Doktor-Rettung: Uni stellt Verfahren gegen Minister Wöller ein

Auffällige Ähnlichkeiten, aber keine Täuschungsabsicht: So das Urteil einer Kommission der TU Dresden zur Doktorarbeit des sächsischen Kultusministers Roland Wöller. Der CDU-Mann stand im Verdacht, aus einer Magister-Arbeit abgeschrieben zu haben - nicht zum ersten Mal.

Roland Wöller: Uni sieht Schummelverdacht ausgeräumt Zur Großansicht
dapd

Roland Wöller: Uni sieht Schummelverdacht ausgeräumt

Sachsens Kultusminister Roland Wöller (CDU) darf seinen Doktortitel weiterhin tragen. Eine Kommission der Technischen Universität Dresden beschloss, das entsprechende Untersuchungsverfahren einzustellen, teilte die Hochschule mit. "Der Vorwurf wissenschaftlichen Fehlverhaltens ist nach Auffassung der Kommission im Ergebnis nicht begründet", hieß es. Wöller stand im Verdacht, aus der unveröffentlichten Magisterarbeit eines Studenten abgeschrieben zu haben.

Die Vorgeschichte: Im Jahr 2002 hatte Wöller seine Dissertation mit dem Titel "Der Forschungsbeirat für Fragen der Wiedervereinigung Deutschlands (1952 bis 1975)" fertiggestellt und wurde promoviert. Mit drei Jahren war es eine ziemlich zügige Promotion, wie die Wochenzeitung "Die Zeit" berichtete.

Im Jahr 2006 dann gab es erste Anschuldigungen: Wöller habe aus einer unveröffentlichten Magisterarbeit abgeschrieben. Die Uni überprüfte die Vorwürfe dann im Jahr 2007 - mit dem Ergebnis: "weder ein Plagiat, noch eine Urheberrechtsverletzung, noch Täuschungsabsicht", wie die TU mitteilte. Allerdings ermahnte der Promotionsausschuss Wöller wegen handwerklicher Mängel, die "bedenklich" seien, und forderte, bei einer Neuauflage die Fehler zu beheben.

Im Juli 2011 gab es erneut Vorwürfe. Eine Untersuchungskommission, geleitet vom Hamburger Jura-Professor Hans-Heinrich Trute, prüfte die Arbeit noch einmal. "Dazu wurde die vorliegende Dissertation nicht nur mit der besagten Magisterarbeit verglichen, sondern auch mit einer Reihe weiterer Arbeiten im thematischen Umfeld", heißt es in der Uni-Mitteilung.

Jetzt liegt ein Abschlussbericht vor, darin heißt es laut Hochschule, dass Textähnlichkeiten oder -übereinstimmungen nur mit der besagten unveröffentlichten Magisterarbeit für den von beiden Arbeiten gemeinsam abgedeckten historischen Zeitraum vorliegen und dass diese sehr differenziert bewertet werden müssen. "Nicht hinsichtlich aller Übereinstimmungen und Ähnlichkeiten lässt sich eine Vereinbarkeit mit wissenschaftlichen Standards bejahen." Mit anderen Worten: Die Ähnlichkeiten zwischen beiden Arbeiten verstoßen in Teilen gegen wissenschaftliche Standards.

Allerdings sah die Kommission keinen Vorsatz und keine grobe Fahrlässigkeit und habe "deshalb den Vorwurf wissenschaftlichen Fehlverhaltens verneint". Ähnlich auffällige Stellen habe es in anderen Teilen der Arbeit nicht gegeben. "Die Kommission hat keinen Zweifel daran, dass W. die Arbeit eigenständig und in eigenständiger Quellenauswertung erstellt hat."

otr/dpa/dapd

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1.
udippel 22.12.2011
Zitat von sysopAuffällige Ähnlichkeiten, aber keine Täuschungsabsicht:*So das Urteil einer Kommission der TU Dresden zur Doktorarbeit des sächsischen Kultusministers Roland Wöller. Der CDU-Mann stand im Verdacht, aus einer Magister-Arbeit abgeschrieben zu haben - nicht zum ersten Mal. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,805209,00.html
Nun stimmt fast nichts mehr. Erstens scheint mir der Titel etwas übertrieben, von seiten des Spiegel. 'Verfahren einstellen' klingt eher nach einem überfall auf die Stadtsparkasse Cottbus. Dabei handelt es sich lediglich um eine Doktorarbeit. Zweitens untersucht - Entschuldigung: 'untersucht' - die TU Dresden einen Vorwurf gegen ihren eigenen Dienstherren, den Kultusminister. Es braucht nur ein Minimum an Rechtsbewusstsein, um klar festzustellen, dass da was schief ist. Und zwar ganz schief. Drittens ist es ein Eigentor für den Wissenschaftsstandort Deutschland, dass eine Universität offiziell bestätigt, dass bei ihr Promotionen auch dann erhältlich sind, wenn sie gegen wissenschaftliche Standards verstoßen.
2. auweia
genugistgenug 22.12.2011
Zitat von sysopAuffällige Ähnlichkeiten, aber keine Täuschungsabsicht:*So das Urteil einer Kommission der TU Dresden zur Doktorarbeit des sächsischen Kultusministers Roland Wöller. Der CDU-Mann stand im Verdacht, aus einer Magister-Arbeit abgeschrieben zu haben - nicht zum ersten Mal. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,805209,00.html
wieso ist das Ergebnis nicht überraschend, wenn der Kultusminister von der untergeordneten Uni begutachtet wird? Wieso hat die Uni das nicht extern prüfen lassen? Die Kommission kommt zu dem Ergebnis..... wer saß in dieser Kommission, wer braucht Forschungsgelder, eine Festanstellung, usw....... Es stellt sich nun aber die Frage, weil der Doktortitel nun so inflationär vergeben wurde, ob die ehemaligen Doktores ihre Titel wieder zurückbekommen, die ihn wegen einer fehlenden Quellenangabe aberkannt bekamen?
3. Unveröffentlichte Magisterarbeit
muehle79 22.12.2011
Was ist eigentlich aus dem Studenten geworden, dessen unveröffentlichte Magisterarbeit hier gefleddert wurde? Weswegen war die Arbeit unveröffentlicht? Ist sie jetzt angenommen und dem Studenten der Abschlußgrad zuerkannt worden? Offensichtlich war der Inhalt ja doch tauglich und gar für höhere Weihen geeignet. Oder muss der Student seine Arbeit jetzt überarbeiten und entsprechende Passagen gar als Übernahme aus der Doktorarbeit des Herrn Ministers kennzeichnen, bevor er eine gute Note und sein Abschlusszeugnis erhält?
4. Es gibt nur eine saubere Lösung!
TS_Alien 22.12.2011
Man sollte ab sofort auf Promotionen bzw. Dissertationen in gewissen Fächern ganz verzichten. Im Vergleich zu anderen Fächern sind solche Pseudo-Dissertationen mit einem geringen bis gar keinen wissenschaftlichen Gehalt nur noch als lächerlich zu bezeichnen. Allein die Themen solcher Pseudo-Dissertationen sagen schon fast alles aus. Und der wissenschaftliche "Einfluss" solcher Dissertationen geht gegen Null. Genauso wie die Anzahl der Fachveröffentlichungen aus solchen Machwerken. Alternativ können sich die harten Fächer auch einen anderen akademischen Grad zulegen, um sich von diesen Pseudo-Doktoren abgrenzen zu können. Viel zu oft wird nämlich der Zusatz zum Doktorgrad, der in gewisser Weise diese Rolle spielen könnte, von den Pseudo-Doktoren "vergessen" oder verschwiegen.
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