Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Doktorarbeit unter Verdacht: Althusmann soll sich vor Uni-Kommission erklären

Eine Kommission der Universität Potsdam hat begonnen, die Doktorarbeit des niedersächsischen Kultusministers Althusmann zu überprüfen - bislang ohne Ergebnis. Erst soll der CDU-Mann die Chance haben, sich zu erklären. Ebenso wie die Professoren, die seine Arbeit betreut haben.

Dr. Bernd Althusmann (CDU): Die Uni Potsdam prüft die Promotionsschrift des Ministers Zur Großansicht
dapd

Dr. Bernd Althusmann (CDU): Die Uni Potsdam prüft die Promotionsschrift des Ministers

Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann, derzeit auch Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), soll seine umstrittene Doktorarbeit persönlich verteidigen. Darauf einigte sich die Kommission zur Untersuchung wissenschaftlichen Fehlverhaltens an der Uni Potsdam, die die Arbeit auf Plagiate überprüft. Dem CDU-Mann wolle man die Möglichkeit zur Stellungnahme einräumen, teilte die Uni mit.

Auch die Betreuer der Arbeit und externe Plagiats-Experten sollen gehört werden. Im September werde man sich erneut zusammensetzen. Es geht um die Frage, ob und in welchem Ausmaß Althusmann gegen die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens verstoßen hat. Am Ende des Verfahrens könnte er seinen Doktortitel verlieren. Das nächste Mal werde man sich im September zusammensetzen.

Bei einer ersten Untersuchung war bereits der zuständige Dekan zu dem Schluss gekommen, "dass die Verdachtsmomente nicht hinreichend ausgeräumt werden konnten". Er entschied daher, die Dissertation mit dem Titel "Prozessorganisation und Prozesskooperation in der öffentlichen Verwaltung" von der Kommission genauer überprüfen zu lassen. Der Kommission sitzt der Jura-Professor Tobias Lettl vor.

In einer ersten Stellungnahme hatte Althusmann damals darauf gelassen reagiert. Eine neue Sachlage sei nicht eingetreten, er weise "jede Unterstellung der Täuschung nach wie vor entschieden zurück".

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe, die zuerst die Wochenzeitung "Die Zeit" veröffentlichte, räumte Althusmann "handwerkliche Fehler" ein. Eine erste Untersuchung hatte ergeben, dass auf 88 von 114 untersuchten Seiten Übernahmen von anderen Autoren nicht eindeutig gekennzeichnet waren, insgesamt hat die Arbeit 290 Seiten. Sogar aus Texten seines eigenen Doktorvaters hatte der Minister falsch zitiert.

otr/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Dass "unsere" Politiker nichts von ihrem Handwerk verstehen ist nicht neu.
pudel_ohne_mütze 26.08.2011
Zitat von sysopEine Kommission der Universität Potsdam hat begonnen, die Doktorarbeit des niedersächsischen Kultusministers Althusmann zu überprüfen - bislang ohne Ergebnis.*Erst soll der CDU-Mann die Chance haben, sich zu erklären. Ebenso wie die Professoren, die seine Arbeit betreut haben. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,782729,00.html
Daher dann auch "handwerkliche Fehler". Gutti Gutti lässt schön grüssen.
2. Facharbeiten an Niedersächsischen Gymnasien
Friedrich Hattendorf 26.08.2011
In Niedersachsen werden ( siehe Wikipedia) im sogenannten Seminarfach Facharbeiten geschrieben. Die Vorschriften dazu werden - vermute ich - Sanktionen bei inkorrektem Zitieren vorsehen. Als Lehrer hätte ich da so einige Argumentationsprobleme, wenn meine Schüler sich auf den Kultusminister beriefen ...
3. -
propagandhi 27.08.2011
Zitat von Friedrich HattendorfIn Niedersachsen werden ( siehe Wikipedia) im sogenannten Seminarfach Facharbeiten geschrieben. Die Vorschriften dazu werden - vermute ich - Sanktionen bei inkorrektem Zitieren vorsehen. Als Lehrer hätte ich da so einige Argumentationsprobleme, wenn meine Schüler sich auf den Kultusminister beriefen ...
Es ist höchste Zeit, und mir eine tiefe Genugtuung, dass das billige Promotionsgeschäft in Deutschland, das nicht weniger als der Ausverkauf akademischer Prinzipien zugunsten einer eitlen, aber reichen Ober- bis Mittelschicht ist, so lang und breit in die Öffentlichkeit gezogen wird. Hier hat man die tatsächliche Neiddebatte: Dumme Emporkömmler mit Geld in der Tasche (normalerweise nicht selbstverdient), die um ihre Ignoranz und Primitivität wissen, und deshalb nach einem akademischen Titel gieren, um sich auch (hochsichtbar!) nicht nur finanziel, sondern auch intellektuell vom Pöbel absetzen zu können. Der Dumme, aber Reiche neidet dem Intelligenten nicht die Intelligenz, sondern deren Insignien. In Deutschland bekommen Dumme, Faule und Kriminelle akademische Titel hinterhergeworfen, während gleichzeitig den wirklich Begabten der Zugang zu den Hochschulen erschwert wird. Es zeigt sich immer mehr, das 'Leistung' und 'Exzellenz' der angeblichen 'Leistungsträger' und 'Entscheider' dieser Gesellschaft nur hohle Phrasen auf wertlosem Papier sind. 'Mittelmässigkeit' ist die neue Exzellenz. Traurig. Und pervers.
4. Titelhuberei
akolyth2 27.08.2011
Zitat von propagandhiEs ist höchste Zeit, und mir eine tiefe Genugtuung, dass das billige Promotionsgeschäft in Deutschland, das nicht weniger als der Ausverkauf akademischer Prinzipien zugunsten einer eitlen, aber reichen Ober- bis Mittelschicht ist, so lang und breit in die Öffentlichkeit gezogen wird. Hier hat man die tatsächliche Neiddebatte: Dumme Emporkömmler mit Geld in der Tasche (normalerweise nicht selbstverdient), die um ihre Ignoranz und Primitivität wissen, und deshalb nach einem akademischen Titel gieren, um sich auch (hochsichtbar!) nicht nur finanziel, sondern auch intellektuell vom Pöbel absetzen zu können. Der Dumme, aber Reiche neidet dem Intelligenten nicht die Intelligenz, sondern deren Insignien. In Deutschland bekommen Dumme, Faule und Kriminelle akademische Titel hinterhergeworfen, während gleichzeitig den wirklich Begabten der Zugang zu den Hochschulen erschwert wird. Es zeigt sich immer mehr, das 'Leistung' und 'Exzellenz' der angeblichen 'Leistungsträger' und 'Entscheider' dieser Gesellschaft nur hohle Phrasen auf wertlosem Papier sind. 'Mittelmässigkeit' ist die neue Exzellenz. Traurig. Und pervers.
Wenn man 'mal von einigen Spitzen Ihrer Darstellung absieht, so haben Sie doch im Kern Recht! Schauen wir uns als Paradebeispiel noch einmal Koch-Mehrin an. Sie sieht in Ihrer Doktor-Arbeit eben nicht eine wissenschaftliche Arbeit, sondern eine reine Formalität, um einen Titel zu erhalten, den sie selbstverständlich verdient hat! Und zwar nicht aufgrund von harter Arbeit und guter Leistung sondern eher in Form Ihres Geburtsrechts. Abgesehen von persönlicher Borniertheit oder Neid geht dieses Krebsgeschwür tiefer. Es schadet nämlich der Wissenschaft und somit der gesamten Gesellschaft. Daher unterstütze ich auch Forderungen, daß der Dr.-Titel nicht weiter im Pers'Ausweis angegeben wird. Hier bitte ich um Beachtung, daß der Dr.-Titel nur im Pers'Ausweis erwähnt wird, er ist aber * kein Namensbestandteil ! * Eine solche Ausnahme gilt nur für Adelstitel. Und der wesentliche Unterschied ist auch, daß der Adelstitel vererbt werden kann, während der "Doktorgrad" (vgl.) nur in den Ausweis der Person auf Antrag eingefügt wird, wenn der Antragsteller über eine * durch eine Universität verliehene * Promotion verfügt. Letzteres ist ja nun auch bei SKM zurückgezogen worden. Insgesamt aber denke ich, die Gesellschaft fährt besser, wenn §5(2) des Ausweisgesetzes insofern abgeändert wird, daß der Doktorgrad nicht weiter im Pers'Ausweis erwähnt wird. Dann haben bornierte Selbstdarsteller und Betrüger wie SKM weniger Gelegenheit, ihren sinistren Machenschaften nachzugehen und wissenschaftler konzentrieren sich auf ihre Arbeit und nicht auf ihre Titel.
5. Vorbild Althusman
Bissmarckhering 28.08.2011
Zitat von pudel_ohne_mützeDaher dann auch "handwerkliche Fehler". Gutti Gutti lässt schön grüssen.
Auch, wenn die Wiederholung schon schmerzt: Studiker ab dem 1. Semster bekommen eingebläut, wie man in Haus- oder Seminararbeiten korrekt zitiert. Wer's nicht tut, muss wegen "handwerklicher Fehler" wiederholen. Das will der oberschlaue Dr. KMK Althusmann nicht gewusst haben? Dann gehört er für diese faule Ausrede schon entdoktorfiziert. Es kann mir auch niemand die Frage beantworten, ob sich die "handwerklichen Fehler" nun auf das Klauen oder das Erwischtwerden beziehen. In der Neuen Presse Hannover wurde unlängst in einem Leserbrief die Frage gestellt, ob denn zukünftig erwischte Ladendiebe sich jetzt exkulpieren und das Geklaute behalten dürfen, weil sie wegen "handwerklicher Fehler" beim Klauen erwischt wurden. Dem ist nichts hinzuzufügen. Merke: Wer besonders gut klaut, bleibt gesellschaftsfähig, weil er nach Aufdeckung argumentieren kann: a) Ich habe doch nicht gegen die Regeln verstoßen. b) Keiner hat's gemerkt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Wer hat dran herumgedoktert?
Plagiatjäger entlarvten Guttenberg als Copy-and-Paste-Akademiker. Seine Politikerkollegen promovierten über "Infektionen durch Entspannungsbäder" oder das "mittelniederländische Plenarium Ms. germ. 1612". Wer's war, erfahren Sie hier und werden so Quiz-Doktor im Doktor-Quiz!

Fotostrecke
Zwielichtige Promotionen: Von Guttenberg bis Schavan