Die Universität Heidelberg prüft weiter die Plagiatsvorwürfe gegen die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin - auch nach ihrem Rücktritt von ihren politischen Führungsämtern bei den Liberalen. Für den Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg sei dieser Schritt "ohne jegliche Bedeutung", heißt es in einer Erklärung der Uni.
Das laufende Prüfverfahren folge allein und ausschließlich wissenschaftlichen Kriterien, erklärte der Vorsitzende des Promotionsausschusses und Dekan der Fakultät, Manfred Berg. Das Ansehen der Person und ihre gesellschaftliche oder politische Rolle habe zu keiner Zeit eine Rolle gespielt.
Die 40-jährige Koch-Mehrin hatte wegen einer Plagiatsaffäre am Mittwochabend mit sofortiger Wirkung ihre Posten als Vorsitzende der FDP im Europaparlament und Vizepräsidentin des Europaparlaments niedergelegt. Nach Angaben ihres Sprechers Georg Streiter will sie aber Abgeordnete in Brüssel und Straßburg bleiben. Der rheinland-pfälzische EU-Parlamentarier Werner Langen (CDU) hatte seiner Parlamentskollegin geraten, sie solle "auch ihr Abgeordneten-Mandat zur Disposition stellen", wenn ihr der Titel von der Uni Heidelberg aberkannt werde. Zuvor hatte der Berliner "Tagesspiegel" berichtet, dass die Uni Heidelberg ihr den Doktortitel aberkennen will. Der Grund dafür seien mehrere festgestellte Plagiate.
Vor Ende Mai wird die Uni Heidelberg nicht entscheiden
Das Verfahren ist allerdings noch nicht abgeschlossen und bis zum Schluss ergebnisoffen, so betont es die Uni. Die Promotionsordnung sehe zunächst die Möglichkeit einer Stellungnahme von Koch-Mehrin vor, teilte die Uni am Dienstag mit. Erst danach würden die Plagiatsvorwürfe bewertet. Vor Ende Mai werde es keine Entscheidung geben.
Die FDP-Politikerin hatte 1999 eine wirtschaftshistorische Dissertation in Heidelberg eingereicht und 2001 veröffentlicht. In ihrer Arbeit "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik" ging es um die lateinische Münzunion.
Einer Untersuchung der Internet-Plattform "VroniPlag Wiki" zufolge hat Koch-Mehrin gezielt abgeschrieben. "Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden auf 56 von 201 Textseiten Plagiatstellen nachgewiesen. Dokumentiert sind Textübernahmen aus insgesamt 15 verschiedenen Quellen", heißt es in dem Bericht. Auf der Plattform arbeiten anonyme Aktivisten zusammen, um unter anderem Koch-Mehrins Arbeit zu überprüfen. Auch die Doktorarbeiten von Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und der Stoiber-Tochter Veronica Saß wurden von anonymen Helfen im Netz untersucht. Beiden wurde inzwischen ihr Doktortitel aberkannt.
fln/dpa
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