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Burnout bei Studenten: Absturz der Überflieger

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2. Teil: Plötzlicher Einbruch: Vorsicht vor der Perfektionismus-Falle

Dauernd brach Steffi in Tränen aus. Wenn es im Supermarkt ihr Lieblingseis nicht mehr gab, heulte sie, wenn die Bahn Verspätung hatte, heulte sie, wenn ihr beim Volleyball ein Ball versprang, heulte sie. Sie konnte nicht schlafen, trank Wein und rauchte Gras, um zur Ruhe zu kommen. Wenn sie versuchte, etwas für die Uni zu lesen, verschwammen die Buchstaben vor ihren Augen. Dann kam noch ein Schimmelproblem in der Wohnung dazu. "Ich war so hilflos, wusste nicht, was ich noch machen soll. Ich traute mich nicht mal mehr, aus dem Haus zu gehen."

Auf Geheiß ihrer Mutter setzte sich Steffi in den Zug und fuhr in die Heimat. Eine Woche lang fühlte sie sich ausgelaugt, als liefe sie und liefe sie und komme doch nie ans Ziel. Sie redete viel mit ihrer Mutter und mit Freundinnen, schlief aus, las ein Buch mit dem Titel: "Wie's weitergeht, wenn nichts mehr geht". Sie überlegte auch, zu einem Psychiater zu gehen, verwarf den Gedanken aber wieder. "Ich lernte, dass ich Erholung brauche. Dass ich mir mein Studium besser einteilen muss."

Steffi, das Mädchen mit dem markanten Kinn und dem Nasenpiercing, hat es am Ende allein geschafft, den Burnout zu überwinden, ohne ärztliche Hilfe. Aber das gelingt längst nicht immer.

"Schon in der Schule wollte ich immer die Beste sein"

Hunderte sind es, die jedes Jahr bei Birgit Rominger vorsprechen, Diplompsychologin beim Studentenwerk Berlin. Fast alle Krankheitsgeschichten seien eigen, sagt sie. Aber eines sei bei jeder Behandlung wichtig: Entschleunigung. Sie und die anderen Berater suchten zuerst mit ihren Patienten nach inneren und äußeren "Stressoren", die den Burnout ausgelöst haben, berichtet Rominger. Dann wird eine Tagesstruktur erarbeitet, mit der diese "Stressoren" gemildert werden können, inklusive Ruhephasen und Entspannung. Bei manchen Betroffenen reichen ein paar Sitzungen in der Studentenberatung, andere müssen zum Psychiater.

Oder gar ins Krankenhaus. Zum Beispiel zu der Klinikärztin Maria Jockers-Scherübl. Sie kümmert sich um Menschen, bei denen der Burnout alle Merkmale einer schweren Depression zeigt. Je nach Grad des Leidens verschreibt die Ärztin ihren Patienten Medikamente oder eine Behandlung in einer Tagesklinik. Manche behält sie gleich da. Menschen wie Kathrin*, die sich sonst vielleicht umbringen würden.

Dass sie sich einmal wünschen könnte, ihr Leben ginge zu Ende, dass es mit ihr so weit kommen würde, das hätte Kathrin, 25, aus Mannheim nie gedacht. Die kleine Blonde mit ihrer schlagfertigen Art war immer jemand gewesen, der viel lachte, gern feierte, das Leben genoss. Aber zugleich war sie der Typ Mensch, der sich immer Höchstleistungen abverlangt, der nie zufrieden ist mit dem, was er erreicht. "Schon in der Schule wollte ich immer die Beste sein", sagt sie. Wenn sie nur eine Zwei hatte und keine Eins, dann schrie sie zu Hause eine Zimmerwand an wie eine Art Klagemauer.

Was tun? Zur Not ein Semester länger studieren

Auch im Studium, Anglistik und VWL, war sie wieder die Ehrgeizigste, sie begann schon Wochen vor ihren Kommilitonen, für Prüfungen zu lernen, sie paukte den Stoff auswendig, litt unter schlechtem Gewissen, wenn sie sich mal eine Auszeit vor dem Fernseher gönnte. Nach zehn Minuten schaltete sie auf den italienischen Kanal, um beim Glotzen wenigstens ihre Sprach-kenntnisse zu verbessern. Irgendwann ging es dann nicht mehr gut mit dem Perfektionismus.

Über Wochen war sie schlapp und kiebig zu jedem, sie war wie in einem Schacht gefangen, an dessen Wänden sie kratzte und einfach nicht herauskam. Ihr Freund schickte sie zum Arzt. Der Mediziner diagnostizierte einen Burnout, verschrieb ihr Pillen und eine Therapie bei einer Psychologin.

Die Kombination wirkte schnell bei Kathrin, nach zwei Monaten ging es ihr schon besser. Aber die Antidepressiva machten sie gefühlskalt. Ziemlich plötzlich trennte sie sich von ihrem Freund. Ihre hohen Erwartungen an sich selbst ist Kathrin bis heute nicht losgeworden. Im März ist sie mit ihrem Studium fertig geworden, hat es mit der Endnote 1,5 abgeschlossen. Bestnote verpasst. Sie war sehr enttäuscht.

Und Steffi und Patrick? Patrick steckt noch mitten in der Krankheit. Er setzt auf seine Therapie und überlegt, ob er nicht doch Antidepressiva nehmen sollte. Steffi will jetzt im zweiten Anlauf ihren Bachelor schaffen und dann noch den Master machen. "Man kann doch zur Not auch ein Semester länger studieren", sagt sie. "Da bricht keine Welt zusammen."

(*) Namen geändert

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1. Guten Morgen SPON
graealex 06.09.2011
"Burnout bei **Sudenten**", "Dafür allerdings kostet die M-Klasse damals auch kaum mehr als die Hälfte, nämlich 60.950 Mark auch kaum mehr als die Hälfte.". Schon der zweite Artikel mit auffälligen Fehlern. Schläft da noch jemand in der Redaktion?
2. -
franko_potente 06.09.2011
Zitat von sysopEs schleicht sich an, verdüstert das Leben und trifft oft die besonders Ehrgeizigen: das Burnout-Syndrom. Tausende Studenten leiden darunter, auch weil der Bachelor-Stress sie zermürbt, warnen Psychiater. Was hilft wirklich gegen die neue Volkskrankheit - Pillen, Therapie oder einfach durchhalten? http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,773855,00.html
Entrümpelung der Studiengänge. Abschaffung des Bachelorstudiums. Abkejhr von der Verschulung des Studiums. Mehr Zeit, weniger Leistungsdruck, mehr miteinander. Kurz: eine Rückkehr zur Gemeingesellschaft und eine Abkehr vom Prinzip Höher besser schneller. Völlig krank das alles. Völlig krank!
3. Süd-Enten? Enten im Sud?
doitwithsed 06.09.2011
Wer oder was sind "Sudenten"?
4. Ich auch
Bedlam 06.09.2011
Ich bin selbst betroffen. Vor ca. 2 oder 3 Jahren (nach der Zwischenprüfung) ging es mit dem Studium deshalb kaum mehr vorwärts (Magister). Erst nachdem ich anfang diesen Jahres ärztliche Hilfe gesucht hatte und aus einer dunklen Einzimmer-Wohnung in eine WG gezogen bin, stellte sich die Besserung langsam ein (dauert immer noch an) und das Studium biegt langsam auf die Zielgerade ein. Ein großes Problem habe ich aber noch: Ich brauche noch ca. 2 Semester und habe meinen Eltern noch nie davon erzählt, da ich Angst habe, dass sie deshalb in Panik geraten oder sowas. Allerdings machen sie unheimlich Druck was den Abschluss angeht (verständlich) und ich überlege es ihnen zu erzählen, da ich den Druck in dieser Situation überhaupt nicht gebrauchen kann. Das wäre eine Entscheidung, die vieles ändern würde ... ich bin ein bisschen ratlos...
5. Keine Ahung was das ist
marvinw 06.09.2011
Zitat von doitwithsedWer oder was sind "Sudenten"?
Das scheint irgendeine Person zu sein, die Suche nach "Sudent" findet bei Google sehr viele Treffer. Irgendwie scheint sie etwas zu studieren.
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© UniSPIEGEL 4/2011
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Heft 4/2011 Leistungsdruck an der Uni: Studenten im Psycho-Stress

Zahlen und Fakten
Die neue Zivilisationskrankheit
Erschöpfungssyndrom, Anpassungsstörung, Depression, Belastungsstörung, Burnout. Die Volksleiden der modernen Gesellschaft haben viele Namen. Die WHO hat beruflichen Stress zu "einer der größten Gefahren des 21. Jahrhunderts" erklärt. Bis 2030 könnte die Depression die wichtigste Ursache von Krankheitsbelastungen sein - in reichen Ländern ist sie es bereits.
Erschöpfung - ein Massenphänomen
Eine repräsentative Studie von Techniker-Krankenkasse (TK), FAZ-Institut und Forsa macht deutlich, welche Ausmaße das Problem inzwischen in Deutschland angenommen hat: Acht von zehn Deutschen empfinden demnach ihr Leben als stressig. Jeder Dritte steht unter Dauerstrom, jeder Fünfte bekommt die Folgen gesundheitlich zu spüren - von Schlafstörungen bis hin zum Herzinfarkt. Stress bestimmt den Alltag in Deutschland immer stärker.

Alarmierend ist der TK zufolge die hohe Zahl von Burnout-Patienten. 2008 sind demnach "ausgebrannte" Berufstätige fast zehn Millionen Tage krankgeschrieben worden. Damit fehlten rund 40.000 Menschen das ganze Jahr über am Arbeitsplatz. Dies entspricht einer Zunahme von 17 Prozent verglichen mit 2003.
Job ist Stressfaktor Nummer eins
Stressfaktor Nummer eins ist der Job. Das haben die 1014 befragten Personen zwischen 14 und 65 Jahren zu Protokoll gaben. Jeder Dritte arbeitet am Limit, getrieben von Hektik, Termindruck und einem zu hohen Arbeitspensum. Ein Drittel der Beschäftigten leidet darunter, rund um die Uhr erreichbar sein zu müssen und von Informationen überflutet zu werden.

Berufstätige Eltern geraten der Studie zufolge besonders häufig an ihre Belastungsgrenze. Ihre größte Sorge sei, dass die Familie zu kurz kommt. Doch auch 90 Prozent der Schüler klagen über Stress. Jeder Dritte steht nach eigener Aussage permanent unter Leistungs- und Prüfungsdruck.
Kosten für das Gesundheitssystem
Auch für das Gesundheitssystem ist die Dauerbelastung der Menschen ein ernstzunehmender Kostenfaktor. Mit knapp 27 Milliarden Euro im Jahr stehen die Ausgaben für die Behandlung stressbedingter psychischer Erkrankungen an dritter Stelle der Kostentabelle. Hinzu kommen massive Aufwendungen für Herz-Kreislauf-Krankheiten, unter denen Dauergestresste mehr als doppelt so häufig leiden wie ihre weniger unter Druck stehenden Zeitgenossen.

Wie sich Burnout vermeiden lässt
So können Unternehmen vorbeugen
Berufseinsteiger und neue Mitarbeiter sorgfältig einarbeiten, damit nicht das Gefühl von Überforderung aufkommt.

Falsche Arbeitsbelastung vermeiden, indem Beschäftigte in die Arbeitsplanung miteinbezogen werden. Sie sollen weder überfordert noch unterfordert sein.

Zu viele Überstunden vermeiden. Nach zehn Stunden Arbeit ist ein Mensch kaum noch produktiv.

Führungskräfte sorgfältig auf ihre Aufgaben vorbereiten. Sie sollen Ziele bestimmen, diese klar formulieren und auf die Einhaltung im Team achten. Zugleich soll aber nicht das Gefühl extremer Kontrolle entstehen.

Mitarbeitern für gute Arbeit Lob und Anerkennung zollen und dies auch kommunizieren. Auch Kritik ist wichtig. Das Feedback sollte jedoch konstruktiv formuliert werden.

(Quelle: TÜV Süd)

So können Sie persönlich vorbeugen
Den eigenen Perfektionismus kritisch überdenken und sich Leistungsgrenzen ehrlich eingestehen.

Unrealistischen Erwartungen von Vorgesetzten ein Nein entgegensetzen.

Überlegen, welche Aufgaben delegiert werden können.

Auf geregelte Essenszeiten und Pausen achten, um wieder Energie zu sammeln.

Freizeitpläne und Unternehmungen mit Familie und Freunden nicht ständig verschieben. Sie sollten als Ausgleich zur Arbeit fest eingeplant werden. Allerdings sollte auch nicht Freizeitstress daraus werden.

(Quelle: TÜV Süd)