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Prämien an Hochschulen: Professoren im warmen Boni-Regen

Von "duz"-Autor Benjamin Haerdle

Professor (Symbolbild): Nicht nur in akademischen Spitzenpositionen kann ein Zuschlag gezahlt werden Zur Großansicht
Corbis

Professor (Symbolbild): Nicht nur in akademischen Spitzenpositionen kann ein Zuschlag gezahlt werden

Voller Einsatz bringt Extrageld: An Hochschulen dürfen sich fast nur Professoren über Boni freuen, Höchstleistungen von Mitarbeitern werden kaum gewürdigt. Warum nicht?

Viereinhalb Millionen Euro in bar plus ein Aktienpaket im Wert von 76 Millionen Euro - das kassierte der Google-Verwaltungsratschef Eric Schmidt als Bonus für seine Verdienste im Geschäftsjahr 2013. Ein hübsches Sümmchen, das da an einen Top-Manager gezahlt wurde. Ein paar Etagen tiefer geht es bescheidener zu. Der Sportwagenbauer Porsche beispielsweise zahlte seinen Mitarbeitern für das vorige Jahr eine Extra-Prämie von 8200 Euro, VW schüttete 6200 Euro aus, Daimler immerhin noch 3040 Euro. In vielen Unternehmen liegen die Summen für die einfachen Mitarbeiter noch deutlich darunter. Doch in der Wirtschaft gilt nach wie vor: Extraleistung wird auch extra bezahlt.

In der Wissenschaft galt das lange als Tabu. Doch mehr und mehr macht sich auch dort das Motto breit, wer mehr leistet, soll auch mehr bekommen. In Russland und China erhalten Wissenschaftler schon jetzt hohe Extrasummen, wenn sie in hochkarätigen Wissenschaftsjournalen publizieren. Die Wirtschaftsuniversität Wien zahlt ihren Autoren bis zu 3000 Euro für eine Top-Publikation.

In Deutschland sind die Ausmaße bei Sonderzahlungen bescheidener. Bei den Professoren sind es seit 2005 die Leistungszulagen aus der W-Besoldung. Das sind immerhin ein paar Hundert Euro extra im Monat durch Zulagen bei Bleibeverhandlungen, für einen Job als Dekan oder für besondere Leistungen in Forschung und Lehre. Auch wer als Professor Drittmittel etwa aus der Industrie einwirbt, kann - das Einverständnis des Unternehmens und der Hochschulspitze vorausgesetzt - eine Zusatzprämie erhalten.

Wenn Mitarbeiter Außergewöhnliches leisten

Doch sind es nicht nur die akademischen Spitzenpositionen, in denen ein Zuschlag gezahlt werden kann. Unterhalb der Professur räumt der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) den Hochschulen seit dem Jahr 2006 die Möglichkeit ein, Beschäftigten eine einmalige Prämie für besondere Leistungen zu überweisen. Das richtet sich an fast alle: Hausmeister, Techniker, Sekretärinnen oder Postdocs. Außen vor bleiben dabei in der Regel Beamte - und teilweise die Doktoranden, da der Tarifvertrag für sie keine einheitliche Regelung vorsieht.

Wie viele Hochschulen von der Leistungsprämie in der Praxis Gebrauch machen, ist unbekannt. Schätzungen zufolge setzt rund ein Viertel der Universitäten darauf, Mitarbeiter mit dieser Extra-Prämie zu motivieren - darunter die Technische Universität (TU) Darmstadt, die Universität Heidelberg oder die Universität Jena. Auch die Uni Siegen vergibt Leistungsprämien. "Wir brauchen faire Motivationsanreize", sagt der Siegener Prorektor für Forschung, Prof. Dr. Peter Haring Bolivar. Mitarbeiter, die sich besonders engagierten, sollten auch belohnt werden dürfen. "Eine Geldprämie, selbst wenn der absolute Betrag nicht so signifikant ist, ist dafür das richtige Zeichen, dass die Universität anerkennt, dass der Mitarbeiter etwas Außergewöhnliches geleistet hat", sagt er. Auch an der TU Darmstadt, die dank ihres Ausnahmestatus als Teilnehmerin an einem Modellversuch seit Ende der Neunzigerjahre Leistungsprämien nicht nur an tariflich Beschäftigte, sondern auch an Beamte zahlen kann, sieht man die Boni positiv. "Prämie und Zulage sind unsere Art, uns bei einem Mitarbeiter dafür zu bedanken, dass ein bestimmtes Vorhaben besonders gut gelaufen ist", sagt Stefan Weißenseel, der die Personal- und Rechtsabteilung leitet.

Der Dezernent zeichnete beispielsweise seine Mitarbeiterin Petra Schütze aus. Sie schob Daten eines Softwareprogramms zur Verwaltung von Urlaubstagen in das SAP-Programm, mit dem die TU Darmstadt arbeitet. Dafür waren eigentlich drei Monate geplant. Weil aber immer neue Probleme auftauchten, dauerte es schließlich fast ein Jahr, in dem sich die Verwaltungsangestellte darum zusätzlich kümmerte. Dafür bekam sie eine Extra-Zahlung. "Die Prämie war für mich eine Geste der Anerkennung, und darüber habe ich mich sehr gefreut", sagt Schütze. Es sei schön, dass das Engagement über das Normale hinaus gesehen und nicht als selbstverständlich betrachtet werde.

In Zeiten, in denen die Hochschulen jeden Cent zweimal umdrehen müssen, sind diese Zusatzausgaben allerdings meist bescheiden. Die Universität Jena schüttet zum Beispiel zwischen 500 und 1500 Euro an verdiente Mitarbeiter aus. Doch oft kommt es nicht einmal dazu. An der Universität Kassel lehnt die Leiterin der Abteilung Personal und Organisation die Extra-Boni ab: "Leistungsorientierte Bezahlungsinstrumente bringen nur dann etwas, wenn im Hochschulhaushalt ausreichende Mittel zur Verfügung stehen und Leistungen mit spürbaren Beträgen honoriert werden", sagt Silke Weißenborn.

Gerechtigkeit und Transparenz beim Verteilen der Boni

Doch die Fragen rund um die Finanzierung sind nur ein Aspekt, der aus Sicht von Weißenborn problematisch ist. Ein anderer: Wie lassen sich die Boni gerecht verteilen? Und: Wie lässt sich die erfolgreiche Arbeit von Wissenschaftlern unterschiedlicher Fachbereiche mit der von Beschäftigten aus zentralen Einrichtungen und der Verwaltung vergleichen? Damit die Leistungsprämie gerecht ist, ist nach Meinung von Weißenborn "ein Beurteilungswesen unabdingbar, das von den Vorgesetzten sachgerecht gehandhabt wird und durch das die wirklichen Leistungsträger identifiziert werden". Sei das nicht gegeben, bestehe die Gefahr, dass leistungsorientierte Bezahlinstrumente sich nicht motivierend auswirken, sondern eher das Gegenteil bewirken, sagt Weißenborn. Im Klartext: Werden die Boni nicht transparent und gerecht verteilt, können Demotivation, Frust und Streit die Folgen sein.

Mit ihrer ablehnenden Haltung ist die Kasseler Hochschulmanagerin nicht allein. Auch die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen vergibt keine solchen Prämien. Dort wehrten sich die Personalräte. Deren Kritik: Hochschulen sind zu heterogen, um Prämien und Zulagen für alle Seiten befriedigend und mit einer gewissen Transparenz an Beschäftigte zu vergeben. RWTH-Kanzler Manfred Nettekoven findet das Argument "zumindest nachvollziehbar". Er setzt deshalb bei Vertragsunterzeichnungen mit leitenden Mitarbeitern auf Bindungszulagen. "Mitarbeitern, die aus einem stark umkämpften Marktumfeld zu uns kommen, zahlen wir eine einmalige Zulage dafür, dass sie sich für eine bestimmte Zeit für uns entschieden haben", sagt er.

Dass die Vergabe von Boni trotz bester Absichten dennoch zu Diskussionen innerhalb der Hochschule führen kann, lässt sich aber offenbar nicht vermeiden. Das zeigt das Beispiel der TU Darmstadt. Dort reichen die Vorgesetzten Anträge ein, welcher Mitarbeiter wie hoch prämiert werden soll. Eine Arbeitsgruppe, dem Vertreter der Personalabteilung, des Personalrates, die Frauenbeauftragte sowie die Schwerbehindertenvertrauensperson angehören, prüft die Anträge und legt sie dem Präsidium vor. Das entscheidet abschließend. Damit ist das Verfahren, so beurteilt das zumindest Dezernent Weißenseel, zwar "so transparent wie möglich", trotzdem scheinen sich Neid und Missgunst nicht ganz vermeiden zu lassen. "Leistungsprämien sind nicht objektivierbar", räumt er ein.

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1. Warum nicht?
fatherted98 01.10.2014
...Warum kriegt der Vorstand der Deutschen Bank einen Millionen-Bonus und die Mitarbeiter können froh sein ihren Job zu behalten? Das läuft halt in unserer sozialen-Marktwirtschaft so....
2. Nasenfaktor
Korken 01.10.2014
"Der Siegener Prorektor Bolivar glaubt aber, dass ein bisschen Neid schon sein dürfe. Für viele könnte das zugleich Ansporn sein, sich noch mehr anzustrengen." Ein immer wiederkehrende Theorie, die m.W. noch nie bewiesen wurde - weil sie wahrscheinlich nicht stimmt. In einer idealen Welt könnte das vielleicht funktionieren, aber in der Welt der Nasenfaktoren leider nicht.
3. Grundschulrektoeren, Dekane usw. erhalten doch keine Boni!
gruenbonz 01.10.2014
sondern einen (un)gerechten Ausgleich für die Mehrbelastung. Viele Schulleiterposten sind unbesetzt, da der finanzielle Ausgleich in keinem Verhältnis zur Mehrbelastung steht. Das ganze als "Boni" zu bezeichnen, ist ein Witz. Dann wäre eine Schichtzulage für einen Lokführer wohl auch ein Bonus? Etwas mehr Sachkenntnis wäre hier angebracht. Und das dann noch mit den Verhältnissen in den USA einzuleiten?
4.
p-touch 01.10.2014
Bei dem ein oder andern Professor stellt sich ehr die frage wofür die ihr Geld bekommen. Es ist wie immer, nicht die Leistung zählt, sondern wie gut man sich verkaufen kann.
5. Überschrift im BILD-Stil - SPON-Niveau nimmt immer weiter ab
tl-hd 01.10.2014
@admin: Da mein Beitrag offenbar nicht veröffentlich wurde, probiere ich es noch einmal. Mir ist keine Verletzung der Forenregeln bewusst. Sollte die Kritik an SPON schon Anlass sein, den Beitrag zu zensieren, dann hoffe ich, dass Sie die Kritik zumindest an die entsprechende Stelle weitergeben. -- Die Überschrift des Artikels ist mal wieder (wie leider immer öfter auf SPON) im BILD-Stil reißerisch und verfälschend gehalten. Das ist insofern ärgerlich, dass viele nur die Überschrift lesen, durch diese aber schon eine gewisse Meinung transportiert wird, die dann haften bleibt. So suggeriert die Überschrift, dass Professoren nahezu in Boni schwimmen würden. Aus meiner Erfahrung kann von einem "Boni-Regen" für Professoren keine Rede sein. Wichtig ist dabei auch, dass bei der Umstellung auf die W-Besoldung die Grundgehälter gegenüber der früheren C-Besoldung deutlich gekürzt wurden, um Leistungsanreize zu schaffen, die dann über Boni vergütet werden. Mit anderen Worten: Um an frühere Gehälter ran zu kommen, müssen Professoren Boni aushandeln, da diese schon ins Besoldungssystem eingepreist sind. Ich bin übrigens kein Professor und erhalte auch keien Boni. -- Die Probleme der Vergleichbarkeit von Leistungen werden immerhin im Artikel angesprochen. Was man noch hinzufügen könnte ist, dass Publikationen in Top-Zeitschriften auch zu einem gewissen Teil Glückssache sind. Wer z.B. vor fünf Jahren begonnen hat, an Ebola zu forschen, und jetzt gute Ergebnisse hat, dürfte die aktuell viel leichter in einem hochrangigen Journal veröffentlichen können als jemand, der in der gleichen Zeit z.B. an Malaria oder Aids geforscht hat. Dabei dürften in den letzten fünf Jahren vermutlich mehr Menschen an Malaria oder Aids als an Ebola gestorben sein.
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