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Jugend-Umfrage zur Einheit: Ost und West? Egal! Auf Nord und Süd kommt es an

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Vor der ehemaligen Berliner Mauer: In den Köpfen ein Volk Zur Großansicht
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Vor der ehemaligen Berliner Mauer: In den Köpfen ein Volk

Von wegen "Mauer im Kopf": Wer heute jung ist, sieht zwischen Ost und West vor allem Gemeinsamkeiten. Viele Westdeutsche verlassen sich bei der Einschätzung von Ostdeutschen allerdings auf den Fernseher.

Mauerfall und friedliche Revolution - 25 Jahre ist das jetzt her. Wer heute jung ist, hat das letzte Kapitel der DDR nicht bewusst miterlebt. Heutige 16- bis 29-Jährige wurden in eine Zeit des Aufbruchs geboren. Die meisten konnten immer sagen, was sie sagen wollten. Sie konnten kaufen, was sie brauchten, und waren frei genug, alle Länder zu bereisen, die sie interessieren. Erzogen aber wurden sie von Eltern, die stark von der deutschen Teilung geprägt waren. Beeinflusst diese Jugend das Ost-West-Denken überhaupt noch?

Die gute Nachricht ist: Die Kinder der Wiedervereinigung erkennen mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede zwischen Ost und West. Das ergab eine repräsentative Umfrage, die SPIEGEL ONLINE exklusiv vorliegt. Die Jugendlichen verbindet demnach mehr, als sie trennt. Denkweisen und politische Ansichten werden von den meisten als gleich empfunden, auffällig sind für sie vielmehr die niedrigeren Löhne im Osten.

Von wegen "Mauer im Kopf": Je jünger die Menschen, desto positiver denken sie und finden, dass Ost und West ein Volk bilden. Eine Mehrheit ist sogar überzeugt, dass sich Norddeutsche viel stärker von Süddeutschen unterscheiden als Ossis von Wessis.

Für die bundesweite Umfrage fragte das Forsa-Institut im Auftrag der Hochschulkampagne "Mein Campus - Studieren in Fernost" 1001 repräsentativ ausgewählte Deutsche im Alter zwischen 16 und 29 Jahren Folgendes:

  • Würdest du im anderen Teil Deutschlands leben wollen?

  • Überwiegen Gemeinsamkeiten von oder Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen?

  • Was genau unterscheidet Westdeutsche und Ostdeutsche am meisten voneinander?

  • Und kann man das mit den Unterschieden zwischen Nord- und Süddeutschen vergleichen?

Westler glauben eher dem Fernsehen

74 Prozent der 16- bis 29-Jährigen sind in Westdeutschland aufgewachsen und 19 Prozent in Ostdeutschland. Die meisten von ihnen leben auch heute noch in dem Teil Deutschlands, in dem sie aufgewachsen sind. Sechs Prozent hat die Kindheit außerhalb Deutschlands verbracht. Fast jeder Dritte, der in Ostdeutschland aufgewachsen ist, kann sich vorstellen, in den Westen umzuziehen. Unter den Westdeutschen gibt sich immerhin knapp jeder Zweite mobil. Die Bereitschaft zum Umzug ist unter Großstädtern größer, sie steigt außerdem mit den höheren Bildungsabschlüssen (Abitur oder Studium).

Gibt es nun mehr Gemeinsamkeiten oder Unterschiede zwischen Ost und West? Die Antwort ist eindeutig: 25 Jahre nach dem Mauerfall sehen sich 57 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen unabhängig vom Wohnort als ein Volk. 32 Prozent sehen mehr Trennendes, acht Prozent sagen, dass sich beides die Waage hält. 16- bis 19-Jährige sehen besonders viele Gemeinsamkeiten (65 Prozent), auch bei Abiturienten überwiegt der Anteil ganz klar mit 63 Prozent.

Trennendes gibt es trotzdem. Ostdeutsche machen sich von ihrem Gegenüber im Westen stärker ein Bild aufgrund eigener Erfahrungen (67 Prozent), während die Westdeutschen die Ostdeutschen vor allem aus dem Fernsehen kennen (43 Prozent) und deutlich seltener durch eigene Erfahrungen oder die von Eltern, Großeltern und Freunden.

Danach befragt, was die größten Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen sind, fällt drei von vier Befragten spontan mindestens ein Merkmal ein. Die meisten von ihnen (23 Prozent) denken dabei an das Lohngefälle, 19 Prozent nennen Charakterzüge oder Unterschiede in der Mentalität, etwa "Ostdeutsche sind freundlicher und offener" oder "Westdeutsche sind arrogant". Zwölf Prozent kamen sprachlich Unterschiede in den Sinn. Alle anderen Unterschiede, wie etwa politische Ansichten, Vergangenheit, Lebensstandard, Arbeitslage oder Infrastruktur wurden von weniger als zehn Prozent spontan genannt. Bemerkenswert ist auch: Jedem Vierten fiel zu dieser Frage gar nichts ein.

Doch die Unterschiede scheinen von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen als normale regionale Differenzen eingestuft zu werden. Denn die Mehrheit geht davon aus, dass es zwischen Nord und Süd mehr Unterschiede gibt als zwischen Ost und West. Diese Meinung ist unter Westdeutschen nur wenig stärker ausgeprägt als im Osten.

Die hochschulübergreifende Marketingkampagne "Studieren in Fernost" bewirbt seit 2008 gezielt Studienangebote in ostdeutschen Ländern unter westdeutschen Interessierten und veröffentlicht regelmäßig Umfragen zu diesem Themenfeld. Zu Beginn der Kampagne waren ostdeutsche Universitäten den Studienanfängern noch fremd. Junge Westdeutsche beschrieben ostdeutsche Städte als grau, hässlich, langweilig, arbeitslos. Getragen wird die Werbekampagne von den Wissenschaftsministerien von Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

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1. ...
jujo 03.10.2014
Meine Wahrnehmung als siebzigjähriger Westdeutscher ist diese, das man immer noch ziemlich schnell feststellen kann ob einem ein Ostdeutscher gegenübersteht, ohne daß das thematisiert wurde, das gilt für die älteren, für die jüngeren Menschen unter vierzig gilt das m.E. nicht Unser Schwiegersohn ist Ostdeutscher, wir haben also Gesamtdeutsche Enkel und das ist gut so!
2.
Mach999 03.10.2014
Dass sich relativ mehr Ostdeutsche ein persönliches Bild von Westdeutschen machen als umgekehrt, könnte auch einfach damit zusammenhängen, dass die Westdeutschen durchschnittlich weiter fahren müssen, um in den Osten zu kommen als umgekehrt. Von Baden ist es weiter nach Thüringen als von Görlitz nach Bayern. Außerdem sind im ehemals grenznahen Bereich mehr Großstädte im Westen als im Osten, und die haben natürlich eine Sogwirkung in der Freizeit (z. B. zum Shoppen oder Ausgehen). Daher würde ich vermuten, dass der genannte Unterschied vor allem auf topographische Besonderheiten zurückzuführen ist, nicht auf unterschiedliche Einstellungen.
3. Mein Kommentar
abby_thur 03.10.2014
Wie hat schon Martin Sonneborn gesagt: "Mauern sind Narben. Aber Narben sind verheilte Wunden" ;-) In diesem Sinne: Auf die Einheit, egal ob ost oder west, süden oder norden!
4. Ost und West
pförtner 03.10.2014
Das kann ich so nicht sagen. Ich habe mehrmals in Bad Schandau gleich nach der Wende Urlaub gemacht,und überalll auch in Dresden, nur nette Leute Getroffen. Ich parkte meinem Ford Sierra etwas abgelen im Elbsandsteingebirge am Straßenrand , um in die Karte zu sehen. Kommt da doch ein Trabi, dessen Fahrer mich im schönsten sächsisch fragt, ob er mir Helfen könne. Die Freundlichkeit und der soziale Zusammenhalt der Mitteldeutschen gleich nach der Wende, tat mir spürbar gut! Leider mit den Jahren, haben die Mitteldeutschen diese Tugenden weitgehend abgelegt und sich der Ellenbogenmentalität der Westdeutschen angepasst ! Sie mussten es wohl auch - den schließlich wurden sie vom Westen gewaltig:( "Über den Tisch gezogen" .) Die Zeit, als niemand etwas in Mitteldeutschland zusagen hatte und man nur seinem Gewissen gegenüber verantwortlich war, sie war einfach schön! Gruß an die Mitteldeutschen. PS. Ich schreibe bewusst nicht Ostdeutschen.
5.
pfzt 03.10.2014
"Die meisten konnten immer sagen, was sie sagen wollten. Sie konnten kaufen, was sie brauchten, und waren frei genug, alle Länder zu bereisen, die sie interessieren." Schon spannend, denn niemand hat jetzt mehr was zu sagen, angesichts zukünftiger Energierechnungen von ein paar hundert € kann auch keiner mehr kaufen was er braucht und in den Ländern die einen "interessieren" wird als erstes der nächste Starbucks und H&M angesteuert, damit es bloß so ist wie zu hause. Die DDR war kein schönes Gesellschaftsexperiment aber man muss leider auch sagen das hier die freie Entfaltung des Kapitalismus nach wie vor nicht viel besser ist.
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