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Datenleck: Interne Papiere enthüllen Rechtsextremismus bei Burschenschaften

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Es ist ein Desaster für die Deutsche Burschenschaft: Eine Fülle brisanter interner Dokumente ist an die Öffentlichkeit gelangt. Die Protokolle und Strategiepapiere legen die desolate Lage der Studentenbünde offen - und ihre Unfähigkeit, rechtsextremen Brüdern Einhalt zu gebieten.

Deutsche Burschenschaft 2011: Alt und fast schon nicht mehr da? Zur Großansicht
SPIEGEL ONLINE

Deutsche Burschenschaft 2011: Alt und fast schon nicht mehr da?

Die Deutsche Burschenschaft kommt nicht zur Ruhe. Nach dem Eklat um die Einführung eines "Ariernachweises" stehen die strammen Brüder unter großem Druck, innerhalb der Verbindungsszene sind sie fast völlig isoliert.

Interne Dokumente, die SPIEGEL ONLINE vorliegen, zeigen nun, wie desolat es um die rund 120 rechten Studentenbünde unter dem Dach der Deutschen Burschenschaft (DB) bestellt ist - von den liberal-konservativen bis zu denen am rechtsextremen Rand. Mit den Dokumenten konfrontiert, wollte sich die DB zum Inhalt nicht äußern, ein Insider bestätigt deren Authentizität.

Mehr als 3000 Seiten aus Sitzungsprotokollen, internen Berichten und Strategiepapieren konnte SPIEGEL ONLINE sichten - ein Teil der Unterlagen steht auch frei verfügbar im Internet, veröffentlicht auf dem linken Web-Portal Indymedia.

Es sind keine geheimen Botschaftsdepeschen, keine Dokumente aus den Zentren der Macht, und sprachlich wie intellektuell sind sie oft schwachbrüstig. Für den Dachverband der Burschenschaften aber erinnert der Daten-Unfall an den Schlag, den die Wikileaks-Papiere der US-Außenpolitik versetzten - ein Burschen-Leaks, das den angeschlagenen Club ins Wanken bringen kann. Mit den letztverbliebenen Illusionen über die Männer mit den markigen Schmissen wird jedenfalls gründlich aufgeräumt.

Traum vom deutschen Rechtsruck

Die Papiere stammen aus den Jahren 2000 bis 2011 - und sie zeichnen ein fast schon jämmerliches Bild vom Innenleben der DB: Mit ihren rund tausend aktiven Studenten und ihren gut 9000 sogenannten Alten Herren ist der Verband zumindest in Deutschland an Unis und in der Gesellschaft nahezu bedeutungslos und kaum präsent. Untereinander sind sich die vermeintlichen Brüder oft spinnefeind - besonders, wenn sie sich um Macht und politische Ausrichtung streiten.

Dominierend ist dabei die rechtsgerichtete Burschenschaftliche Gemeinschaft (BG), bestehend aus gut 20 deutschen und 20 österreichischen Bünden. Die BG vertritt einen biologistischen Rassismus und träumt von einer deutschen Rechtsaußenpartei nach dem Vorbild der österreichischen FPÖ.

Die BG-Burschen feiern an diesem Wochenende ihr 50-jähriges Bestehen in München. Auch wenn sie nicht die Mehrheit der Bünde stellen, sind sie doch eine Macht in der Deutschen Burschenschaft.

Den Rechtsextremen steht eine Handvoll liberal-konservativer Bünde gegenüber, zusammengeschlossen in der "Stuttgarter Initiative" (SI). Diese Biederbrüder hängen zum Teil noch an alten burschenschaftlichen Idealen von Ehrbarkeit und Freiheit - doch die geleakten Dokumente belegen ihr Unvermögen, sich gegen die rechten Brandstifter zu organisieren.

"Der Verband der Deutschen Burschenschaft bewegt sich seit vielen Jahren von einer Krise in die nächste größere" - so beginnt der Abschlussbericht für mehrere Regionalkonferenzen aus dem Februar 2010. Gerade für die verschworenen Männerbünde ist das Informations-Leck ein Desaster. Verschwiegenheit ist ihnen heilig, wer Interna ausplaudert, wird hart bestraft.

Die internen Dokumente der Burschenschaften, die jetzt bekannt wurden, sprechen in weiten Teilen für sich.

SPIEGEL ONLINE zeigt kommentierte Ausschnitte. Lesen Sie hier weiter und klicken Sie für die einzelnen Dokumente auf den jeweiligen Link:

Burschen-Leaks: Einblick in eine verschworene Gemeinschaft

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 382 Beiträge
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1.
BartSimpson, 15.07.2011
Zitat von sysopEs ist ein Desaster für die Deutsche Burschenschaft: Eine Fülle brisanter interner Dokumente ist an die Öffentlichkeit durchgesickert. Die Protokolle und Strategiepapiere legen die desolate Lage der Studentenbünde offen - und*ihre Unfähigkeit, rechtsextremen Brüdern Einhalt zu gebieten. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,774524,00.html
Jetzt bin ich aber überrascht.
2. Europas Antidemokraten Sorgen Uns...
wolffsohn 15.07.2011
ZITAT: "Den Trend der antidemokratischen, sich gegen die Menschen Europas richtenden Strömungen kann man nur aufhalten, wenn man Brüssel mehr Entscheidungsmacht überantwortet und Europa anstelle eines Kommissionspräsidenten jetzt endlich einen gemeinsamen Präsidenten nach Vorbild der USA benennt, der den Staatsregierungen und seinen Gouverneuren übergeordnet ist. Zur Zeit aber erlebt Europa den Fortschritt des Rückschritts." Den ganzen Artikel lesen Sie hier: http://brainlux-contor.blogspot.com/2011/07/danemarks-nazis-zerstoren-europa.html
3. Und sowas sitzt später wieder
Berta, 15.07.2011
in den Verwaltungen usw. hört das denn nie auf.
4.
joey55 15.07.2011
Jämmerlich ist allein dieser Bericht. 40 von 123 Burschenschaften dominieren den Verband? Lächerlich. Dass sich der Spiegel einer Berichterstattung über Gewalttaten gegenüber Verbindungsstudenten jeder Couleur verweigert ist bezeichnend. Das ist nichts als reiner Skandaljournalismus, der sich auf vereinzelte Dokumente und Aussagen stützt, aber die Veröffentlichung liberaler Beschlüsse und Dokumente unetrlässt.
5. wer wie ein clown ..........
otto huebner 15.07.2011
Zitat von sysopEs ist ein Desaster für die Deutsche Burschenschaft: Eine Fülle brisanter interner Dokumente ist an die Öffentlichkeit durchgesickert. Die Protokolle und Strategiepapiere legen die desolate Lage der Studentenbünde offen - und*ihre Unfähigkeit, rechtsextremen Brüdern Einhalt zu gebieten. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,774524,00.html
rumlaeuft wird wie ein clown wahrgenommen. die nimmt doch KEINER wirklich ernst.
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Begriffe
Alter Herr/Hohe Dame
Verbindungsmitglied im Berufsleben, finanziert durch seine Beiträge die Aktivitäten der Korporation. Wird auch "Philister" genannt.
Bierkrank
Ausdruck für Studenten, die nicht mehr trinken wollen oder können.
Bierverschiss
Verweis für Teilnehmer einer –> Kneipe.
Bummel
Offizieller Spaziergang durch die Stadt, dabei wird die –> Couleur angelegt.
Conkneipant/Kneipschwanz
Mitglied, das laut Verbindungssatzung eigentlich nicht aufgenommen werden darf, wegen besonderem Interesse oder besonderer Verdienste aber dabei sein soll. Wurde früher auch "Kneipschwanz" genannt.
Couleur
Farben der Verbindung, werden als Band, –> Zipfel oder Mütze getragen.
Fux/Fuchs
Neumitglied im ersten Jahr, Status endet mit der Burschenprüfung.
Kneipe
Traditionelle Studentenfeier mit strengem Ablaufplan, in der festlicheren Variante "Kommers" genannt.
Pauken/Mensur
Studentische Fechtkunst bei schlagenden Verbindungen. Verletzungen im Gesicht sind möglich, die Narben heißen "Schmiss" und waren früher Statussymbole.
Stiftungsfest
Gründungsjubiläum, wird mit festlichem Ball und Kommers gefeiert.
Zipfel
Schmuckanhänger in –> Couleur, tauschen befreundete Bundesbrüder und -schwestern miteinander.
Zirkel
Symbol einer Verbindung, enthält mehrere Buchstaben in ausgeschmückter Handschrift, Abschluss bei aktiven Mitgliedern mit einem Ausrufezeichen.

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Die Deutsche Burschenschaft ist der älteste und größte Dachverband von rund 120 Mitgliedsbünden. Wie kam es dazu, dass er heute von Rechtsextremen bestimmt wird?
Fünfziger und sechziger Jahre
Die damals relativ wenigen großdeutsch denkenden Bünde kämpften vergeblich dafür, österreichische Burschenschaften aufzunehmen, die mehrheitlich völkische Aufnahmekriterien hatten. Die Liberal-Konservativen hingegen wollten die Pflicht zur Aufnahmemensur abschaffen - ein Affront für die Rechtsextremen. Der Verband war handlungsunfähig.
Siebziger Jahre
1971 schlossen die Liberal-Konservativen einen fatalen Kompromiss: Sie akzeptierten den völkischen Vaterlandsbegriff, der auch österreichischen Bünden die Aufnahme ermöglicht. Dafür stimmten die anderen für die Abschaffung der Pflichtmensur.
Kompromiss mit Folgen
Mit diesem "historischen Kompromiss" sorgten die Liberal-Konservativen selbst für ihre schleichende Marginalisierung: Die Verfechter des Blut- und Bodenrechts wurden mächtiger, denn die neuen österreichischen Bünde gehörten ja zu ihnen. Weil jeder Bund auf den Burschentagen das gleiche Stimmengewicht hat, ist es unerheblich, dass viele österreichische und - nach der Wiedervereinigung - ostdeutsche Mitgliedsbünde sehr klein sind.
Ruck nach rechts
Viele der oft mitgliederstarken liberal-konservativen Bünde verließen den Verband, der dadurch noch weiter nach rechts rückte. Die Jenaer Urburschenschaften sind allesamt ausgetreten. In Gießen gab es einmal vier Mitgliedsbünde, heute noch einen, die Dresdensia-Rugia - deren Bundesbruder Arne Schimmer sitzt für die NPD im sächsischen Landtag. Die Folge: Der Rechtsaußen-Flügel besetzt inzwischen alle Schlüsselpositionen des Verbands und bekommt für Anträge quasi ausnahmslos eine Mehrheit.