu eng sei, bleibe Lob die einzige Möglichkeit, einen Mitarbeiter anzuspornen. "Wenn er weiß, dass sein Vorgesetzter ihn schätzt, sitzt er länger an seiner Arbeit, kommt häufiger mit eigenen Vorschlägen."
Eine weitere Konstante guten Betriebsklimas ist das Vertrauen, meint Organisationssoziologe Schimank und erläutert das am Beispiel der Exzellenzinitiative: "Es gibt nichts Schlimmeres als an einer Exzellenzuniversität nicht zu den begünstigten Fächern zu gehören." Denn das bedeute im Extremfall, zur Verfügungsmasse zu werden, zugunsten des lukrativeren Zweigs Stellen und Ressourcen einzubüßen.
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