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Doktor-Affäre: Uni-Dekan widerspricht Koch-Mehrin

Der Vorwurf wiegt schwer: Silvana Koch-Mehrin behauptet, ihre Uni habe die Schwächen ihrer Doktorarbeit schon lange gekannt. Jetzt wehrt sich Dekan Manfred Berg im Interview: Formale und inhaltliche Defizite habe man früh entdeckt, die Plagiate aber erst jetzt - die Technik war damals nicht so weit.

FDP-Politikerin Koch-Mehrin: "Überrascht" vom Titelentzug Zur Großansicht
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FDP-Politikerin Koch-Mehrin: "Überrascht" vom Titelentzug

SPIEGEL ONLINE: Silvana Koch-Mehrin beklagt, dass die Schwächen ihrer Dissertation der Uni schon vor elf Jahren bekannt gewesen seien. Damals habe der Promotionsausschuss entschieden, ihr dennoch den Doktortitel zu verleihen. Warum haben Sie ihn jetzt aberkannt?

Berg: Ich verwahre mich in aller Schärfe gegen die Unterstellung, dass die Gutachter damals schon die Plagiate erkannt haben und Frau Koch-Mehrin trotzdem promoviert worden ist. Die Gutachter haben inhaltliche und formale Schwächen erkannt, kritisiert und mit einer mittelmäßigen Note angemessen gewürdigt. Aber den Verdacht des Plagiats gab es nicht.

SPIEGEL ONLINE: Jetzt werden 120 Textpassagen auf 80 Seiten bemängelt. Wie konnte man das übersehen, zumal der Doktorvater damals schon fehlende Belege gerügt hat?

Berg: Kein Gutachter kann die gesamte Fachliteratur im Kopf haben und wie ein Computer verdächtige Stellen automatisch erkennen. Und die Software war damals noch nicht so weit.

SPIEGEL ONLINE: Im Vergleich zu Ex-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg hat Koch-Mehrin viel weniger falsch gemacht.

Berg: Der Fall spielt in einer anderen Liga, das stimmt. Aber es wäre schlimm, wenn zu Guttenberg den Standard bestimmen würde, also erst ab einer solchen Fülle an Plagiaten ein Titel aberkannt würde. Bei Frau Koch-Mehrin bestehen eben auch substantielle Teile der Arbeit aus Plagiaten.

SPIEGEL ONLINE: Koch-Mehrin wirft Ihrer Uni auch vor, nicht einmal Akteneinsicht erhalten zu haben.

Berg: Der Vorwurf, dass wir eine Art Inquisitionsprozess betrieben hätten, könnte absurder nicht sein. Wir haben sie angehört, wir haben ihr alle Unterlagen zur Verfügung gestellt, die Akten liegen für sie bereit. Glauben Sie mir: Uns hat das alles nicht gefreut, denn der Entzug des Doktortitels ist immer das Eingeständnis, das etwas passiert ist, das nicht hätte passieren dürfen.

SPIEGEL ONLINE: Wie kann man so etwas verhindern?

Berg: Wir müssen darüber nachdenken, wie die Betreuung von Doktoranden künftig gestaltet werden soll. Aber vor einem Generalverdacht müssen wir uns hüten.

Das Interview führte Markus Verbeet

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1. Warteschlange
sorata 17.06.2011
Zitat von sysopDer Vorwurf wiegt schwer: Silvana Koch-Mehrin behauptet, ihre Uni habe die Schwächen ihrer Doktorarbeit schon lange gekannt. Jetzt wehrt sich Dekan Manfred Berg im Interview: Formale und inhaltliche Defizite habe man früh entdeckt, die*Plagiate aber erst jetzt - die Technik war damals nicht so weit. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,768933,00.html
Sie fiel bereits seit Jahren mit ihrem Spitzenplatz als faulste und geldgierigste EU Parlamentarierin auf. Weiterhin überzeugte sie durch Dummheit bei "Hart aber Fair". Mit diesen "Fähigkeiten" ist ihr eine selbst erarbeitete Doktorarbeit nun wirklich nicht zuzutrauen. Jetzt behauptet diese gewissenlose Freibeuterin, sie hätte ihrem Doktorvater damals bei der Übergabe ''ihrer Arbeit'' mitgeteilt, dass diese eigentlich nichts taugt und vor Fehlern strotzt. Wenn er ihr dann trotzdem den Doktortitel verleiht, ist es letztendlich seine Schuld und kein Grund, den Titel jetzt abzuerkennen, weil sie ja ehrlich war. Auf solch eine Beweisführung können nur FDP Politiker kommen, weil sie an Schamlosigkeit nicht zu übertreffen sind. Nun soll sie den Betrieb an der Theke durch ihr Geplärre nicht aufhalten, schließlich warten 2 weitere "FDP Doktore", nämlich Frau Mathiopoulos und Herr Chatzimarkakis, darauf, endlich bedient zu werden.
2. Titellos glücklich!
kjartan75 17.06.2011
Schon kurios: Koch-Mehrin argumentiert: Ihr habt meinen Betrug nicht aufgedeckt, also seid ihr Schuld, dass ihr mir einen Doktor-Titel gegeben habt. Da der Betrug nicht entdeckt wurde, habe ich weiterhin Anspruch auf einen Doktortitel. Diese Einstellung ist ein wenig krank. Sollten daher alle Diebe auf freien Fuß kommen, wenn sie nachträglich erst durch Videoaufnahmen als Diebe entdeckt worden sind und nicht durch den Detektiv im Kaufhaus sofort festgesetzt worden sind? Ganz schön verkommene Gedankengänge, die diese Frau da hat. Aber man lernt ja im Politikerleben schon, wie man sich rhetorisch wappnet und dadurch zu (Achtung!) absurdesten Gedankengängen kommt. Dass ihr jegliches Rechtsempfinden aber fehlt, das sollte doch zu denken geben.
3. Die Frontfrau
baloo55 17.06.2011
der FDP kann offenbar noch nicht mal richtig abschreiben. Na ja wie viel Hirnschmalz sie hat, konnte man ja schon mal grob abschätzen als sie sich bei der Frage nach dem Anwachsen der Staatsverschuldung bis auf die Knochen blamierte.
4. Chuzpe
Antje Technau, 17.06.2011
Zitat von sysopDer Vorwurf wiegt schwer: Silvana Koch-Mehrin behauptet, ihre Uni habe die Schwächen ihrer Doktorarbeit schon lange gekannt. Jetzt wehrt sich Dekan Manfred Berg im Interview: Formale und inhaltliche Defizite habe man früh entdeckt, die*Plagiate aber erst jetzt - die Technik war damals nicht so weit. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,768933,00.html
Markus Verbeet sagt: "SPIEGEL ONLINE: Im Vergleich zum Ex-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg hat Koch-Mehrin viel weniger falsch gemacht." Und SPON verlinkt erläuternd dazu: "Aber sie hat nicht ihre Einleitung aus der Zeitung geklaut, sie hat nicht ganze Aufsätze inklusive Überschriften und Fußnoten übernommen." Da muss man vielleicht einmal dazu sagen, dass eine Doktorarbeit nicht erst dann den wissenschaftlichen Standards nicht mehr genügt, wenn man - wie Herr zu Guttenberg - ganze Aufsätze inklusive Überschriften und Fußnoten übernimmt. Eigentlich weiß das schon jeder Schüler, dass auch ein Hausaufsatz, in dem nur Passagen-weise vom Mitschüler abgeschrieben wurde, mit sechs bewertet ist. Und Frau Koch-Mehrin, die "nur" ganze Absätze wortwörtlich aus Standardwerken übernommen hat, ohne den Autor den Vorschriften entsprechend zu zitieren, entspricht viel eher dem "typischen" Fall des abschreibenden Studenten als Herr zu Guttenberg, dessen Gesamtkollage eine einzige, beispiellose Frechheit ist. Daher ist es mehr als berechtigt, Frau Koch-Mehrin den Doktortitel zu entziehen. Und Studenten, die an ihrer Doktorarbeit schreiben damit daran zu erinnern, dass "copy & paste" keine legale Arbeitsmethode ist. Zum Nachlesen der "Schwächen" von Frau Koch-Mehrins Doktorarbeit, die eindeutig Plagiate sind und auch so genannt werden sollten, nochmals der Link zu VroniPlag: http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Skm
5. Schade, dass bei Promotionen keine eidesstattliche Erklärung
wolfgangotto 17.06.2011
über Einhaltung der wissenschaftlichen Standards und des ehrlichen Arbeitens abgegeben werden muss. Gäbe es eine solche, könnte man die Dame jetzt wegen Meineids bis zu drei Jahre einbuchten. Damit hätten alle Frechheiten ihrerseits ein für allemal ein Ende. Und wir müssten uns zukünftig nicht mehr über irgendwelche Lullalalla-Doktorarbeiten aufregen.
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Zur Person
Universität Heidelberg

Manfred Berg, 51, Geschichts-Professor, ist Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg und Vorsitzender des Promotionsausschusses.


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"Getäuscht, geklaut, geheuchelt"

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