Dieses Jahr sollte das "Deutschlandstipendium" endlich Fahrt aufnehmen: Gut 36 Millionen Euro hat das Bundesbildungsministerium eingeplant, um besonders begabte Studenten zu fördern, mit 150 Euro monatlich vom Bund und noch einmal so viel von privaten Einzelspendern oder Unternehmen. Ein Prozent der Studenten aller teilnehmenden Hochschule sollen ein "Deutschlandstipendium" bekommen können.
Doch bis jetzt wurden nur etwa neun Millionen Euro von den Hochschulen abgerufen. Ende Mai hatte bereits eine SPD-Anfrage ergeben, dass bis dahin lediglich 5,5 Millionen Euro von den Hochschulen angefordert worden waren. Damals wie heute verweist das Ministerium von Annette Schavan darauf, dass der Großteil der Stipendien erst im Herbst zum Wintersemester vergeben werde. Allerdings waren schon 2011 mehrere Millionen Euro zum Jahresende verfallen, statt auf die Konten begabter Studenten zu fließen. 5400 Studenten - weniger als 0,25 Prozent - profitierten im vergangenen Jahr von der Förderung, angestrebt waren knapp doppelt so viele.
Trotz der Anlaufschwierigkeiten bleibt Schavans Ministerium fürs nächste Jahr optimistisch: Bis zu 1,5 Prozent der Studenten sollen zum Wintersemester 2013/14 gefördert werden dürfen. Die neue Obergrenze steht in der Antwort des Ministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen. Das wären etwa 36.000 der auf 2,4 Millionen angewachsenen deutschen Studentenschaft.
Acht Prozent Geförderte kommen irgendwie, irgendwo, irgendwann
Die Regierung hat ihre Erwartungen bereits massiv zurückgeschraubt. Ursprünglich sollten bis 2015 acht Prozent der Studenten ein "Deutschlandstipendium" bekommen. "Bis dahin kann man eine solche Dimension in der Förderung schaffen", sagte Ministerin Anette Schavan (CDU) im August vor zwei Jahren.
Inzwischen wagt die Regierung keine Prognosen mehr, bis wann sie ihr Maximalziel erreicht. "Die weiteren Aufwüchse werden sich an der konkreten Entwicklung der Stipendienvergabe orientieren", heißt es aus dem Ministerium. Zwischenziele über 2013 hinaus gebe es nicht. "Bleibt es beim bisherigen Schneckentempo, dann erreicht Schavan ihr Ausbauziel in frühestens 15 Jahren", warnte Kai Gehring, bildungspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, der die Anfrage initiiert hatte.
Das "Deutschlandstipendium" war als Prestigeprojekt Schavans zuerst unter dem Namen Nationales Stipendienprogramm gestartet und läuft seit Sommer 2011. Hochschulen müssen für jeden Stipendiaten die Hälfte des monatlichen Förderbetrags, also 150 Euro, bei einem privaten Geldgeber einwerben. Gerade für Hochschulen ohne gute Kontakte zur Wirtschaft gestaltet sich das schwierig. Hochschulen bemängeln außerdem, das Prozedere sei bürokratisch und zu aufwendig.
Die Fördermittel sollen künftig besser verteilt werden
Nach Angaben des Ministeriums haben sich bisher rund drei Viertel aller Hochschulen an dem Programm beteiligt. Die Uni Hamburg gehört zu denen, die nicht mitmachen. Bei so vielen Hochschulen in der Stadt bestehe die Gefahr, dass man sich gegenseitig die Geldgeber abspenstig mache, sagte der Präsident der Uni, Dieter Lenzen, der "Süddeutschen Zeitung". Es sei wichtiger, große Summen für Forschung und Lehre einzusammeln, als Stipendien für einzelne Studenten, so Lenzen weiter.
Das Bildungsministerium will nun dafür sorgen, dass die Mittel aus dem Programm besser verteilt werden und weniger Geld zurück in den Bundeshaushalt fließt. Denn einige Hochschulen hatten bereits im vergangenen Jahr die Höchstförderquote von 0,45 Prozent ausgeschöpft - und durften keine weiteren Stipendien mehr vergeben.
Künftig soll potentielles Stipendiengeld, das eine Hochschule nicht abruft, einer anderen Hochschule zugutekommen können. Eine Obergrenze für diese Umverteilung soll es auch dann noch geben. Die orientiere sich an der Höchstförderquote des darauffolgenden Jahres, heißt es auf der Internetseite des "Deutschlandstipendiums".
Besonders umtriebige Hochschulen, die ihr Stipendien-Kontingent für 2012 bereits aufgebraucht haben, dürfen sich bis zum 1. September melden. Sie können dann weitere Stipendien mit Fördermitteln vergeben, die andere Hochschulen in ihrem Bundesland nicht genutzt haben.
son
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