Schavans Elitenförderung: Stipendien-Millionen drohen zu verfallen

Wohin nur mit dem Geld? Das "Deutschlandstipendium" von Bildungsministerin Annette Schavan verfehlt seine Zielmarke: 36,7 Millionen sollten in diesem Jahr an leistungsstarke Studenten fließen, doch bis Jahresende werden es wohl nur 20 Millionen, der Rest droht zu verfallen.

Hörsaal (Symbolbild): Viele Studenten, wenige StipendienZur Großansicht
DPA

Hörsaal (Symbolbild): Viele Studenten, wenige Stipendien

Bald, ganz bald soll es endlich so weit sein: Eine neue Stipendienkultur soll in Deutschland wachsen, viele, viele Studenten sollen ein Stipendium bekommen, je zur Hälfte bezahlt von Staat und Spendern, Firmen werden sich beteiligen, Stiftungen und Privatleute. So hatte sich das Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) vorgestellt, als sie ihr "Deutschlandstipendium" auf den Weg brachte.

Das Problem ist nur: Es rumpelte ziemlich, das Programm kam nur langsam in Gang - und jetzt zeigt sich: Die eigenen Zielmarken werden auch in diesem Jahr wieder verfehlt. Stipendienmillionen, die an Studenten fließen sollten, werden wohl zum Jahresende verfallen. Das Bundesbildungsministerium rechnet mittlerweile selbst damit, dass von den vorgesehenen 36,7 Millionen Euro bis zum Jahresende nur 20 Millionen ausgegeben werden, das geht laut dem SPD-Bundestagsabgeordneten Klaus Hagemann aus den Haushaltsplanungen für 2013 hervor.

Nicht zum ersten Mal scheitert die Bundesregierung also damit, so viel Stipendiengeld an die besten Studenten des Landes zu verteilen wie geplant. Schon im vergangenen Jahr waren mehrere Millionen liegen geblieben. Dass es dieses Jahr nicht anders sein würde, deutete sich schon im Mai an. Zu dem Zeitpunkt waren erst 5,5 Millionen Euro abgerufen worden, davon knapp 650.000 Euro für Werbung und Verwaltung.

Das Ministerium von Schavan bleibt trotzdem optimistisch: Ein Sprecher teilte mit, dass bis Jahresende mindestens 21 Millionen Euro abgerufen würden und der Bedarf im letzten Quartal des Jahres voraussichtlich steige. Zudem kann seit dem Sommer potentielles Stipendiengeld, das eine Hochschule nicht abruft, einer anderen Hochschule zugutekommen.

Warum aber verplanten Schavans Leute zwei Jahre hintereinander mehr Geld als die Unis anforderten? Man könne nicht zu restriktiv planen, heißt es beim Ministerium, weil die Hochschulen einen Anspruch auf ausreichend Geld hätten, wenn sie ihre Stipendienquoten erfüllen. Zudem sei der Verlauf neuer Projekte schwer einzuschätzen.

Mit dem Programm will Schavan besonders begabte Studenten fördern, unabhängig davon ob sie aus einer reichen oder armen Familie kommen. Sie bekommen monatlich 300 Euro, die Unis müssen die Hälfte des Geldes bei Spendern einwerben, die andere Hälfte steuert der Bund bei.

Ein Prozent der Studenten der teilnehmenden Hochschulen sollen ein Stipendium bekommen, das war das Ziel für 2012 - was offenbar erneut verfehlt wird. "Mittelfristig", so die Sprachregelung, sollen sogar acht Prozent aller Studenten ein "Deutschlandstipendium" bekommen, ursprünglich war das für das Jahr 2015 vorgesehen. Mittlerweile traut sich kaum noch jemand eine Prognose zu.

Die Opposition hat das "Deutschlandstipendium" von Anfang an kritisch begleitet. Der SPD-Haushälter Hagemann hatte schon im Sommer gefordert, das Geld den Begabtenförderungswerken zu geben, damit sie es an ihre Stipendiaten verteilen. Die Hochschulen wiederum machen zwar zunehmend bei dem Programm mit, beklagen aber den Verwaltungsaufwand, der Prozedere sei zu bürokratisch.

Trotz der Schwierigkeiten bleibt Schavans Ministerium zuversichtlich: Bis zu 1,5 Prozent der Studenten sollen zum Wintersemester 2013/14 gefördert werden dürfen. Das wären etwa 36.000 der auf 2,4 Millionen angewachsenen deutschen Studentenschaft.

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insgesamt 37 Beiträge
marthaimschnee 12.10.2012
Vielleicht sollte man mal von der Vorstellung Abschied nehmen, immer nur die besten fördern zu wollen. Ich kenne zB jede Menge genialer Ingenieure, von denen so ziemlich alle notentechnisch bestenfalls Mittelmaß waren. Das [...]
Vielleicht sollte man mal von der Vorstellung Abschied nehmen, immer nur die besten fördern zu wollen. Ich kenne zB jede Menge genialer Ingenieure, von denen so ziemlich alle notentechnisch bestenfalls Mittelmaß waren. Das gleiche Problem, wie im Sport: Wir haben bevölkerungsmäßig zu wenige eindeutig ersichtliche Top-Talente, als das wir es uns leisten könnten, ausschließlich die zu fördern!
hanfiey 12.10.2012
Da wird wieder mit dem Geld geschmust. Frau Schavan hat es nicht drauf und verlässt uns hoffentlich nächstes Jahr zugunsten der grünen Gutmenschen die unser Eigentum verteilen.
Da wird wieder mit dem Geld geschmust. Frau Schavan hat es nicht drauf und verlässt uns hoffentlich nächstes Jahr zugunsten der grünen Gutmenschen die unser Eigentum verteilen.
HarrySe 12.10.2012
Frau Schavan sollte statt dem Dland-Stipendium das Geld ins Bafög stecken. Es muss im System des Bafögs einiges geändert werden: mehr Arbeitsplätze, die die Verzögerungen der Auszahlungen zu Stoßzeiten auffangen, [...]
Frau Schavan sollte statt dem Dland-Stipendium das Geld ins Bafög stecken. Es muss im System des Bafögs einiges geändert werden: mehr Arbeitsplätze, die die Verzögerungen der Auszahlungen zu Stoßzeiten auffangen, Inflationsausgleich und damit eine Anpassung des Bafögssatzes jährlich zum WiSe, usw. Das Stipendium ist ja schön und gut, aber es fördert schon wieder die Elite, die zu einem Teil keine Geldsorgen hat und dadurch nicht nebenbei arbeiten muss und dadurch in Ruhe studieren kann, ohne den finanziellen Druck.
Böttcherstraße 12.10.2012
Nach welchen Kriterien sollen denn Ihrer Meinung nach die Stipendien vergeben werden? Abgesehen von den stupiden auswendiglern-Tests der ersten Semester sollte es eigentlich jemand der "genial" ist schaffen, gute [...]
Zitat von marthaimschneeVielleicht sollte man mal von der Vorstellung Abschied nehmen, immer nur die besten fördern zu wollen. Ich kenne zB jede Menge genialer Ingenieure, von denen so ziemlich alle notentechnisch bestenfalls Mittelmaß waren.
Nach welchen Kriterien sollen denn Ihrer Meinung nach die Stipendien vergeben werden? Abgesehen von den stupiden auswendiglern-Tests der ersten Semester sollte es eigentlich jemand der "genial" ist schaffen, gute Noten zu bekommen. Besonders dann, wenn ihm gesagt wird, dass er dadurch sein Studium finanziert bekommt. Ich höre genau dieses Argument ziemlich oft. Und meiner Meinung nach ist jemand, der mittelmäßige Noten hat, weil er ja ach so intelligent ist und ihn die Tests nur langweilen, irgendwie doch ganz schön blöd. Nämlich deswegen, weil er damit so ein Stipendium verschenkt.
---Zitat--- Stipendienmillionen, die an Studenten fließen sollten, werden wohl zum Jahresende verfallen. ---Zitatende--- Das klingt so, als würde das Geld dann "schlecht" und könnte nicht mehr benutzt werden. [...]
---Zitat--- Stipendienmillionen, die an Studenten fließen sollten, werden wohl zum Jahresende verfallen. ---Zitatende--- Das klingt so, als würde das Geld dann "schlecht" und könnte nicht mehr benutzt werden. Tatsächlich kann der Anteil an Steuergeldern dann aber auch anders ausgegeben werden, und es gibt im Bildungsbereich ja genügend Baustellen, die Unterfinanziert sind. Warum ein paar "Super-Studenten" zusätzlich fördern, während z.B. in vielen allgemeinbildenden Schulen (oder von mir aus auch vielen Unis) der Putz von den Decken bröselt oder die Räume überfüllt sind ?
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  • Freitag, 12.10.2012 – 16:31 Uhr
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Das Deutschlandstipendium
Das Programm ist im Sommersemester 2011 gestartet, die meisten Hochschulen vergeben ihre Stipendien aber erst seit dem Wintersemester 11/12. Im Jahr 2011 wurden nur etwas mehr als 0,2 Prozent der Studenten gefördert, 0,45 Prozent wären möglich gewesen. Seit 2012 Jahr kann an jeder Hochschule maximal ein Prozent der Studenten gefördert werden. 300 von 388 teilnahmeberechtigten deutschen Hochschulen beteiligen sich am Deutschlandstipendium.
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