Christliche US-Uni: Lesbische Studentin muss Hochschule verlassen

Öffentliche Liebeserklärung: Studentin Danielle Rowell (l.) und ihre Partnerin beim Heiratsantrag (Youtube-Video) Zur Großansicht
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Öffentliche Liebeserklärung: Studentin Danielle Rowell (l.) und ihre Partnerin beim Heiratsantrag (Youtube-Video)

Die Grace University in den USA rühmt sich als christliche Hochschule - homosexuelle Studenten passen nicht ins Konzept. Danielle Powell musste deswegen gehen. Mehr noch: Jetzt soll sie auch noch 6300 Dollar Stipendium zurückzahlen.

Als sie das Regelwerk der Uni unterzeichnete, habe sie noch keine Frau geliebt. Sie habe auch nicht vorgehabt, sich in eine zu verlieben. Doch dann traf die Studentin Danielle Powell diese Frau.

Für ihre Uni, die christliche Grace University im amerikanischen Omaha, ein Grund, sie zu suspendieren. Mehr noch: Sie soll sogar 6300 Dollar Stipendium zurückzahlen, berichtet das Online-Magazin "Inside Higher Ed".

Ihre neue Partnerin - mit der Frau von der Uni ist sie nicht mehr zusammen - hat deswegen jetzt eine Online-Petition gestartet: "Zwingt meine Frau nicht, ihr Stipendium zurückzuzahlen, weil sie lesbisch ist." Die Idee dazu hatte sie, weil die beiden erst kürzlich das Video von Danielle Powells Heiratsantrag bei YouTube hochgeladen haben. 380.000 Menschen haben es bislang angeklickt.

Warum sollte es nicht noch mal funktionieren, online Massen zu erreichen? Bislang läuft es ganz gut: Rund 13.700 Menschen haben die Petition innerhalb weniger Tage unterzeichnet.

"Ich bezeichne mich nicht als Lesbe"

Vor ihr habe noch niemand in ihrer Familie studiert, sagte Danielle Powell der "Huffington Post". Sie selbst habe eigentlich auch nie daran gedacht, eigentlich könne sie sich das gar nicht leisten. Dann, dank Stipendium, schrieb sie sich doch ein. Sie habe sich für die Uni entschieden, weil sie dort Volleyball spielen konnte, ihr habe das interkulturelle Programm gefallen, das soziale Engagement der Uni.

"Ich bezeichne mich nicht als Lesbe", sagt Danielle Powell. Sie habe sich in eine Person verliebt, das habe nichts mit dem Geschlecht zu tun. "Kein wissentlich homosexueller Mensch würde jemals zu dieser Institution gehen", sagte sie. An der Grace University seien weniger als 500 Studenten eingeschrieben, berichtet "Inside Higher Ed". Auf der Uni-Webseite steht, es gehöre zu den übergeordneten Zielen, dass aus jedem Studenten eine ausgeglichene, christliche Person werde. Jede Facette des universitären Programms sei christlich und biblisch geprägt.

Ein Programm sollte die Studentin läutern

Der Konflikt soll bereits im Jahr 2011 begonnen haben, berichtet "Inside Higher Ed", und er verfolgt Danielle Powell bis heute. Ihre damalige Freundin, ebenfalls Studentin an der Uni, soll sich einem Mitarbeiter anvertraut haben, nachdem die beiden sich getrennt hatten. Der Mitarbeiter habe sie gezwungen, die Beziehung an der Uni öffentlich zu machen. Danach lud die Uni die beiden Frauen zur Anhörung. Das Gremium habe sie unter anderem gefragt, ob sie bereue, sagte Danielle Powell. Im März 2011 wurden die Frauen suspendiert.

Die Uni habe ihr angeboten, an einem Bekehrungsprogramm teilzunehmen, dazu gehörten Beratungsgespräche und regelmäßige Gottesdienstbesuche. Dann hätte sie ihr Studium zwar fortsetzen können - allerdings ohne auf dem Campus leben zu dürfen.

Die Mitarbeiter der Uni hätten sich in der Zeit bei anderen erkundigt, ob sie immer noch mit einer Frau zusammen sei. Eine Hexenjagd sei das gewesen, sagte die Studentin. Trotzdem habe sie zurückkehren wollen, um ihr Studium zu beenden.

Dann zog die Uni ihr Angebot jedoch zurück: Danielle Powell benehme sich unehrlich, wenn nicht betrügerisch, weil sie weiterhin Frauen treffe, schrieben sie in einem Brief. Damit war ihre Uni-Karriere in Omaha beendet. Danach war einige Zeit Ruhe.

Im vergangenen Oktober wollte Danielle Powell sich dann an einer anderen Hochschule einschreiben. Doch ihre alte Uni weigere sich, die erbrachten Studienleistungen zu bestätigen, berichtet die Studentin, weil sie bislang nicht bezahlt habe.

Die Uni bestreitet das. Michael James, Vizepräsident der Uni, schrieb der "Huffington Post", er dürfe sich zu einzelnen Studenten nicht äußern. Generell müsse jeder Student, der die Uni verlässt und noch keine 60 Prozent eines Semesters beendet habe, Geld zurück zahlen. Zudem bestätigte er, dass in dem Handbuch für Studenten steht: "Jeder Student, der in sexuell unsittliches Verhalten involviert ist, dazu gehören vorehelicher Sex, Ehebruch und homosexuelle Handlungen, ist mindestens nur noch auf Bewährung an der Universität und wird eventuell auch Gegenstand einer Anhörung des Rechtsausschusses."

Die Studentin Danielle Powell sagt: "Ich glaube nicht, dass sich viele Leute der Tatsache bewusst sind, dass man im Jahr 2013 legal von der Uni geschmissen werden kann, weil man homosexuell ist."

An die Grace University möchte sie nicht zurück. Sie will derzeit nur eines verhindern: dass sie für ihren Rausschmiss auch noch bezahlen muss.

Der Heiratsantrag bei YouTube

Wenn Sie SPIEGEL ONLINE mobil nutzen, geht es hier zum Video.

fln

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