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Doktoraffäre: Plagiatsopfer stellt Strafantrag gegen Guttenberg

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Juristisch wird es eng für Karl-Theodor zu Guttenberg: Erstmals will ein Opfer der Plagiatsaffäre nach Informationen von SPIEGEL ONLINE jetzt direkt gegen den Ex-Minister vorgehen. Ein Strafverfahren wäre somit wahrscheinlicher.

Ex-Minister in Bedrängnis: Erstes Abschreibeopfer geht gegen Guttenberg juristisch vor Zur Großansicht
REUTERS

Ex-Minister in Bedrängnis: Erstes Abschreibeopfer geht gegen Guttenberg juristisch vor

Hamburg - Rund 100 Strafanzeigen liegen der Staatsanwaltschaft in Hof bereits vor, trotzdem war bisher offen, ob gegen Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ein Strafverfahren eröffnet wird. Der Grund: Keine Anzeige stammte von einem Autoren, von dem Guttenberg abgeschrieben hatte. Für eine Strafverfolgung wäre deshalb ein öffentliches Interesse nötig gewesen - und diese Frage war bisher umstritten.

Doch das könnte sich alles ändern: Denn ein Plagiatsopfer des Ex-Ministers will nun einen Strafantrag wegen Urheberrechtsverletzung bei der Staatsanwaltschaft Hof stellen. Das bestätigte der Autor, der anonym bleiben möchte, SPIEGEL ONLINE. Dabei handelt es sich um einen der Betroffenen, von denen Guttenberg in seiner Doktorarbeit abgeschrieben hatte, ohne die Stellen als Zitat zu kennzeichnen.

Andere Autoren, bei denen sich Guttenberg großzügig bedient hatte, wollen dagegen von juristischen Schritten wegen Urheberrechtsverletzung absehen. Einer von ihnen ist Günter Burghardt, ehemaliger Botschafter der Europäischen Kommission in den USA. Auch er war in Guttenbergs Arbeit unzureichend zitiert worden. Für ihn handle es sich aber um eine "persönliche Angelegenheit zwischen Guttenberg und mir", sagte der Ex-Diplomat SPIEGEL ONLINE. Ein Strafantrag komme für ihn daher nicht in Frage, zumal sich der CSU-Politiker schriftlich und in einem persönlichen Brief bei ihm entschuldigt habe.

Gnädig bei Guttenberg, hart bei den eigenen Studenten

Ähnlich wie Burghart liegt der Fall für Roland Vaubel, Professor für Volkswirtschaftslehre und Politische Ökonomie an der Uni Mannheim. Bei ihm hatte Guttenberg aus einem Artikel für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" aus dem Jahr 2003 einen Absatz abgeschrieben, aber nur einen einzelnen Satz als Zitat kenntlich gemacht. Vaubel sagte, er werde "auf keinen Fall" Strafantrag stellen. Vielmehr fühle er sich "geehrt", dass der Ex-Minister ihn zitiert habe, "wenn auch nicht ausreichend". Guttenberg habe sich eine Woche nach seinem Rücktritt in einem persönlichen Brief an ihn gewandt und sich entschuldigt, weil er "unredlich abgeschrieben" habe.

Insgesamt drei geschädigte Autoren bestätigten SPIEGEL ONLINE, sie hätten eine Woche nach seinem Rücktritt eine rund eine halbe Seite lange Entschuldigung mit der handschriftlichen Unterschrift Guttenbergs erhalten.

Vaubel sagte weiter, Guttenberg habe ihn mit einer Fußnote erwähnt, allerdings nur einen Satz in Anführungszeichen gesetzt, obwohl er einen ganzen Absatz verwendet habe. Für ihn sei das "kein klassisches Plagiat". Bei seinen eigenen Studenten ist Vaubel nach eigener Aussagen allerdings weniger nachgiebig. Wer so zitiere, wie das Guttenberg mit seinem Text gemacht habe, "der bekommt in einer Diplom- oder Bachelorarbeit eine fünf und ist durchgefallen". Guttenberg sei durch den Verlust seiner Ämter und die öffentliche Debatte allerdings "hinreichend gestraft", sagte Vaubel SPIEGEL ONLINE.

Der Liechtensteiner Politikwissenschaftler Wilfried Marxer sagte SPIEGEL ONLINE, er beobachte die Diskussion "amüsiert und aus der Ferne". Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus sei der Fall allerdings "gar nicht lustig und muss untersucht werden". Bei Marxer hatte sich Guttenberg aus einem verschriftlichten wissenschaftlichen Vortrag zur direkten Demokratie in Liechtenstein bedient. Marxer sagt, er verstehe zwar das öffentliche Interesse an dem Fall, einen Strafantrag werde er aber nicht stellen.

Uni klagt über Druck von Guttenbergs Juristen

Derzeit versuchen die Anwälte Guttenbergs auf juristischem Weg zu verhindern, dass die Uni Bayreuth ihr Abschlussgutachten zu seiner kopierten Doktorarbeit öffentlich macht. Die Untersuchung durch eine fünfköpfige Wissenschaftskommission soll die Frage klären, ob der Minister lediglich schlampig gearbeitet oder bewusst und systematisch bei anderen Autoren abgeschrieben hat. Die Uni beklagte am Wochenende, sie werde von Guttenbergs Juristen unter Druck gesetzt.

In einem Beitrag für die "Frankfurter Rundschau" hatte die Schweizer Journalistin Klara Obermüller am Montag scharfe Kritik am juristischen Vorgehen der Guttenberg-Anwälte gegen die Uni Bayreuth geäußert. "Was Guttenberg macht, ist grotesk", sagte die Journalistin. Er habe ein sehr eigenartiges Krisenmanagement und mache einfach alles falsch. Verklagen wolle sie Guttenberg derzeit zwar nicht. "Aber ich bin absolut der Meinung, dass er die Universität den Bericht veröffentlichen lassen muss."

Guttenbergs Versuch, die Veröffentlichung zu verhindern sei "sehr undemokratisch". In seiner Doktorarbeit hatte Guttenberg unter anderem auch einen halben Leitartikel von Obermüller über insgesamt 86 Zeilen lang abgeschrieben, ohne Obermüllers Text aus der "Neuen Zürcher Zeitung" als Quelle zu nennen.

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1. aus isses
Gebetsmühle 12.04.2011
Zitat von sysopJuristisch wird es eng für Karl-Theodor zu Guttenberg: Erstmals will ein direkt Geschädigter Strafanzeige gegen den Ex-Minister stellen - es ist einer der Autoren, von denen Guttenberg abgeschrieben hat.*Auf SPIEGEL ONLINE kündigt der Mann an, die Urheberrechtsverletzung zur Anzeige zu bringen. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,756615,00.html
das wars dann wohl. da kommt er dann sowieso nicht mehr raus. er hätte es nicht auf die spitze treiben sollen. seine politische karriere ist damit ein für alle mal hinüber.
2. Nie mehr einen Titel...
Hans58 12.04.2011
Zitat von sysopJuristisch wird es eng für Karl-Theodor zu Guttenberg: Erstmals will ein direkt Geschädigter Strafanzeige gegen den Ex-Minister stellen - es ist einer der Autoren, von denen Guttenberg abgeschrieben hat.*Auf SPIEGEL ONLINE kündigt der Mann an, die Urheberrechtsverletzung zur Anzeige zu bringen. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,756615,00.html
Ich hoffe nicht, dass der Geschädigte so wenig juristisch geschult ist wie der Verfasser des Artikels. Wenn, dann stellt der Geschädigte keine Anzeige, sondern einen (Straf-)Antrag. Dafür sollte er sich eines Juristen bedienen... Wir werden in den nächsten Tagen sehen, ob es nicht auch wieder nur ein lauer Wind war...
3. Plagiat ist Plagiat
yanasa 12.04.2011
Es verwundert mich, daß so schnell ein Entschuldigungsschreiben mit 'eigenhändiger' Unterschrift (ist eine Unterschrift nicht immer eigenhändig???) an die tatsächlichen Verfasser der Guttenberg'schen Doktorarbeit verschickt wurden. Da wusste doch jemand, daß diese Arbeit NICHT von ihm verfasst wurde. Hätte jemand anderes (ich zum Beispiel) wahllos abgeschrieben und wäre in diesem großen Stil erwischt worden, ich hätte von so gut wie allen Verfassern wohl eine Klage bekommen - nur um ein Exempel zu statuieren. Ganz ehrlich, für mich riecht das nach Vetternwirtschaft - oder Burschenwirtschaft - und ein paar dicken Wanderscheinchen, die dem Schreiben beigelegt waren.
4. Alles halb so schlimm, Gutti
drkloebner 12.04.2011
Zitat von sysopJuristisch wird es eng für Karl-Theodor zu Guttenberg: Erstmals will ein direkt Geschädigter Strafanzeige gegen den Ex-Minister stellen - es ist einer der Autoren, von denen Guttenberg abgeschrieben hat.*Auf SPIEGEL ONLINE kündigt der Mann an, die Urheberrechtsverletzung zur Anzeige zu bringen. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,756615,00.html
Das ist wohl eher eine Schlappe für einige vorauseilend gehorsame Staatsanwälte. Aber selbst wenn sich eine Anklage nicht verhindern lässt: Gutti hat sicher genügend Connections im Milieu, um sich a la Wiesheu aus dem schlimmsten rauszumogeln. Und der hat immerhin im Suff einen Polen totgefahren und wurde anschliessend bayerischer Verkehrsminister.
5.
friedrich_eckard 12.04.2011
Der Anzeigenerstatter - er sei bedankt! - will anonym bleiben, und er hat wohl die denkbar besten Gründe dazu. Offenbar weiss er, welche Erfahrungen Prof. Fischer-Lescano, der den Stein ins Rollen gebracht hat, mit der Gefolgschaft des Plagiators gemacht hat http://www.tagesspiegel.de/meinung/ich-war-zunaechst-sprachlos/3872252.html oder auch http://www.facebook.com/pages/Ein-dank-an-den-Bremer-Staatsrechts-Professor-Andreas-Fischer-Lescano/192919714063933 , und er will sich dergleichen nicht auch aussetzen. Man kann es verstehen. Übrigens muss man sich, wenn man sich ein Urteil über den Plagiator bilden will, nur anschauen, was er für Anhänger hat, und mit was für Methoden das arbeitet.
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Wer hat dran herumgedoktert?
Plagiatjäger entlarvten Guttenberg als Copy-and-Paste-Akademiker. Seine Politikerkollegen promovierten über "Infektionen durch Entspannungsbäder" oder das "mittelniederländische Plenarium Ms. germ. 1612". Wer's war, erfahren Sie hier und werden so Quiz-Doktor im Doktor-Quiz!
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