Unternehmen Hochschule: FU Berlin will Weiterbildungs-Uni verscherbeln

FU Berlin: Weiterbildungs-Uni soll verkauft werden Fotos
DUW

Als staatliche Uni mit Weiterbildung Geld verdienen - so stellte sich die FU Berlin das vor, als sie die Deutsche Universität für Weiterbildung gründete. Jetzt steht die DUW offenbar vor dem Verkauf, das Experiment darf als gescheitert gelten. Schlucken will den Betrieb die Steinbeis-Gruppe.

Deutsche Arbeitnehmer sollen lebenslang lernen, deutsche Hochschulen leiden chronisch unter Geldmangel - daraus lässt sich doch was machen, mussten die Verantwortlichen an der Freie Universität Berlin (FU) gedacht haben, als sie in die Deutsche Universität für Weiterbildung (DUW) investierten. Es war ein damals neuartiger Versuch, Geld zu verdienen - und er ist offenbar gescheitert: Denn die Weiterbildungs-Uni mit Sitz in Berlin steht vor dem Verkauf, so steht es in einem als vertraulich gekennzeichneten Beschlussentwurf.

Neben der FU Berlin, immerhin eine der im Exzellenzwettbewerb als Elite-Uni ausgezeichneten Hochschulen, ist die Klett-Gruppe zur Hälfte an der Fern-Uni beteiligt. Im April 2008 wurde die DUW staatlich anerkannt, im Oktober 2009 starteten dann drei Masterprogramme; damit war die DUW nach eigenen Angaben die erste staatlich anerkannte Weiterbildungsuniversität in Deutschland. Das könnte ein möglicher neuer Weg sein in der universitären Weiterbildung, hieß es damals: vom Staat anerkannt, aber finanziert mit privaten Mitteln. "Alle großen Universitäten im deutschsprachigen Raum suchen nach Möglichkeiten, wie sie dieses neue Feld in den Griff bekommen", sagte die Präsidentin Ada Pellert damals dem "Tagesspiegel".

Der FU Berlin ist das wohl nicht gelungen: Am 3. Mai tagte das Kuratorium der Uni und stimmte dem Verkauf der DUW zu, so geht es aus dem Protokoll hervor. Der Auftrag an das Präsidium der FU: die Vertragsverhandlungen schnellstmöglich zum erfolgreichen Abschluss zu bringen. Der Kaufpreis: 1,00 Euro. Die Voraussetzung: Den immatrikulierten Studenten soll Vertrauensschutz gewährleistet werden. Das heißt, sie sollen ihr Studium beenden können.

Noch 256 Masterstudenten eingeschrieben

Schon im vergangenen Dezember hatten die Gesellschafter beschlossen, keine neuen Masterstudenten mehr aufzunehmen. Anfang März 2013 waren dann noch 256 Masterstudenten in sieben Studiengängen eingeschrieben. Wenn alle ihr Studium beenden wollen, dann gäbe es an der DUW 2015 noch die letzten beiden Masterstudenten.

Insgesamt interessierten sich damit offenbar viel weniger für ein Studium als nötig: Weder Bund noch Land finanzieren die DUW, die Weiterbildungseinrichtung lebt also ausschließlich von Studiengebühren von 15.600 Euro für ein Masterstudium. Damit sich das Modell rechnet, hätten 1500 Studenten eingeschrieben sein müssen, berichtete der "Tagesspiegel" im Jahr 2010. Die Klett-Gruppe und die FU Berlin brachten damals ein Startkapital von je fünf Millionen Euro ein; wobei die FU Berlin geldwerte Leistungen beisteuerte, indem sie ein Gebäude zur Verfügung stellte. Jetzt soll die DUW nur noch über 2,3 Millionen Euro liquider Mittel verfügen.

Übernehmen will die DUW die Stuttgarter Steinbeis-Gruppe, die mit der Steinbeis-Hochschule Berlin (SHB) bereits eine private Business School mit zuletzt etwa 5700 Studenten betreibt. "Die SHB ist in konkreten Kaufverhandlungen mit den Gesellschaftern der 'DUW Deutsche Universität für Weiterbildung'", teilte Johann Löhn, Ehrenkurator der Steinbeis-Stiftung, auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit. Es sei geplant, in den nächsten Wochen eine "komplette Übernahme" zu vereinbaren. Laufende Studienverträge würden ordnungsgemäß weiterlaufen, neue Studenten sollen "nach den Regelungen der Steinbeis-Hochschule" aufgenommen werden.

Fünf bis sieben Jahre hatte die DUW für die Startphase eingeplant; jetzt geben die bisherigen Betreiber offenbar früher auf als geplant - auch wenn die FU Berlin den Verhandlungsstand noch nicht kommentieren will, wie ihr Sprecher mitteilte. Dieter Lenzen, heute Präsident der Uni Hamburg, leitete im Jahr der Gründung der DWU die FU Berlin und wirkte an deren Aufbau entscheidend mit. Er sagte jetzt dem "Tagesspiegel": "Für die Weiterbildung braucht man einen langen Atem." Damals sei nicht absehbar gewesen, dass wegen der Finanzkrise Unternehmen an der Weiterbildung sparen würden.

fln

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