Sicherheit an US-Unis: Cops auf dem Campus

Von Gunnar Schultz-Burkel

Wer ihn anpöbelt, kann von der Uni fliegen: Craig Colson, 42, patrouilliert auf einem Campus im Nordosten der USA. Der Hochschul-Polizist und seine Kollegen fahnden nach Bücherdieben und Betrunkenen unter 21. Und sie eskortieren Studentinnen.

Uni-Polizisten in den USA: Geklaute Bücher und betrunkene Studenten Fotos
Gunnar Schultz-Burkel

Officer Craig Colson schiebt den Schaltknüppel auf "D" für Drive, und der weiße Ford Explorer rollt langsam vom Parkplatz vor der Polizeistation. Colson geht auf Streife. Sein Revier: Der Campus der George Mason University in Fairfax westlich der amerikanischen Hauptstadt Washington.

Fast jede amerikanische Hochschule hat ihre eigene Polizei. An der George Mason University kommen 60 Polizisten auf 33.000 Studenten. "Unsere Aufgabe besteht darin, für Ordnung auf dem Campus zu sorgen", sagt der stellvertretende Polizeichef George Ginovsky. Manche Uni-Polizisten gerieten allerdings auch schon in die Schlagzeilen, weil sie zu harsch mit Studenten umgingen.

Colson fährt langsam über den Campus mit den alten Bäumen. Nach der Polizeischule arbeitete der 42-Jährige zuerst als Streifenpolizist in einer Kleinstadt in der Nähe. "Aber der Job als Uni-Polizist hat viele Vorteile", sagt er. "Du hast normalerweise nicht mit großen Verbrechen wie Mord und Totschlag zu tun. Und du hast mehr Freizeit und arbeitest mit jungen Leuten zusammen."

Wissenschaftliche Bücher sind beliebtes Diebesgut

Ein großes Problem sind Diebstähle, vor allem Laptops und Bücher. Wissenschaftliche Literatur ist teuer und lässt sich gut verkaufen. Manchmal passieren auch Vergewaltigungen auf dem Campus oder Angriffe auf Minderheiten wie Schwarze oder Homosexuelle. Außerdem nehmen Colson und seine Kollegen immer wieder betrunkene Studenten fest, die unter 21 sind - und damit zu jung, um Alkohol trinken zu dürfen.

Neben dem Beifahrersitz im Streifenwagen klemmt ein Schnellfeuergewehr. Colson hat es noch nie benutzt. "Aber es ist gut, es bei sich zu haben." Er sieht einen weißen Cadillac an einer Kreuzung stehen, drückt den Knopf fürs Blaulicht, wendet und parkt hinter dem Schlitten.

Der Officer geht langsam auf den Wagen zu, die rechte Hand über dem Pistolenholster. Polizisten in den USA lernen in der Polizeischule, dass man auf alles gefasst sein muss - auch darauf, dass auf sie geschossen wird.

Es stellt sich heraus, dass der Wagen einen Motorenschaden hat. Doch der Fahrer freut sich nicht über die angebotene Hilfe des Polizisten, er beschimpft ihn laut. Colson fragt über die Zentrale die Daten des Fahrers und des Wagens ab. Auch Uni-Reviere sind mit den Datenbanken der Heimatschutzbehörde und des FBI verbunden.

Studenten wissen, dass sie die Cops respektieren müssen

"Heiliger Mist, hier stimmt ja nichts", brummt Colson. Der Cadillac hat offenbar die Nummernschilder eines japanischen Kleinwagens angeschraubt. Er ist nicht versichert, und der Kaufvertrag ist dubios.

Colson erklärt dem jungen Fahrer mit der weiten, grauen Turnhose, dass er den Caddy abschleppen lassen wird. Die Beifahrerin schimpft nun ebenfalls laut. Die beiden studieren nicht an der Uni. Gut für sie, denn hätten sie als Studenten die Polizisten angepöbelt, hätte das ihr letzter Tag an der Hochschule gewesen sein können.

Das wüssten die meisten Studenten, sagt Colson. Die Cops berichten an den Dekan. "Und der kann Studenten, die über die Stränge schlagen, ruckzuck exmatrikulieren." Dieses Druckmittel hat die reguläre Polizei nicht. "Sie kann nicht einfach einen Bürger aus dem Viertel verbannen", sagt Colson.

Bis der Abschleppdienst kommt, vergeht fast eine Stunde. Der Fahrer muss 200 Dollar fürs Abschleppen zahlen und 100 Dollar Strafe fürs Fahren mit falschem Kennzeichen und ohne Versicherung.

Weniger Geld, mehr Urlaub

Als Colson gerade die Kreuzung verlassen hat, kommt ein Notruf rein. Im Physikgebäude riecht es verbrannt. Der Polizist jagt mit Blaulicht und 120 Sachen über den Campus. "Schneller darf ich nicht", sagt er. Sein Wagen sei nicht fürs Rasen gebaut und könne kippen.

Vor der Fakultät stehen vier junge Studenten, die für zehn Dollar pro Stunde als Kadetten, als Hilfspolizisten, arbeiten. "Wir sind die Verbindungsleute zwischen den Cops und den Studenten", sagt einer von ihnen. Die Frage, ob seine Kommilitonen ihn als Spitzel sähen, verneint er empört.

Blitzumfrage unter den Studenten vor dem evakuierten Physikgebäude: "Ich finde es gut, dass wir eine Campus-Polizei haben", sagt Marja, 19. Hochschulpolizisten seien bei Schießereien viel schneller zur Stelle als jedes örtliche Einsatzkommando. Auch die angehende Psychologin Elise, 22, lässt nichts auf die Mason Cops kommen. "Wenn ich eine Spätvorlesung habe und in die Tiefgarage muss, kann ich die Kadetten oder einen Polizisten übers Handy anrufen und sie begleiten mich zu meinem Wagen. Ich fühle mich dann sicherer."

Die Polizisten und Feuerwehrleute gehen von Raum zu Raum. Irgendwo brennt offenbar ein Kabel. Colson kann heute erst nach einer Zwölf-Stunden-Schicht die Uniform ausziehen. Der Verdienst eines Campus-Polizisten liegt bei umgerechnet rund 31.000 Euro Anfangsgehalt im Jahr - reguläre Polizisten bekommen meist etwas mehr. Doch Colson macht das nichts aus: "Wir haben dafür mehr Urlaub."

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Einsätze der Campus Cops
Rubeanus 16.04.2012
Man kann übrigens online nachlesen, mit welchen Wechselfällen des Lebens sich die Polizisten der George Mason University Tag für Tag befassen: George Mason University | Police Department | (http://www.gmu.edu/depts/police/crimelog.htm)
2.
spon-facebook-256400001 16.04.2012
Der Autor sollte bitte mal einen Atlas aufschlagen, denn Virginia ist weder geografisch noch kulturell historisch dem Noden zuzuschlagen (auch wenn NoVa in Virginia nochmal was anderes ist...)
3. Und was ist interessant ...?
derdelmenhorster 16.04.2012
Abgesehen von der Fehlverortung im Nordosten der USA fehlen auch die wirklich interessanten Dinge, als da wären: Hat die Uni-Polizei genau die gleichen Kompetenzen wie die städtische bzw. staatliche Polizei? Darf die Uni-Polizei nur auf dem Uni-Gelände polizeilich vorgehen, oder darf sie dass womöglich auch außerhalb des Campus? Falls ja, wann und unter welchen Bedingungen? Und wie oft kommt es wirklich vor, dass eine Uni Studierende exmatrikuliert, weil die Uni-Polizei etwas meldet? Gibt es bei der Arbeitsweise, bei den Kompetenzen, bei der Ausbildung der Uni-Polizeien Unterschiede zwischen, beispielsweise, den staatlichen und den privaten Universitäten, zwischen kleinen Colleges und großen Universitäten ....? Also - es lohnt sich nicht wirklich, diesen Beitrag noch einmal zu lesen, er ist zu langweilig.
4.
BruSie 16.04.2012
Zitat von derdelmenhorsterAlso - es lohnt sich nicht wirklich, diesen Beitrag noch einmal zu lesen, er ist zu langweilig.
Wer liest einen Artikel schon zweimal, wenn er ihn beim ersten mal verstanden hat? Und wer ihn nicht verstanden hat und ihn langweilig findet, würde ihn wohl auch nach dreimaligem Lesen nicht verstehen. Übrigens; solche Artikel dienen nicht immer nur der Unterhaltung, sondern der Information. Wenn sie reine Unterhaltung ohne Sinn suchen, sind sie vielleicht auf BILD-online besser aufgehoben.
5. @ BruSie: Missverständnis?
derdelmenhorster 17.04.2012
Zitat von BruSieWer liest einen Artikel schon zweimal, wenn er ihn beim ersten mal verstanden hat? Und wer ihn nicht verstanden hat und ihn langweilig findet, würde ihn wohl auch nach dreimaligem Lesen nicht verstehen. Übrigens; solche Artikel dienen nicht immer nur der Unterhaltung, sondern der Information. Wenn sie reine Unterhaltung ohne Sinn suchen, sind sie vielleicht auf BILD-online besser aufgehoben.
Wo steht denn, dass ich "Unterhaltung ohne Sinn" suchen würde? Was ich suche, ist Information, aber gerne gut aufbereitet, so dass das Lesen auch Spaß macht. Eben Information, Antworten auf die wirklichen Fragen, vermisse ich aber hier!
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