"Deutschlandstipendium": Elitenförderung kommt nicht in Gang

Das Stipendienprogramm des Bundes schleppt sich so dahin: Ab 2013 soll es für 1,5 Prozent der begabtesten Studenten eine Förderung geben - weniger als anfangs geplant, doch angesichts der aktuellen Zahlen immer noch ambitioniert. Die Mittel sollen künftig besser verteilt werden.

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Fernziel abgeschafft: Ein Stipendium für die besten acht Prozent

Dieses Jahr sollte das "Deutschlandstipendium" endlich Fahrt aufnehmen: Gut 36 Millionen Euro hat das Bundesbildungsministerium eingeplant, um besonders begabte Studenten zu fördern, mit 150 Euro monatlich vom Bund und noch einmal so viel von privaten Einzelspendern oder Unternehmen. Ein Prozent der Studenten aller teilnehmenden Hochschule sollen ein "Deutschlandstipendium" bekommen können.

Doch bis jetzt wurden nur etwa neun Millionen Euro von den Hochschulen abgerufen. Ende Mai hatte bereits eine SPD-Anfrage ergeben, dass bis dahin lediglich 5,5 Millionen Euro von den Hochschulen angefordert worden waren. Damals wie heute verweist das Ministerium von Annette Schavan darauf, dass der Großteil der Stipendien erst im Herbst zum Wintersemester vergeben werde. Allerdings waren schon 2011 mehrere Millionen Euro zum Jahresende verfallen, statt auf die Konten begabter Studenten zu fließen. 5400 Studenten - weniger als 0,25 Prozent - profitierten im vergangenen Jahr von der Förderung, angestrebt waren knapp doppelt so viele.

Trotz der Anlaufschwierigkeiten bleibt Schavans Ministerium fürs nächste Jahr optimistisch: Bis zu 1,5 Prozent der Studenten sollen zum Wintersemester 2013/14 gefördert werden dürfen. Die neue Obergrenze steht in der Antwort des Ministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen. Das wären etwa 36.000 der auf 2,4 Millionen angewachsenen deutschen Studentenschaft.

Acht Prozent Geförderte kommen irgendwie, irgendwo, irgendwann

Die Regierung hat ihre Erwartungen bereits massiv zurückgeschraubt. Ursprünglich sollten bis 2015 acht Prozent der Studenten ein "Deutschlandstipendium" bekommen. "Bis dahin kann man eine solche Dimension in der Förderung schaffen", sagte Ministerin Anette Schavan (CDU) im August vor zwei Jahren.

Inzwischen wagt die Regierung keine Prognosen mehr, bis wann sie ihr Maximalziel erreicht. "Die weiteren Aufwüchse werden sich an der konkreten Entwicklung der Stipendienvergabe orientieren", heißt es aus dem Ministerium. Zwischenziele über 2013 hinaus gebe es nicht. "Bleibt es beim bisherigen Schneckentempo, dann erreicht Schavan ihr Ausbauziel in frühestens 15 Jahren", warnte Kai Gehring, bildungspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, der die Anfrage initiiert hatte.

Das "Deutschlandstipendium" war als Prestigeprojekt Schavans zuerst unter dem Namen Nationales Stipendienprogramm gestartet und läuft seit Sommer 2011. Hochschulen müssen für jeden Stipendiaten die Hälfte des monatlichen Förderbetrags, also 150 Euro, bei einem privaten Geldgeber einwerben. Gerade für Hochschulen ohne gute Kontakte zur Wirtschaft gestaltet sich das schwierig. Hochschulen bemängeln außerdem, das Prozedere sei bürokratisch und zu aufwendig.

Die Fördermittel sollen künftig besser verteilt werden

Nach Angaben des Ministeriums haben sich bisher rund drei Viertel aller Hochschulen an dem Programm beteiligt. Die Uni Hamburg gehört zu denen, die nicht mitmachen. Bei so vielen Hochschulen in der Stadt bestehe die Gefahr, dass man sich gegenseitig die Geldgeber abspenstig mache, sagte der Präsident der Uni, Dieter Lenzen, der "Süddeutschen Zeitung". Es sei wichtiger, große Summen für Forschung und Lehre einzusammeln, als Stipendien für einzelne Studenten, so Lenzen weiter.

Das Bildungsministerium will nun dafür sorgen, dass die Mittel aus dem Programm besser verteilt werden und weniger Geld zurück in den Bundeshaushalt fließt. Denn einige Hochschulen hatten bereits im vergangenen Jahr die Höchstförderquote von 0,45 Prozent ausgeschöpft - und durften keine weiteren Stipendien mehr vergeben.

Künftig soll potentielles Stipendiengeld, das eine Hochschule nicht abruft, einer anderen Hochschule zugutekommen können. Eine Obergrenze für diese Umverteilung soll es auch dann noch geben. Die orientiere sich an der Höchstförderquote des darauffolgenden Jahres, heißt es auf der Internetseite des "Deutschlandstipendiums".

Besonders umtriebige Hochschulen, die ihr Stipendien-Kontingent für 2012 bereits aufgebraucht haben, dürfen sich bis zum 1. September melden. Sie können dann weitere Stipendien mit Fördermitteln vergeben, die andere Hochschulen in ihrem Bundesland nicht genutzt haben.

son

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Top - Studenten studieren längst im Ausland.
prontissimo 17.08.2012
Zitat von sysopDas "Deutschlandstipendium" schleppt sich so dahin: Ab 2013 soll es für 1,5 Prozent der begabtesten Studenten eine Förderung geben - weniger als anfangs geplant, doch angesichts der aktuellen Zahlen immer noch ambitioniert. Die Mittel sollen künftig besser verteilt werden. "Deutschlandstipendium": Ministerium plant 1,5-Prozent-Obergrenze für 2013 - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,850662,00.html)
Mit entsprechend besseren Aussichten auf den späteren Beruf. ( nicht Job ! )
2. Die begabtesten??
ganta 17.08.2012
Naja wohl eher die, die soviel Power haben nebenher noch Sozial oder Parteipolitisch tätig zu sein. Jemand der nur, sagen wir mal 1er schreibt ansonsten aber nichts großartig macht bekommt doch eh kein Stipendium soweit ich weiß.
3. Elite?
f_l 17.08.2012
Kann mir eigentlich jemand erklären, warum man immer das Wort Elite verwenden muss? Reicht "Begabtenförderung" nicht? In dem Wort Elite steckt soviel mehr drin als nur das "begabt sein" an sich. Ich finde dieses Wort nicht richtig in diesem Fall. Bin ich der Einzige mit dieser Meinung oder misinterpretiere ich das Ganze? Würde mich wirklich interessieren, was andere Leser darüber denken.
4. *
Anjin-san 17.08.2012
@prontissimo: Das ist nicht wahr. Natürlich gibt es in den USA und in England Universitäten, die besser sind, und es gibt auch einige sehr gute Studenten aus Deutschland, die dort studieren, aber ein Massenphänomen ist das nicht. Von brain drain kann (wenn man mal von Medizinstudenten absieht, die sich anderswo einen Platz angeln müssen) überhaupt keine Rede sein. Der Begriff "Elite" ist meiner Meinung nach im Zusammenhang mit Studenten nicht wirklich benutzbar. Ich bezeichne diejenigen Menschen als die "Elite" eines Landes, die wirklich etwas bewegen, d.h. deren Entscheidungen das Leben vieler Menschen tatsächlich maßgeblich und positiv beeinflussen. Ob ein Student irgendwann sojemand wird, kann man zu Beginn des Studiums nicht vorhersehen. Das Deutschlandstipendium ist, wie alle anderen Bildungsreformen der letzten Jahre in Deutschland auch, eine PR-Maßnahme mit dem Ziel, den Eindruck zu erwecken, man tue etwas für die Bildung. In Deutschland gibt es leider keine Wählermehrheit, die ernsthaft für mehr Ausgaben im Bildungssystem ist. Wer mit Bildung in den Wahlkampf zieht, verliert die Wahl. Erst, wenn der Bildungsföderalismus abgeschafft ist, kann man ernsthaft Bildungspolitik machen. Man kann nur warten und hoffen. Anjin-San
5. Mehr Geld für Bildung!
fördeanwohner 18.08.2012
Zitat von Anjin-san... Das Deutschlandstipendium ist, wie alle anderen Bildungsreformen der letzten Jahre in Deutschland auch, eine PR-Maßnahme mit dem Ziel, den Eindruck zu erwecken, man tue etwas für die Bildung. In Deutschland gibt es leider keine Wählermehrheit, die ernsthaft für mehr Ausgaben im Bildungssystem ist. Wer mit Bildung in den Wahlkampf zieht, verliert die Wahl. Erst, wenn der Bildungsföderalismus abgeschafft ist, kann man ernsthaft Bildungspolitik machen. Man kann nur warten und hoffen. Anjin-San
Das "Deutschlandstipendium" interessiert den Wähler wohl tatsächlich nicht, da es hier nur um eine kleine Gruppe geht, die gefördert werden soll. Allerdings denke ich, würden die meisten Menschen in unserem Land es begrüßen, wenn alle Kinder möglichst gute Bedingungen in den Schulen vorfinden, also eher nichts dagegen haben, wenn mehr Geld zur Verfügung stünde. Welche Eltern freuen sich schon darüber, dass ihre Kinder mit mehr als 30 SuS in Klassenräumen sitzen, die auch noch in ihrer Ausstattung mangelhaft sind? usw Die Aufhebung des Bildungsförderalismus würde neben anderen Vorteilen wahrscheinlich sogar Geld bringen, das man dann in die Bildung investieren könnte. Aber der gesunde Menschenverstand setzt leider aus, wenn es an Pfründe und Privilegien einzelner geht.
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Das Deutschlandstipendium
Förderquote
Das Programm ist im Sommersemester 2011 gestartet, die meisten Hochschulen vergeben ihre Stipendien aber erst seit dem Wintersemester 11/12. Im Jahr 2011 wurden nur etwas mehr als 0,2 Prozent der Studenten gefördert, 0,45 Prozent wären möglich gewesen. Seit 2012 Jahr kann an jeder Hochschule maximal ein Prozent der Studenten gefördert werden. 300 von 388 teilnahmeberechtigten deutschen Hochschulen beteiligen sich am Deutschlandstipendium.
Auswahl der Stipendiaten
Die Auswahl der Stipendiaten trifft jede Hochschule selbst. Das Hauptkriterium für die Auswahl der Stipendiaten sind herausragende Leistungen im Studium. Auch gesellschaftliches Engagement sollen berücksichtigt werden und die familiäre Herkunft.
Höhe der Förderung
Jeder Deutschlandstipendiat erhält, unabhängig vom Einkommen der Eltern, monatlich 300 Euro. 150 Euro davon stiften private Förderer, die andere Hälfte zahlt der Bund. Aufgabe der Hochschulen ist es, die privaten Förderer zu finden.
Zweckbindung
Die privaten Mittelgeber können ihre Stipendien für bestimmte Fachrichtungen vergeben. Mindestens ein Drittel der Stipendien pro Hochschule muss jedoch nicht zweckgebunden sein.
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