Bildung in der EU: Europäer wetteifern im Hochschulsparen

Auch wenn Politiker gern und oft die Wichtigkeit von Bildung beschwören - Geld nehmen die Länder der EU dafür zu wenig in die Hand. Eine Studie über Hochschulausgaben zeigt: Vielerorts ist Protest durchaus angebracht.

Studentendemo in Großbritannien: 40 Prozent weniger Geld für die staatlichen Unis Zur Großansicht
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Studentendemo in Großbritannien: 40 Prozent weniger Geld für die staatlichen Unis

In Großbritannien besetzten Studenten ihre Hochschulen und gingen zu Zehntausenden auf die Straße; in Italien riefen sie zu Massenprotesten auf, in Irland blockierten sie gar das Parlamentsgebäude. Europas Studenten scheinen derzeit vereint im Protest gegen die Kürzungen an ihren Hochschulen.

Die nationenübergreifende Bewegung irrt nicht: Wie drastisch die Sparmaßnahmen fast überall auf dem Kontinent sind, verdeutlicht nun eine Studie der European University Association (EUA), aus der der "Tagesspiegel" zitiert. Es gibt demnach kaum ein EU-Land, das nicht im Bildungssektor kürzt:

  • Die britische Regierung möchte für die staatlichen Universitäten künftig 40 Prozent weniger Geld ausgeben, gemessen am derzeitigen Budget wären das jährlich umgerechnet 3,5 Milliarden Euro.
  • Italien will in diesem Jahr 550 Millionen Euro einsparen, fast doppelt so viel wie im Vorjahr.
  • In Griechenland verlieren die Hochschulen voraussichtlich ein Drittel ihres Budgets,
  • in Lettland mussten sie schon 2009 mit der Hälfte ihrer staatlichen Mittel auskommen.

Eine "große Unsicherheit" sei zu spüren, schreiben die Autoren, die zwei Jahre lang die Auswirkungen der Finanzkrise auf Europas Hochschulen untersucht hatten. Ihr Ergebnis: Vor allem die Lehre leide unter den Einsparungen.

Einzig für Frankreich und Deutschland finden die Forscher auch Lob. Die Regierungen dieser beiden Länder, heißt es in der Studie, würden sich dem Trend widersetzen und weiter in Bildung investieren.

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Sparen? Ja, aber an der richtigen Stelle!
rorrim 22.03.2011
Zitat von sysopAuch wenn Politiker gern und oft die Wichtigkeit von Bildung beschwören - Geld nehmen die Länder der EU dafür zu wenig in die Hand. Eine Studie über Hochschulausgaben zeigt: Vielerorts ist Protest durchaus angebracht. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,743970,00.html
Hochschulen können sparen. Studiengänge, die am Markt und am Bedarf des Landes vorbeigehen, sollten eingeschränkt werden. Dieses Geld kann in zukunftsträchtige Studiengänge investiert werden. Ich möchte hier keine Studiengänge nennen, aber vielleicht kann man die Arbeitslosenstatistiken heranziehen. Wahrscheinlich unterstellen mir manche ein zu stark marktorientiertes Denken oder appellieren an die Freiheit des Studiums. Aber woher kommt das Geld?
2. Darfs noch etwas mehr sein?
cread 22.03.2011
Das alte Lied: Bildung für alle, aber bitte doch nur wenn marktrelevant... Sparen kann man an ganz anderen Stellen; gleichzeitig muss man dazu sagen das Deutschland sich schon Tod verschuldet hat. Woher Geld nehmen(?), war scheinbar nie das Problem... Allgemein ist es jedenfalls verfassungswidrig nur an bestimmten Studiengängen zu sparen, also ist das ohnehin keine Möglichkeit - gleichzeitig kann ich beruhigen: Wenn allgemein an den Hochschulen gespart wird, kommen mehr "Sponsoren" ins Boot (bzw. wird mehr darum geworben) und dann ist der Markt auch Entscheidungsträger. Allerdings sind die "Marktanforderung" ziemlich "witzlos": billig musst du sein, jung musst du sein, motiviert musst du sein aber vor allem: marktkonform musst du sein. Beurteilen kann das jetzt wieder wie er will...
3. Zu marktorientiertes Denken ...
AlexanderKiel 22.03.2011
Zitat von rorrimHochschulen können sparen. Studiengänge, die am Markt und am Bedarf des Landes vorbeigehen, sollten eingeschränkt werden. Dieses Geld kann in zukunftsträchtige Studiengänge investiert werden. Ich möchte hier keine Studiengänge nennen, aber vielleicht kann man die Arbeitslosenstatistiken heranziehen. Wahrscheinlich unterstellen mir manche ein zu stark marktorientiertes Denken oder appellieren an die Freiheit des Studiums. Aber woher kommt das Geld?
das muß ich Ihnen in der Tat unterstellen. Die Universität ist in erster Linie eine Stätte der Wissenschaft, also der wissenschaftlichen Forschung und Lehre. Es ist nicht Aufgabe der Universitäten, für den "Markt" auszubilden - dafür haben wir nach wie vor die Fachhochschulen, die im Gegensatz zu Universitäten eher marktorientiert ausbilden. Was ist der Bedarf des Landes? Das sollte doch hoffentlich auch Allgemeinbildung und Grundlagenforschung beinhalten, also Dinge, die für ein breit ausgelegtes Universitätsangebot sprechen und gegen eine Marktorientierung. Genau falsch, so können Sie nur den aktuellen Bedarf feststellen, aber eben gerade nicht zukunftsträchtige Studiengänge erkennen. Wieder kann ich nur auf die (nicht zielorientierte) Grundlagenforschung verweisen, der man ja zunächst weder Marktnutzen noch Zukunftsträchtigkeit ansieht - beides sollte aber für eine wissenschaftliche Bildungsstätte keine Maxime sein. Das tue ich in der Tat, ich denke, Sie gehören zu einer - leider sehr großen - Gruppe von Menschen in Deutschland, die denn Zweck einer deutschen Universität sowie den Sinn von nicht zielorientierter Grundlagenforschung und Bildung nicht verstehen. Zu Ihrer letzten Frage: Das Geld kommt natürlich nicht vom Markt, sondern vom Steuerzahler, also vom Volk. Dementsprechend dürfen wir auch eine Universitätenlandschaft im Namen des deutschen Volkes erwarten - stattdessen werden durch die Hintertür immer mehr Politiker und Manager in "Vorstände" oder "Präsidien" von Universitäten eingeschleust, die weder von Lehre noch Bildung noch Wissenschaft etwas verstehen, aber die Universitäten leiten wollen wie Fabriken.
4. Titel unnötig
ixelloise 22.03.2011
Zitat von sysopAuch wenn Politiker gern und oft die Wichtigkeit von Bildung beschwören - Geld nehmen die Länder der EU dafür zu wenig in die Hand. Eine Studie über Hochschulausgaben zeigt: Vielerorts ist Protest durchaus angebracht. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,743970,00.html
Die Wichtigkeit der Bildung, das sind Schaufensterreden der Politiker, europaweit. Bildung hat keine Lobby und ist auch nicht alternativlos. Was an Geld da ist wird rausgeworfen um systemrelevante Banken zu retten und zum Kriegführen am Hindukusch - oh, das darf ja nicht so genannt werden! 1968 hat sich wirklich was bewegt, die Studenten heute sind entweder in Lethargie verfallen oder warten ergeben auf Änderung. Und die ist ja wohl nicht in Sicht.
5. .
RobinB 22.03.2011
Zitat von ixelloiseDie Wichtigkeit der Bildung, das sind Schaufensterreden der Politiker, europaweit. Bildung hat keine Lobby und ist auch nicht alternativlos. Was an Geld da ist wird rausgeworfen um systemrelevante Banken zu retten und zum Kriegführen am Hindukusch - oh, das darf ja nicht so genannt werden! 1968 hat sich wirklich was bewegt, die Studenten heute sind entweder in Lethargie verfallen oder warten ergeben auf Änderung. Und die ist ja wohl nicht in Sicht.
Ich dachte das wären die 1968er, die uns gerade diesen Mist einbrocken... Der durchschnittlich Bankenvorstand, einflussreiche Politiker, Lobbyist, etc. hat doch ein Alter jenseits der 50. Lustig, das gerade die uns vorwerfen, wir würden uns nicht genug gegen sie wehren... Alt68er haben Deutschland wieder kriegstauglich gemacht und die solidarische Sozialgemeinschaft gleich auf mehreren Ebenen abgeschafft. Was haben sie selber geleistet? Nichts ausser vom Marschallplan profitiert. Vielen Dank!
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