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Plötzlich Popstar in Uganda: "Das Öl für meine Lampe"

Ein Interview von Tobias Asmuth

Studentin Deena Herr, 22, wollte eigentlich Sozialarbeiterin werden. Doch dann sang sie in einer ugandischen Bar ein Lied in der Landessprache. Nun lebt sie wie ein Popstar und wird im Radio gefeiert.

Karriere in Kampala: "Zuerst haben alle gelacht" Fotos
Anne Ackermann/ UNI SPIEGEL

UNI SPIEGEL: Frau Herr, Ihr Song "Mumulete" wird von den Radiostationen in der Hauptstadt Kampala gerade rauf und runter gespielt. Wie konnte das denn passieren?

Herr: Nach meinem Abitur habe ich für ein Jahr in einem Straßenkinderzentrum in Ruanda gearbeitet und bin von dort aus viel durch Ostafrika gereist, auch nach Uganda und Kampala - eine Stadt, in die ich mich sofort verliebt habe. An einem Abend in einer Bar drängte mich ein Freund, doch etwas auf der Gitarre zu spielen und zu singen. Das kam ziemlich gut an - und sprach sich bis zu einem Musikmanager herum.

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UNI SPIEGEL: Er war es, der das Lied für Sie schrieb?

Herr: Genau, und zwar in der Landessprache Luganda. Als ich "Mumulete" das erste Mal offiziell auf einer Bühne in einem kleinen Klub vortrug, wurde es erst ganz still, und dann haben die Leute gelacht. Das machen die Ugander allerdings immer, wenn sie von etwas überrascht sind. Und eine Weiße, die auf Luganda singt, ist natürlich überraschend. Aber es fühlt sich für mich nicht falsch an, und für die Ugander offenbar auch nicht: Ich hatte schon Angst, dass sie es missverstehen und glauben könnten, eine Weiße erlaube sich einen Gag.

UNI SPIEGEL: Wissen Sie denn, was genau Sie da singen?

Herr: Klar, ich beherrsche Luganda mittlerweile ganz gut, und man sagte mir, meine Aussprache sei fast perfekt, was für eine Ausländerin wohl sehr ungewöhnlich ist. Ich finde die Sprache wunderschön, sie funktioniert über viele Bilder und Sprichwörter. Ein Satz, den ich singe, lautet: "Du machst mich so stark, wie jemanden, der gewohnt ist, auf dem Boden zu schlafen." Oder: "Du bist das Öl für meine Lampe." Im Deutschen klingt so etwas kitschig, in Luganda hat es einfach Flow.

UNI SPIEGEL: Ihr Management in Uganda hat große Pläne. Wie sehr reizt es Sie überhaupt, fern der Heimat ein Star zu werden?

Herr: Ich habe immer schon sehr gern Musik gemacht, während der Schulzeit in Bands gespielt und vor allem gesungen. Insofern geht da schon ein kleiner Traum in Erfüllung. Und so groß sind die Unterschiede zu einer Karriere in Deutschland wohl nicht. Auch in Uganda ist das Musikgeschäft erst einmal unglaublich anstrengend, mit all den Aufnahmen und Auftritten, der Werbung und den anderen Verpflichtungen, die man hat. Es gruselt mich ein wenig davor, aber ich habe für mich jetzt beschlossen, dass ich mich da ganz drauf einlassen will. Die ersten Auftritte im Fernsehen oder in Radiostudios haben Spaß gemacht. Mein Management will in den kommenden Monaten große Konzerte organisieren. Für mich heißt das also wohl, dass ich ein Urlaubssemester nehmen muss.

UNI SPIEGEL: Könnten Sie sich vorstellen, ganz nach Uganda zu ziehen?

Herr: Absolut! Eigentlich ist es für mich klar, dass ich irgendwann in Kampala leben möchte, unabhängig davon, wie sich meine Karriere entwickelt. In Afrika fühle ich mich auf eine ganz besondere Art frei. Aber ich habe nun einmal in Berlin ein Studium angefangen, und das will ich auch beenden. Das nächste Praktikum werde ich zwischen den Auftritten in Kampala machen. Vielleicht bin ich in zwei Jahren beides: eine Sozialarbeiterin und eine Sängerin, die im Fußballstadion auftritt. Für mich klingt das alles immer noch ein wenig verrückt, aber mein Manager ist sich ziemlich sicher, dass wir das schaffen.

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Heft 4/2015 Wie Studenten Jagd auf ungeliebte Profs machen