Chancengleichheit? Schwierig. Attraktivität? Geht so. Am Donnerstag hat das Bundesbildungsministerium den "Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs" in Berlin entgegengenommen. Die Autoren zeichnen darin ein eher düsteres Bild für junge Nachwuchswissenschaftler in Deutschland. (Bericht als PDF)
Denn: "Die Sorge um die Attraktivität des wissenschaftlichen Berufsweges wächst", heißt es in einer Zusammenfassung des 368 Seiten starken Berichts. Schließlich haben neun von zehn Wissenschaftlichen Mitarbeitern nur einen befristeten Arbeitsvertrag. Das macht die Karriere schwer planbar. Auch bekommen die Forscher - im Vergleich zu anderen forschungsnahen Berufsfeldern - ein recht niedriges Gehalt.
Auch die Chancengerechtigkeit sehen die Autoren noch nicht verwirklicht: "Trotz zahlreicher Förderprogramme und messbarer Erfolge für Wissenschaftlerinnen sind immer noch deutliche Geschlechterdifferenzen im wissenschaftlichen Qualifizierungs- und Karriereverlauf zu erkennen", schreiben sie in dem Bericht. Verfasst hat den Bericht ein unabhängiges Gremium von Hochschulforschern, es ist nach 2008 der zweite seiner Art. So möchte die Bundesregierung einmal pro Legislaturperiode die Situation junger Nachwuchsforscher erfassen.
Weitere Befunde in Kürze:
Zwar hat Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im CDU-geführten Bildungsministerium, die hohe Zahl befristeter Arbeitsverträge sowie die schwer planbare Karriere in ihrem Statement als "große Herausforderung" erkannt. Und trotzdem sagt sie bei der Präsentation des Berichts: "Wir sehen keine Notwendigkeit, Gesetze zu ändern." Vielmehr nimmt sie die Hochschulen in die Pflicht: Sie wirft ihnen vor, zu selten den Befristungsrahmen von drei Jahren auszuschöpfen und Nachwuchswissenschaftler stattdessen nur für ein Jahr anzustellen.
Von der Opposition kam scharfe Kritik. "Die Beschäftigungsbedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs erweisen sich zunehmend als Achillesferse des deutschen Wissenschaftssystems", sagte Krista Sager, Wissenschaftssprecherin der Bundestagsfraktion der Grünen. Sager forderte die Bundesregierung auf, sich einer rot-grünen Bundesratsinitiative zur Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetz anzuschließen. Dieses regelt seit 2007 Anstellungsverhältnisse in zeitlich befristeten Forschungsprojekten.
"Die Aussicht auf ein Dasein in beruflicher Unsicherheit vertreibt Hochqualifizierte aus unseren Universitäten", kritisierte Petra Sitte, die forschungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Linken. Sie forderte mehr unbefristete Stellen für Wissenschaftler neben den Professuren.
fln/AFP
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