Syrische Studenten im Krieg: "Wir müssen unsere Ängste überwinden"

Syrische Studenten im Krieg: Vom Hörsaal an die Front Fotos
DPA

Als der Bürgerkrieg in Syrien begann, studierten die vier jungen Männer relativ sorglos an der Uni. Dann tauschten sie ihre Lehrbücher gegen Waffen: Sie verließen die Hochschule und schlossen sich den Rebellen an. Seit zwei Jahren kämpfen sie jetzt gewaltsam gegen Gewalt.

Als die Syrer Rami, Alaa, Ahmed und Rabih vor zwei Jahren entschieden, sich den Rebellen anzuschließen, wussten sie, dass es keinen Weg zurück geben würde. Zurück in ihr altes Leben, zurück an die Universität.

Als in Syrien im März 2011 der Aufstand ausbrach, waren die vier jungen Männer sorglose Studenten. Heute sind sie Kämpfer. An der Seite der Aufständischen setzen sie sich gegen eine der mächtigsten Armeen des Nahen Ostens zur Wehr. Ihre Lehrbücher haben sie gegen Waffen eingetauscht.

"Zu viel Schaden ist angerichtet worden, zu viel Blut vergossen", sagt Rami. Vor dem Bürgerkrieg studierte er an der Universität in Homs Politikwissenschaften. Rami und seine drei Kommilitonen sind zwischen 18 und 24 Jahre alt. Aus Angst vor Racheakten gegen ihre Angehörigen wollen sie ihre vollen Namen nicht nennen.

"Am Anfang gehörten wir der Universitätsgemeinschaft an, wir skandierten Schlachtrufe gegen Assad und sein Regime und riefen zu Reformen auf", erzählt Alaa, der Ingenieur werden will. "Heute tragen wir Waffen und kämpfen gegen das Regime, das all seine Waffen gegen sein Volk gerichtet hat." Sie haben nur eine grundlegende militärische Ausbildung. Aber sie sagen: "Wir sind entschlossen und Gott ist auf unserer Seite."

Auch Rebellen foltern

Das Problem ist nur: Rebellen tragen natürlich zur Gewalt in Syrien bei - auch wenn sie sie eigentlich bekämpfen wollen. So hat Amnesty International kürzlich in einem Bericht beschrieben, wie sowohl regierungstreue Truppen als auch Rebellen töten, foltern und Zivilisten in den blutigen Konflikt hineinziehen. Wobei die Regierungstruppen immer noch für die große Mehrheit der Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind.

Seit einiger Zeit setzt sich Großbritannien für eine Lockerung des Waffenembargos der Europäischen Union gegen Syrien ein, um die syrische Opposition zu unterstützen. Paris und London denken über die Lieferung von Verteidigungswaffen an die Rebellen nach. Erst im Februar aber hatte die EU das Lieferverbot als Teil der Sanktionen gegen das Regime in Damaskus um drei Monate verlängert.

"Wir wissen, dass dieses Regime bis zum Ende kämpfen wird", sagt Rabih, der in seinem alten Leben arabische Literatur studiert hatte. "Haben Sie schon einmal einen Tyrannen gesehen, der ohne Blutvergießen die Macht abgegeben hat?" Er habe keine andere Wahl gehabt, als zur Waffe zu greifen, sagt Ahmed, der vor dem Krieg auch Literatur studiert hatte. "Es wurde zur Notwendigkeit, nachdem das Regime meinen Bruder festgenommen und ihn zu Tode gefoltert hat."

Die Revolte in Syrien hatte mit friedlichen Straßenprotesten begonnen. Dann verwandelte sie sich in einen bewaffneten Konflikt, der nach Angaben der Vereinten Nationen mittlerweile etwa 70.000 Menschen das Leben gekostet hat. Trotz Vorstößen der Rebellen, ist ein Sieg gegen das Regime von Machthaber Baschar al-Assad nicht in Sicht. Beobachter sagen, Assads Militär habe jüngst eine Strategie der Eindämmung gewählt, bei der es den Rebellen die Kontrolle bestimmter Gebiete überlässt, nur um sie dann gezielt anzugreifen.

Rami, Alaa, Ahmed und Rabih sind auf einer Mission an der syrisch-libanesischen Grenze im Hermel-Gebiet. Ihr Ziel sei es, Kämpfer der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah - Verbündete des Assad-Regimes - abzuwehren, sagen sie. "Als der Aufstand begann, hatten wir einen Feind: das Regime. Jetzt haben wir einen weiteren Feind im Rücken: die Hisbollah", sagt Alaa. "Wir müssen unsere Ängste überwinden und versuchen, die Grenze zu kontrollieren", sagt Rabih. "Wir haben keine Wahl. Es geht um Leben und Tod. Aber mit der Hilfe Gottes werden wir Assad besiegen, wie lange es auch dauern möge."

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Weedah Hamzah/dpa/fln

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insgesamt 32 Beiträge
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1. Jaaa, Studenten!
zweistein59 17.03.2013
Wir Deutsche sollen keine "Terroristen" mit Waffen ünterstützen - sondern Studenten! Geht´s noch? Was ist denn das für eine perfide Unterstützer-Hetze? Man, für wie blöd haltet ihr uns denn. Die "Berichterstattung" ist absolut unterste Schubladen. Ich werde niemals einem Völkerrechtsbruch zustimmen und unter Missachtung des Grundgesetzes ein JA für Waffenlieferungen an Rebellen jeglicher Couleur abgeben. Aber was fasele ich denn hier, ich werde doch gar nicht gefragt.....
2. Geschichte
mr_supersonic 17.03.2013
Zitat von sysopAls der Bürgerkrieg in Syrien begann, studierten die vier jungen Männer relativ sorglos an der Uni. Dann tauschten sie ihre Lehrbücher gegen Waffen: Sie verließen die Hochschule und schlossen sich den Rebellen an. Seit zwei Jahren kämpfen sie jetzt gewaltsam gegen Gewalt. Bürgerkrieg in Syrien: Viele junge Studenten kämpfen mit Rebellen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/buergerkrieg-in-syrien-viele-junge-studenten-kaempfen-mit-rebellen-a-888989.html)
Ich hoffe sehr dass dieses geschichtliche Ereignis ein gutes Ende nehmen wird, damit die Menschen, welche für die Freiheit soviel opfern müssen, belohnt werden. Wie wäre es anstelle von Waffenlieferungen an Rebellen mit einem kompletten Stop der Unterstützung Assads? Man könnte doch Iran, China und Russland mal in die Mangel nehmen...
3. 1
nurEinGast 17.03.2013
Zitat von sysopAls der Bürgerkrieg in Syrien begann, studierten die vier jungen Männer relativ sorglos an der Uni. Dann tauschten sie ihre Lehrbücher gegen Waffen: Sie verließen die Hochschule und schlossen sich den Rebellen an. Seit zwei Jahren kämpfen sie jetzt gewaltsam gegen Gewalt. Bürgerkrieg in Syrien: Viele junge Studenten kämpfen mit Rebellen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/buergerkrieg-in-syrien-viele-junge-studenten-kaempfen-mit-rebellen-a-888989.html)
Ich halte nichts von der Propaganda, die Spon seit geraumer Zeit betreibt. Meiner Meinung nach sind die Rebellen genausowenig "die Guten" wie Assads Truppen "die Bösen" sind- auch wenn es immer wieder suggeriert wird. Alle Seiten wollen einfach nur die Macht auf Kosten anderer übernehmen. Und wie man am Beispiel der gefangen genommenen Blauhelm-soldaten gesehen hat, ohne Rücksicht auf Verluste. Deutschland sollte sich aus diesem Konflikt komplett heraushalten. Wir sind NICHT die Weltpolizei.Es gibt im eigenen Land mehr als genug zu tun.
4. Profitiert haben andere
westin 17.03.2013
Tausende Studenten in Libyen haben an vorderster Front gekämpft,und haben Ihr Leben verloren, für Versprechen,die nie einhalten wurden. Denn profitiert haben andere. Glaube nicht,dass die es nochmal so machen würden
5. Die Mehrheit syrischer Studenten lehnt Krieg und ausländische Einmischung ab
Jan Do 17.03.2013
Ich habe nicht den Eindruck, dass syrische Studenten eine relevante Rolle bei den sogenannten Rebellen spielen. Hingegen gibt es erhebliche Konflikte zwischen Studenten und Rebellen. Dies kommt daher, dass Studenten Boykottaufrufen der Rebellen meist nicht gefolgt sind und in Folge Opfer von Racheaktionen der Rebellen geworden sind. Hinzu kommt, dass viele Studenten es ablehnen, von den Rebellen vorgeschrieben zu bekommen, wie sie leben sollen; besonders Studentinnen, die bisher weitgehend gleichberechtigt waren und keine Kleidungsvorschriften zu befolgen hatten, wozu die Rebellen ganz andere Vorstellungen haben. Auch wenn es Ausnahmen gibt: die Mehrheit der syrischen Studenten scheint von den Rebellen nicht viel zu halten. Der typische Rebell ist auch kein syrischer Student. Häufiger sind sicher Sträflinge aus Saudi-Arabien. Saudi Arabien schickt u.a. zum Tode verurteilte Sträflinge zum Kampf nach Syrien. Für ihre Anschläge erhalten die Sträflinge Waffen und eine kurze Anleitung zum Töten. Bewähren diese sich, wird ihnen die Strafe erlassen. Dieses Vorgehen wird inzwischen nicht einmal mehr von Saudi-Arabien bestritten. Ich finde es nachvollziehbar, dass solche Terroraktionen bei syrischen Studenten wie auch der Mehrheit der Bevölkerung keinen Rückhalt haben. Daran kann auch auch die verklärende Berichterstattung westlicher Massenmedien nichts ändern.
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Bevölkerung: 22,505 Mio.

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