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Studentenfilm über bolivianische Silbermine: Schwerer Atem im Todesberg

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Vimeo/Armin Thalhammer

Die Arbeit in den Silberminen des Berges Cerro Rico in Bolivien ist lebensgefährlich. Sechs Studenten haben gefilmt, unter welchen Qualen die Arbeiter seltene Metalle aus der Erde holen.

Doch, sagt Armin Thalhammer, beklemmend sei das schon gewesen - und beängstigend. Stundenlang in einem schmalen Gang unter der Erde, nur 80 Zentimeter hoch und einen Meter breit. Staub, Gestank, Hitze. "Als ich das zum ersten Mal gesehen habe, war ich geschockt und zugleich fasziniert", sagt der 25-jährige Filmstudent an der Fachhochschule Salzburg.

Das erste Mal, das war bei einer Reise mit Künstlern aus Mexiko, die Armin Thalhammer 2013 durch Südamerika unternahm. Im bolivianischen Potosi, 4100 Meter über dem Meeresspiegel, lernte er die Familie Cruz kennen - allesamt Mineros, Bergarbeiter, die in den Stollen des Cerro Rico arbeiten. "Auch heute noch graben sich rund 15.000 Arbeiter, darunter auch Kinder, mit Hammer und Meißel durch den Berg, um Silber, Zinn, Blei, Kupfer oder Zink zu finden", sagt der Student aus Salzburg, "trotz giftiger Dämpfe und Staub tragen die meisten der Kumpel keine Gasmaske oder Sicherheitskleidung."

Lebensgefährliche Suche nach Silber

Die Arbeit ist lebensgefährlich: Allein zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert sind hier mehrere Millionen Menschen bei der Jagd nach den Silbervorkommen ums Leben gekommen, und bis heute stirbt durchschnittlich ein Mensch pro Tag durch einen Arbeitsunfall oder an Vergiftungserscheinungen. Auch die Familie Cruz hat ein Todesopfer zu beklagen: Einer der Söhne starb mit 14 Jahren an einer Kohlenmonoxidvergiftung in der Mine. Dennoch arbeiten die anderen weiter unter Tage, eine andere Chance zum Überleben haben sie nicht: der Vater, die drei erwachsenen Söhne und der Schwiegersohn.

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Filmprojekt in Bolivien: Studenten in der tödlichen Silbermine
"Man muss einfach zeigen, unter welchen Umständen Menschen auf der Welt leben", sagte sich Thalhammer und entwickelte zusammen mit fünf Kommilitonen die Idee zu einem studentischen Doku-Filmprojekt. "Ein Semester dauerte die organisatorische Vorbereitung", erzählt Katharina Rettenbacher, die als Producerin für Drehgenehmigungen, Visa und Finanzierung zuständig war. Dann war der Papierkram erledigt, die sechs Studenten absolvierten einen Spanisch-Kurs, flogen für sechseinhalb Wochen nach Bolivien und gingen unter Tage.

"Wir sind wirklich in den Alltag der Familie Cruz eingetaucht", berichtet Julian Hartmuth, der das Projekt als Kameramann begleitete. Alltag, das heißt: bis zu 18 Stunden am Stück in der Dunkelheit der Mine. Essen ist unter Tage verboten - die Mineros kauen deshalb Kokablätter gegen die Müdigkeit und den Hunger. "Die Luft war so schlecht, dass ich teilweise Angst hatte, keine Luft mehr zu bekommen", sagt Julian. Trotzdem gingen die Filmstudenten jeden Tag wieder in die Stollen, krochen durch die engen Gänge, filmten und fotografierten. Dabei entstanden beeindruckende Porträts der Minenarbeiter.

Auf der Suche nach Geldgebern

"Dieses Projekt ist uns allen wahnsinnig wichtig", sagt Armin, "wir wollten das auf jeden Fall zu Ende bringen und den Film fertigstellen." Mehrere Tausend Euro aus eigener Tasche hat jeder der sechs Nachwuchsfilmer bisher dafür aufgebracht. Per Crowdfunding und auf ihrer Homepage werben die Studenten deshalb jetzt um Unterstützer, um ihr anspruchsvolles Doku-Projekt endgültig fertigstellen zu können. "Die FH und die Filmförderung haben uns zwar schon großzügig unterstützt, aber wir haben mit dem Film noch einiges vor", sagt Producerin Katharina.

Den fertigen Film sollen "die Kino-Besucher so intensiv wie möglich erleben", beschreibt Armin den Anspruch. Die Studenten haben sich deshalb gegen einen Sprecher entschieden, sondern setzen ganz auf die Töne und die akustische Atmosphäre, die sie in der Mine aufgezeichnet haben. Um diese beängstigende Situation auch wirklich vermitteln zu können, werden für die Vorführung spezielle Lautsprecher-Systeme aufgebaut. Als "experimentellen Dokumentarfilm" beschreiben die Studenten ihr Werk selbst - und hoffen, damit nicht nur bei experimentierfreudigen Kinobetreibern, sondern auch auf Filmfestivals im kommenden Jahr auf Interesse zu stoßen.

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1. lebensgefährliche arbeit
digital-transducer 13.12.2014
wie die meisten minen, die es gibt. was kann man machen, daß die arbeit sicherer und besser bezahlt wird? letztenendes sind wir es doch, die die abnehmer von den rohstoffen sind. auf teleshopping werden saphire und diamanten verkauft, aus irgendwelchen minen, aber der gewinn geht nicht an die arbeiter, hier wird daß zeug verkauft.
2.
gankuhr 13.12.2014
Zitat von digital-transducerwie die meisten minen, die es gibt. was kann man machen, daß die arbeit sicherer und besser bezahlt wird? letztenendes sind wir es doch, die die abnehmer von den rohstoffen sind. auf teleshopping werden saphire und diamanten verkauft, aus irgendwelchen minen, aber der gewinn geht nicht an die arbeiter, hier wird daß zeug verkauft.
Naja, im Artiel steht doch, dass auch schon im 16. Jahrhundert Silber gefördert wurde. An Teleshopping kanns also nicht liegen, dass die Arbeitsbedigungen und Sicherheitsbestimmungen sind, wie sie sind...
3. Potosi war lange Zeit die reichste Stadt von ganz Amerika
Holledauer 13.12.2014
und außerdem ein kulturelles Zentrum. Die ist jedoch schon gut 250 Jahre her. Damals schufteten vor allem die eingeborenen Indios für die spanischen Granden. Den ehemaligen Reichtum Potosis erkennt man auch noch heute, wenn man durch die Altstadt geht, was jedoch sehr anstrengend, denn in über 4.000 Meter Meereshöhe isst. Heute zählt das rohstoffreiche Bolivien zu den ärrmsten Ländern Amerikas, obwohl das Landd die reichsten Lithiumvorkommen derr Welt hat. Ich hatte die Gelegenheit mit dem Auto von La Paz nach Potosi fehrren zu werden. Die Eindrücke der farbig bebänderten Berge durch ihren Schwermetallgehalt ist unvergesslich! Ich sah sogar einen grünlich schimmernden Berg. Nicht durch Vegetation, sondern durch Kupfer- und Nickelverbindungen eingefärbt. Und ich sah: Armut, Armut Armut! Bolivien ist das einzige Land in dem eine Kindergewerkschaft für ihr Recht auf Arbeit kämpft! Einen Hoffnungsschimmer stellt der jetzige indigene Staatspräsident dar, der zunehmend verhindert, dass der Reichtum des Landes in den Taschen einiger Reicher verschwindet.
4.
Friedrich Otto 14.12.2014
Die Mienenarbeiter sind schon immer die Dummen gewesen , diese Bedauernswerten Menschen schuften bis zum erbrechen damit die Bosse der Mienen immer reicher werden . Diese Barone sollten in die Wüste geschickt werden , aber ohne Wasser , Fietje
5. Manchmal sind die Alternativen rar
mit66jahren 14.12.2014
Zitat von Friedrich OttoDie Mienenarbeiter sind schon immer die Dummen gewesen , diese Bedauernswerten Menschen schuften bis zum erbrechen damit die Bosse der Mienen immer reicher werden . Diese Barone sollten in die Wüste geschickt werden , aber ohne Wasser , Fietje
Bedingungslose Grundeinkommen gibt es selten auf der Welt. Selbst wenn die Bolivianer ihre Bosse verjagen würden, müssten sie wahrscheinlich weiterhin in den Todesberg gehen, um die Existenz ihrer Familien zu sichern. In ähnlicher Weise fristeten auch viele Bewohner des Erzgebirges vor über 100 Jahren ihr Leben. Der Tod war allgegenwärtig und die "Schneeberger Krankheit" ist noch heute ein Begriff. Man kann unseren Vorfahren nicht verübeln, dass sie vielmals das Risiko der Auswanderung nach Amerika in Kauf nahmen, um den Strohhalm für ein besseres Leben zu ergreifen.
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Länderlexikon
Wichtigste Eckdaten

Eigenname: Plurinationaler Staat Bolivien

Offizieller Eigenname: Estado Plurinacional de Bolivia

­Staats- und Re­gie­rungs­chef: Evo Morales
(seit Januar 2006)

Außenminister: David Choquehuanca (seit Januar 2006)

Staatsform: Präsidialrepublik

Mitgliedschaften: Uno, OAS, Caricom

Hauptstadt: Sucre

Regierungssitz: La Paz

Amtssprache: Spa­nisch, Quechua, Aymará

Religionen: mehrheitlich Katholiken

Fläche: 1.098.581 km²

Bevölkerung: 10,426 Mio. Einwohner (2010)

Bevölkerungsdichte: 9,5 Einwohner/km²

Bevölkerungswachstum: 1,5%

Fruchtbarkeitsrate: 3,3 Geburten/Frau

Nationalfeiertag: 6. August

Zeitzone: MEZ -5 Stunden

Kfz-Kennzeichen: BOL

Telefonvorwahl: +591

Internet-TLD: .bo

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Wirtschaft
Währung: 1 Boliviano (Bs) = 100 Centavos zum Währungsrechner hier...

Bruttosozialprodukt: 23,299 Mrd. US$

Wachstumsrate des BIP: 4,1%

Anteile am BIP: Landwirtschaft 13%, Industrie 37%, Dienstleistungen 50%

Inflationsrate: 3,5% (2012; geschätzt)

Arbeitslosenquote: 5,2% (2007)

Staatseinnahmen: 8,771 Mrd. US$

Staatsausgaben: 8,441 Mrd. US$

Handelsbilanzsaldo: +0,681 Mrd. US$

Export: 6,840 Mrd. US$

Hauptexportgüter: Brennstoffe und Schmiermittel (43,3%), Rohstoffe (29,0%), Kokain (illegal) (2010)

Hauptausfuhrländer: Brasilien (34,6%), USA (9,9%), Argentinien (8,0%), Japan (6,6%) (2010)

Import: 6,159 Mrd. US$

Hauptimportgüter: Maschinen und Transportmittel (34,1%), Metalle und industrielle Vorprodukte (19,6%), chemische Erzeugnisse (16,9%) (2010)

Hauptlieferländer: Brasilien (17,9%), USA (13,1%), Argentinien (12,7%), Volksrepublik China (11,7) (2010)

Landwirtschaftliche Produkte: Soja, Sojaöl

Rohstoffe: Erdgas, Erdöl, Zink, Silber, Zinn, Gold, Wolfram, Antimon
Gesundheit, Soziales, Bildung
Öffentliche Gesundheitsausgaben (am BIP): 4,8%

Öffentliche Ausgaben für Altersversorgung (am BIP): 1,5%

Säuglingssterblichkeit: 42/1000 Geburten

Müttersterblichkeit: 180/100.000 Geburten

Lebenserwartung: Männer 64 Jahre, Frauen 69 Jahre

Schulpflicht: 6-14 Jahre
Energie, Umwelt, Tourismus
Energieproduktion: 14,2 Mio. Tonnen Öleinheiten (ÖE)

Energieverbrauch: 6,2 Mio. t ÖE

Geschützte Gebiete: 18,5% der Landesfläche

CO2-Emission: 12,8 Mio. t

Energieverbrauch/Kopf: 638 kg ÖE

Verwendung des Süßwassers: Landwirtschaft 57%, Industrie 15%, Haushalte 28%

Zugang zu sauberem Trinkwasser: 96% der städtischen, 71% der ländlichen Bevölkerung

Tourismus: 807.000 Besucher

Einnahmen aus Tourismus: 339 Mio. US$
Militär
Allgemeine Wehrpflicht: 12 Monate

Streitkräfte: 46.100 Mann (Heer 34.800, Marine 4800, Luftwaffe 6500)

Militärausgaben (am BIP): 1,6%
Nützliche Adressen und Links
Bolivianische Botschaft in Deutschland
Wichmannstraße 6, D-10787 Berlin
Telefon: +49-30-263915-0 Fax: +49-30-263915-15
E-Mail: embajada.bolivia@berlin.de

Deutsche Botschaft in Bolivien
Embajada de la República Federal de Alemania,
Casilla 5265, La Paz
Telefon: +591-2-2440066 Fax: +591-2-2441441
E-Mail: info@la-paz.diplo.de

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