Doktorpfusch-Verdacht: Uni prüft Koch-Mehrins Dissertation trotz Rücktritt

Silvana Koch-Mehrin tritt von ihren Ämtern zurück, die Uni Heidelberg beeindruckt das aber nicht: Der Rücktritt habe für den Promotionsausschuss keine Bedeutung, teilt die Uni mit. Die Prüfung folge allein wissenschaftlichen Kriterien - und wird fortgesetzt.  

Silvana Koch-Mehrin: Die Uni Heidelberg prüft derzeit die Doktorarbeit der FDP-Politikerin Zur Großansicht
dapd

Silvana Koch-Mehrin: Die Uni Heidelberg prüft derzeit die Doktorarbeit der FDP-Politikerin

Die Universität Heidelberg prüft weiter die Plagiatsvorwürfe gegen die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin - auch nach ihrem Rücktritt von ihren politischen Führungsämtern bei den Liberalen. Für den Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg sei dieser Schritt "ohne jegliche Bedeutung", heißt es in einer Erklärung der Uni.

Das laufende Prüfverfahren folge allein und ausschließlich wissenschaftlichen Kriterien, erklärte der Vorsitzende des Promotionsausschusses und Dekan der Fakultät, Manfred Berg. Das Ansehen der Person und ihre gesellschaftliche oder politische Rolle habe zu keiner Zeit eine Rolle gespielt.

Die 40-jährige Koch-Mehrin hatte wegen einer Plagiatsaffäre am Mittwochabend mit sofortiger Wirkung ihre Posten als Vorsitzende der FDP im Europaparlament und Vizepräsidentin des Europaparlaments niedergelegt. Nach Angaben ihres Sprechers Georg Streiter will sie aber Abgeordnete in Brüssel und Straßburg bleiben. Der rheinland-pfälzische EU-Parlamentarier Werner Langen (CDU) hatte seiner Parlamentskollegin geraten, sie solle "auch ihr Abgeordneten-Mandat zur Disposition stellen", wenn ihr der Titel von der Uni Heidelberg aberkannt werde. Zuvor hatte der Berliner "Tagesspiegel" berichtet, dass die Uni Heidelberg ihr den Doktortitel aberkennen will. Der Grund dafür seien mehrere festgestellte Plagiate.

Vor Ende Mai wird die Uni Heidelberg nicht entscheiden

Das Verfahren ist allerdings noch nicht abgeschlossen und bis zum Schluss ergebnisoffen, so betont es die Uni. Die Promotionsordnung sehe zunächst die Möglichkeit einer Stellungnahme von Koch-Mehrin vor, teilte die Uni am Dienstag mit. Erst danach würden die Plagiatsvorwürfe bewertet. Vor Ende Mai werde es keine Entscheidung geben.

Die FDP-Politikerin hatte 1999 eine wirtschaftshistorische Dissertation in Heidelberg eingereicht und 2001 veröffentlicht. In ihrer Arbeit "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik" ging es um die lateinische Münzunion.

Einer Untersuchung der Internet-Plattform "VroniPlag Wiki" zufolge hat Koch-Mehrin gezielt abgeschrieben. "Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden auf 56 von 201 Textseiten Plagiatstellen nachgewiesen. Dokumentiert sind Textübernahmen aus insgesamt 15 verschiedenen Quellen", heißt es in dem Bericht. Auf der Plattform arbeiten anonyme Aktivisten zusammen, um unter anderem Koch-Mehrins Arbeit zu überprüfen. Auch die Doktorarbeiten von Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und der Stoiber-Tochter Veronica Saß wurden von anonymen Helfen im Netz untersucht. Beiden wurde inzwischen ihr Doktortitel aberkannt.

fln/dpa

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1. Bedeutungslos
Rainer Daeschler 12.05.2011
Ob Silvana Koch-Mehrin stellvertretende Parlamentspräsidentin. ist, oder Kassiererin bei Aldi mit ihren Doktortitel, interessiert die Universität Heidelberg nicht, nur ob sie ihn führen darf, oder nicht. In sofern ist diese Meldung selber schon bedeutungslos.
2. Wie viele Fälle noch....
kumaeschli 12.05.2011
Und wie läuft die Sache mit Herr Rösler? Nachlesen in "klein-klein-verlag.de". Alles klar?
3. Stopt die Pressen ...
Micromac 12.05.2011
der Himmel ist blau. Also die Meldung finde ich auch wichtig. Abgesehen davon hat Sie ja klar gesagt, dass es Ihr umd Ihre Familie geht. Was soll also der Nonsens der UNI ? Da hat sich mal wieder jemand wichtig gemacht.
4. Summa cum und um die Euronen herum...
danubius 12.05.2011
Ihr Rücktritt hat zunächst einmal nichts mit ihrer Diss zu tun - das sind zwei paar Stiefel. Ihr nächster, jedoch einbußenbehaftete Schritt müßte jetzt folgerichtig sein, auch auf ihr Mandat als EU-Abgeordnete zu verzichten und zurück zu geben. Aber bei den monatlichen Einnahmen, die dann wegbrechen: 7.646,99 brutto plus 420.- für allgemeine Kostenvergütung plus 298.- Tagegeld für Anwesenheit in Brüssel, plus 19.364.- pro Monat für Bürokosten in Brüssel, Straßburg und im Herkunftsland überlegt man es sich schon noch einmal und rackert sich eben weiter für den Bürger und das Gemeinwohl ab...LoL
5. Autorin
hagen306 12.05.2011
Die Uni hat nicht darüber zu befinden, ob Politiker in ihren Ämtern bleiben, sondern ob Doktoren wegen fetgestellten Plagiaten ihren Titel aberkannt bekommen. Traurig, wenn das der Autorin Frauke Lüpke-Narberhaus nicht bekannt ist. Was erwarten Sie eigentlich? "Uni verzichtet auf Überprüfung der Plagiate und Aberkennung des Doktor-Titels, da Koch-Mehrin diverse Ämter aufgibt"?? Gehts noch???
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