Festival-Posse in Osnabrück: Asta macht Party-Verlust

Von Hendrik Steinkuhl

Darf ein Asta Tausende Euro für eine Party auf den Kopf hauen? Mit seinem Innenhof-Festival haben die Studentenvertreter der Uni Osnabrück seit Jahren Verluste gemacht. Kritik kontern sie so: Kultur sei eben ein Zuschussgeschäft.

Ärger um eine Asta-Party in Osnabrück: "Wir haben diese Misswirtschaft immer moniert" Zur Großansicht
dpa

Ärger um eine Asta-Party in Osnabrück: "Wir haben diese Misswirtschaft immer moniert"

Wie viel Wahrheit in Franz Münteferings Satz "Opposition ist Mist" steckt, hat Philipp Mania in den letzten Semestern immer wieder erfahren. Mania sitzt als Mitglied der lokalen Hochschulgruppe htw+Friends im Studentenparlament (Stupa) der Uni Osnabrück. Jahr für Jahr hat er als Abgeordneter miterlebt, wie sein Asta beim Festival im Schlossinnenhof viele Tausend Euro versenkte.

"Wir haben diese Misswirtschaft immer moniert. Aber unsere Fraktion war zu klein, um etwas daran ändern zu können." Dass das Festival Verlust mache, sei grundsätzlich in Ordnung; Kultur koste eben Geld. "Aber die Summen sind einfach inakzeptabel."

Die Zahlen lesen sich tatsächlich so, als würde hier ein Asta mal wieder Studentenbeiträge verschwenden: Im Jahr 2009 hat das Festival offenbar 10.000 Euro Miese gemacht, 2010 waren es schon 16.000 Euro. Insgesamt liegt der Kulturetat des Asta bei 40.000 Euro. Im Jahr 2011 sollen die Festival-Miesen sogar 20.000 Euro betragen haben. Für diese Zahl gibt es bislang allerdings nur einen Gewährsmann. Der heißt Jan Bruns und sitzt für die Junge Union im Stupa.

Auch seine Fraktion habe nie genügend Sitze gehabt, um die Misswirtschaft zu stoppen. "Grundsätzlich sind wir ja für solche Veranstaltungen. Aber es sollte doch wenigstens ansatzweise kostendeckend sein." Laut Bruns sei das Spiel jedes Jahr dasselbe: Einige Monate nach dem Innenhof-Festival heiße es aus dem Kulturreferat, die Veranstaltung weise ein erhebliches Defizit auf - aber dafür habe man doch eine gute Party gehabt!

"Für mich sind es einfach nur Kosten"

Und was sagen die Verantwortlichen im Asta? Zunächst einmal nichts. Der aktuelle Kulturreferent ist erst seit Sommer im Amt, seine Festival-Bewährungsprobe findet im kommenden Jahr statt. Der Vorgänger ist inzwischen schon an einer anderen Hochschule, seine Telefonnummer gibt der Asta nicht heraus. Und der vorletzte Kulturreferent reagiert auf keinen Kontaktversuch.

Auskunft gibt schließlich Philipp Zeller, langjährige Verwaltungshilfe im Asta: "Der Fokus des Festivals liegt eindeutig auf dem kulturellen Aspekt." Auf die Frage, wie hoch die Verluste der Party seien, antwortet Zeller, die lägen im vierstelligen Bereich. Könnten sie denn möglicherweise auch im fünfstelligen Bereich liegen, wie etwa der Stupa-Abgeordnete Jan Bruns behauptet? "Ja", sagt Zeller.

Es könnten in einzelnen Jahren auch fünfstellige Verluste gewesen sein. Die genauen Summen kenne die Kollegin aus der Buchhaltung. Aber die ist schon über die Frage entrüstet und sagt, sie würde doch keine Zahlen an die Presse weitergeben.

Ein paar Asta-Mitglieder melden sich noch zu Wort. Fast alle aktuellen Vertreter des Studierendenausschusses sind erst in diesem Jahr gewählt worden. Mit den Festival-Verlusten der vergangenen Jahre haben sie demnach nichts zu tun. Doch die Asta-Referenten und einige Stupa-Abgeordnete betrachten die Verluste des Festivals auch gar nicht als solche. "Für mich sind es einfach nur Kosten", sagt Gerrit Leelkok, der für die Jusos im Stupa sitzt.

Erst nachdem die "Neue Osnabrücker Zeitung" über das "Verlustgeschäft Innenhof-Festival" berichtete, verschickt auch der Asta schließlich eine offizielle Stellungnahme. Darin heißt es im besten Beamtendeutsch: "Die Universität ist eine Bildungseinrichtung, deren Aufgabe nicht die auf Gewinnrückfluss zielende Tätigung von Investitionen ist." Das Festival sei eine "große Kulturveranstaltung" und weit mehr, "als nur eine einfache 'Studenten-Party'".

Zum ersten Mal ein richtiges Konzept

Zuvor hatte Stupa-Präsident Niklas Timmermann bereits die Verlustzahlen des Parlamentariers Jan Bruns dementiert. Diese würden nicht der Wahrheit entsprechen.

In seiner Stellungnahme weist der Asta darauf hin, er habe stets einen ausgeglichenen Haushalt vorgelegt. Dennoch müssen die Studentenvertreter sich die Frage gefallen lassen, ob bei einem Festival so viel Geld verfeiert werden darf, nur weil der Semesterbeitrag der Studenten dies deckt. Und warum der Asta die offiziellen Zahlen nicht rausrückt.

Trotz der großen Verluste in den vergangenen Jahren hofft der Stupa-Abgeordnete Philipp Mania, dass der Asta die Festival-Kosten zukünftig in den Griff bekommt. Der Kulturreferent, der für die diesjährige Auflage verantwortlich gewesen sei, habe zum ersten Mal ein richtiges Konzept präsentiert. Und die Veranstaltung, für die noch keine Zahlen vorliegen, sei von den Studenten viel besser angenommen worden.

"Wenn die Verluste trotzdem wieder so hoch sind, wäre ich aber wirklich enttäuscht." Weil Mania und seine Hochschulgruppe in diesem Jahr endlich genügend Sitze im Stupa haben, um etwas zu bewegen, würde es nicht bei der bloßen Enttäuschung bleiben. "Wir werden uns sehr darum bemühen, den Kulturetat zu deckeln." In diesem Fall müssten dann wohl andere erfahren, dass Opposition ziemlicher Mist ist.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 63 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. So lernt man frühzeitig
adam68161 27.11.2012
ohne Skrupel und Gewissensbisse anderer Leute Geld auszugeben! Wahrlich eine Muster-Hochschule in WulffsLand!
2. und wenn sie dann
gekreuzigt 27.11.2012
Zitat von sysopDarf ein Asta Tausende Euro für eine Party auf den Kopf hauen? Mit seinem Innenhof-Festival haben die Studentenvertreter der Uni-Osnabrück seit Jahren Verluste gemacht. Kritik kontern sie so: Kultur sei eben ein Zuschuss-Geschäft. Der Asta der Uni-Osnabrück macht mit einem Festival Verluste - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/der-asta-der-uni-osnabrueck-macht-mit-einem-festival-verluste-a-868884.html)
für Rot oder Grün endlich im Stadtparlament/Landtag/Bundestag sitzen, wissen sie schon, wie man fremder Leute Geld verschleudert. Da ist die Uni wahrlich eine Schule für´s Leben.
3. Wieso findet sich diese Nachricht hier?
Toelke 27.11.2012
Meiner Erfahrung nach sind kulturelle Veranstaltungen kein Plusgeschäft, sondern vor allem Arbeit. So gut wie jede kommerzielle kulturelle Veranstaltung erhält Zuschüsse von öffentlichen Stellen. Diese Zuschüsse dürften aber in der Regel Institutionen wie dem Asta nicht zur Verfügung stehen. Mich wundert der Tenor des Artikels hier. Wie wäre es wenn jährlich 20.000 EUR Gewinn gemacht würden? Wäre dann das Argument, es gäbe jährlich Gelder aus Studienbeiträgen, wieso müsste sich hier noch bereichert werden? Der Asta hat ein Budget und wirtschaftet damit. Die Absicherung einer kulturellen Veranstaltung (mit ca. 1 EUR pro Student, wenn Wikipedia richtig liegt bei den Studierendenzahlen) ist mir alle Mal lieber als Ausgaben, die nur einem kleinen Kreis nützen.
4.
ketamama 27.11.2012
Tatsächlich hat der zitierte Gerrit Leelkok recht: "Für mich sind es einfach nur Kosten". Der Asta hat einen Kulturetat, um damit Kulturveranstaltungen zu finanzieren. Und genau das tut er. Müssten alle diese Kulturveranstaltungen Gewinn abwerfen, bräuchte der Asta keinen entsprechenden Etat. Er wäre dann auch kein Asta, sondern ein kommerzieller Partyveranstalter, der mit Saufpartys Geld verdient. Freilich kann man darüber diskutieren, ob ein Festival eine ausreichend kulturtragende Veranstaltung ist, oder der Kulturetat nur für Blockflötenkonzerte ausgegeben werden darf. Dazu müsste man allerdings erst einmal wissen, was auf dem Festival so geboten wird. Das interessiert den Artikelschreiber aber gar nicht.
5. Ja, wie schlimm
mk84 27.11.2012
... da wird doch tatsächlich "fremder Leute" Geld für unsinniges, uneffizientes Kulturvergnügen einer breiten Allgemeinheit herausgeschleudert! Dabei brauchen wir doch jeden Cent für Bankenrettungen, Lobbyistenstudien, Formel-1-Strecken und den Tiefgaragenbau von privaten Business-Unis (siehe EBS). Wirklich unfassbar!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Studium
RSS
alles zum Thema Hochschulpolitik
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 63 Kommentare
Ärger um Asta-Kalender

Fotostrecke
Demokratie à la Duisburg: Die Wächter der Urne
Was macht eigentlich der Asta?
Asta ist die Abkürzung für den Allgemeinen Studierenden Ausschuss. Er ist Teil der studentischen Selbstverwaltung - wie die Fachschaften. Allerdings vertritt er nicht nur die Studenten eines Fachs, sondern die Gesamtheit der Studenten. Oft ist der Asta auch politischer als die Fachschaften.