Datenleck: Interne Papiere enthüllen Rechtsextremismus bei Burschenschaften
Es ist ein Desaster für die Deutsche Burschenschaft: Eine Fülle brisanter interner Dokumente ist an die Öffentlichkeit gelangt. Die Protokolle und Strategiepapiere legen die desolate Lage der Studentenbünde offen - und ihre Unfähigkeit, rechtsextremen Brüdern Einhalt zu gebieten.
Die Deutsche Burschenschaft kommt nicht zur Ruhe. Nach dem Eklat um die Einführung eines "Ariernachweises" stehen die strammen Brüder unter großem Druck, innerhalb der Verbindungsszene sind sie fast völlig isoliert.
Interne Dokumente, die SPIEGEL ONLINE vorliegen, zeigen nun, wie desolat es um die rund 120 rechten Studentenbünde unter dem Dach der Deutschen Burschenschaft (DB) bestellt ist - von den liberal-konservativen bis zu denen am rechtsextremen Rand. Mit den Dokumenten konfrontiert, wollte sich die DB zum Inhalt nicht äußern, ein Insider bestätigt deren Authentizität.
Mehr als 3000 Seiten aus Sitzungsprotokollen, internen Berichten und Strategiepapieren konnte SPIEGEL ONLINE sichten - ein Teil der Unterlagen steht auch frei verfügbar im Internet, veröffentlicht auf dem linken Web-Portal Indymedia.
Es sind keine geheimen Botschaftsdepeschen, keine Dokumente aus den Zentren der Macht, und sprachlich wie intellektuell sind sie oft schwachbrüstig. Für den Dachverband der Burschenschaften aber erinnert der Daten-Unfall an den Schlag, den die Wikileaks-Papiere der US-Außenpolitik versetzten - ein Burschen-Leaks, das den angeschlagenen Club ins Wanken bringen kann. Mit den letztverbliebenen Illusionen über die Männer mit den markigen Schmissen wird jedenfalls gründlich aufgeräumt.
Traum vom deutschen Rechtsruck
Die Papiere stammen aus den Jahren 2000 bis 2011 - und sie zeichnen ein fast schon jämmerliches Bild vom Innenleben der DB: Mit ihren rund tausend aktiven Studenten und ihren gut 9000 sogenannten Alten Herren ist der Verband zumindest in Deutschland an Unis und in der Gesellschaft nahezu bedeutungslos und kaum präsent. Untereinander sind sich die vermeintlichen Brüder oft spinnefeind - besonders, wenn sie sich um Macht und politische Ausrichtung streiten.
Dominierend ist dabei die rechtsgerichtete Burschenschaftliche Gemeinschaft (BG), bestehend aus gut 20 deutschen und 20 österreichischen Bünden. Die BG vertritt einen biologistischen Rassismus und träumt von einer deutschen Rechtsaußenpartei nach dem Vorbild der österreichischen FPÖ.
Die BG-Burschen feiern an diesem Wochenende ihr 50-jähriges Bestehen in München. Auch wenn sie nicht die Mehrheit der Bünde stellen, sind sie doch eine Macht in der Deutschen Burschenschaft.
Den Rechtsextremen steht eine Handvoll liberal-konservativer Bünde gegenüber, zusammengeschlossen in der "Stuttgarter Initiative" (SI). Diese Biederbrüder hängen zum Teil noch an alten burschenschaftlichen Idealen von Ehrbarkeit und Freiheit - doch die geleakten Dokumente belegen ihr Unvermögen, sich gegen die rechten Brandstifter zu organisieren.
"Der Verband der Deutschen Burschenschaft bewegt sich seit vielen Jahren von einer Krise in die nächste größere" - so beginnt der Abschlussbericht für mehrere Regionalkonferenzen aus dem Februar 2010. Gerade für die verschworenen Männerbünde ist das Informations-Leck ein Desaster. Verschwiegenheit ist ihnen heilig, wer Interna ausplaudert, wird hart bestraft.
Die internen Dokumente der Burschenschaften, die jetzt bekannt wurden, sprechen in weiten Teilen für sich.
SPIEGEL ONLINE zeigt kommentierte Ausschnitte. Lesen Sie hier weiter und klicken Sie für die einzelnen Dokumente auf den jeweiligen Link:
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- Freitag, 15.07.2011 – 12:04 Uhr
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