Verlorene Doktor-Ehre: Koch-Mehrin scheitert vor Gericht

Silvana Koch-Mehrin (FDP): Nächster Halt, Mannheimer Verwaltungsgerichtshof? Zur Großansicht
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Silvana Koch-Mehrin (FDP): Nächster Halt, Mannheimer Verwaltungsgerichtshof?

Das Verwaltungsgericht Karlsruhe hat die Klage von Silvana Koch-Mehrin (FDP) gegen ihren Titelentzug abgewiesen. Die Europaabgeordnete kann nun vor dem Verwaltungsgerichtshof Berufung einlegen. Ihr Anwalt bleibt dabei, das Verfahren der Uni sei rechtswidrig gewesen.

Das ging schneller als erwartet: Das baden-württembergische Verwaltungsgericht Karlsruhe hat die Klage der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin gegen die Aberkennung ihres Doktorgrades abgewiesen. Das teilte das Gericht am Mittwoch mit. Eine ausführliche Begründung will das Gericht in den kommenden Wochen vorlegen (Aktenzeichen: 7 K 3335/11).

Koch-Mehrin kann nun beim Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim Berufung einlegen. Darüber wolle seine Mandantin aber erst entscheiden, wenn das Urteil vorliegt, sagte ihr Anwalt Christian Birnbaum. Für den Juristen ist nach wie vor "evident, dass das Verfahren der Universität Heidelberg rechtswidrig war", sagte er SPIEGEL ONLINE. Birnbaum verwies erneut darauf, der Promotionsausschuss hätte nicht vom erweiterten Fakultätsrat gewählt werden dürfen.

Der Promotionsausschuss der philosophischen Fakultät der Uni Heidelberg hatte Koch-Mehrin im Sommer 2011 den Doktorgrad entzogen, weil ihre Arbeit "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik" aus dem Jahr 2000 "in substantiellen Teilen" aus Plagiaten bestehe. Einen ersten Widerspruch gegen die Entziehung hatte die Universität zurückgewiesen, worauf die Politikerin vor Gericht zog.

In der mündlichen Verhandlung hatte die Vorsitzende Richterin des Karlsruher Verwaltungsgerichts zuletzt am Montag Zweifel an der Klagebegründung Koch-Mehrins geäußert: Der Verweis auf Verfahrensfehler bei der Aberkennung des Doktortitels könne wenig Aufschluss über die Qualität der Arbeit bringen. In Verwaltungsgerichtsverfahren geht es darum, ob der Verwaltungsakt der Aberkennung an der Universität korrekt verlaufen ist. Die Arbeit selbst ist nicht relevant für diese Entscheidung.

cht/dpa

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insgesamt 57 Beiträge
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1. Warum nur ...
Gerdd 06.03.2013
... tut sich die Frau das an? Ob das Entzugsverfahren formal korrekt abgelaufen ist, ist in letzter Konsequenz nicht annähernd so relevant wie die Frage, ob die Arbeit als Plagiat abzulehnen war. Und noch ist es niemandem gelungen, die Beweiskraft der Internet-gestützten Recherchen zu negieren. Das führt jetzt nur noch zu der büttenredenfähigen Situation, daß ein zu Unrecht erschlichener akademischer Titel womöglich auch zu Unrecht entzogen wurde. Ebensowenig, wie die Zweitehe eines Bigamisten geschieden werden kann, weil sie nie rechtskräftig zustande kam, kann man über einen Doktortitel diskutieren, für den es nie eine Grundlage gegeben hat. Hoffentlich hat Frau Koch-Merin ihre Arbeit nur einseitig ausdrucken lassen. Dann kann sie wenigstens die Rückseite noch als Schmierpapier vewenden ...
2. Oh, keine Sorge. Die zieht bis vor den EGMR
hman2 06.03.2013
Und solange kann sie jedem sagen, die Sache wäre ja noch nicht entschieden... SKM ist es gewohnt, von Richtern ihre Meinung bestätigt zu bekommen. Bekanntlich hat die Verwaltung des Europaparlaments sie als diejenige Abgeordnete in der Statistik geführt, die die geringste Anwesenheitsquote hatte. Dagegen hat sie geklagt. Sie meinte, ihre *Ab*wesenheit während ihrer Babypause hätte "selbstverständlich" als *An*wesenheit gelistet werden müssen. Und tatsächlich konnte sie mit Hilfe der Richter die Verwaltung zu genau dieser Statistikfälschung zwingen... "Leistung muss sich wieder lohnen". Oder "löhnen".
3. Was verspricht sie sich davon?
jetzt:hördochauf 06.03.2013
Einen Titel vor dem Verwaltungsgericht wegen eines Formfehlers zu verteidigen - das mag auf dem Weg durch die Instanzen die Buchstaben 'Dr.' im Pass halten - aber mal ehrlich - sie ist doch bekannt wie der bunte Hund: Wen soll der 'Dr.' so noch beeindrucken?
4. Mich würde mal interessieren, welche
na,na,na 06.03.2013
Vorteile ein solcher Doktortitel eigentlich bringt. Wenn man schaut über welchen Schwachsinn Doktorarbeiten erstellt werden, glaube ich das Ganze ist ganz schön Schizophren.
5. Anspruch einer Doktorarbeit?
motul 06.03.2013
Als Akademiker habe ich den Anspruch an einer Doktorarbeit immer darin gesehen, dass dort Neues und Unerforschtes untersucht und dargestellt wird. Schon alleine die Diskussion um Plagiate/Kopien ist irreführend - auch wenn "Kopien" als solche gekennzeichnet sind und somit die Arbeit "formal" richtig ist, sollte es im folgenden Sinne bewertet werden: wie viel "Gerhirnschmalz und Eigenaktivität" liegt in der Arbeit? - Kopie ist eben Kopie und nicht eigene Leistung - gibt es eine "Grenze" wie viel in einer Doktorarbeit an "kopierten Schriftinhalten" enthalten sein darf? Und das Festhalten an Titeln in der Politik ist einfach nur schade und zeigt, wohin die Gesellschaft (und Geschäftswelt) hindriftet -> was auf einem Papier (Titel) steht, bewerten den Menschen - Führungskraft wird man in vielen Unternehmen nur mit den richtigen Titeln... mir konnte aber leider noch kein "Doktor" erklären, wo er Führungsarbeit gelernt hat... außer dass er am Institut "ein paar Assis" für seine Doktorarbeit gescheucht hat... -> das Verhalten des Menschen zeigt seine wahre Größe - und nicht ein Titel! Und das Verhalten der Politiker, welche um ihre Titel kämpfen, und nicht einfach als Mensch zugeben können Fehler begangen zu haben ist einfach nur peinlich.... Aber was soll ein "Normalbürger" denn denken, was der Maßstag oder ein Vorbild sein könnte? Die Eliten (Politiker, Manager, ...) zeigen uns doch täglich auf, dass gerade sie keine Vorbilder sind!!!
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