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Doktortitel für Gaddafi-Sohn: Libyen-Affäre zwingt Uni-Chef zum Abgang

Die Medienkritik und Studentenproteste waren zu heftig: Der Direktor der Londoner Kaderschmiede LSE, Howard Davies, hat seinen Posten abgegeben. Er stürzte wegen verdächtiger Spenden aus Libyen - und weil seine Uni einen Doktortitel an Gaddafi-Sohn Saif verlieh.

Gaddafi-Sohn Saif: Spende von 1,5 Millionen Pfund Zur Großansicht
AFP

Gaddafi-Sohn Saif: Spende von 1,5 Millionen Pfund

London - Der Direktor der renommierten britischen Universität London School of Economics and Political Science (LSE) hat aufgegeben: Howard Davies begründete seinen Schritt damit, dass er verantwortlich für den Ruf der Institution sei. Und der habe gelitten - wegen angenommener Spenden aus Libyen.

Dem zweitältesten Sohn des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi, Saif al-Islam, wurde 2008 von der LSE der Doktortitel verliehen. Ein Jahr später akzeptierte die LSE eine Spende von 1,5 Millionen Pfund (knapp 1,8 Millionen Euro) der Gaddafi International Charity and Development Foundation. Davon hat die Universität 300.000 Pfund erhalten.

Die Hälfte der Summe war bereits ausgegeben, als die Uni das Programm am 21. Februar nach dem brutalen Vorgehen des Gaddafi-Regimesgegen Demonstranten einstellte. Gleichzeitig erklärte die LSE, die restlichen 1,2 Millionen Pfund nicht mehr anzunehmen. Am Dienstagabend hatte die Uni mitgeteilt, dass für 300.000 Pfund, entsprechend der Höhe der Gaddafi-Mittel, Stipendien für Studenten aus Nordafrika finanziert würden. Das bereits ausgegebene Geld von der Gaddafi-Stiftung solle dafür aus LSE-Mitteln ersetzt werden.

Davies beriet staatlichen libyschen Investmentfonds

Davies selbst nahm 50.000 Dollar (rund 38.000 Euro) entgegen, die an die LSE bezahlt wurden, weil er 2007 einen staatlichen libyschen Investmentfonds beraten hatte. Er habe die Situation falsch eingeschätzt, als er der Einladung der britischen Regierung zu der Beratertätigkeit gefolgt sei, sagte Davies am Donnerstagabend.

Nun will der Rat der LSE die Beziehungen der Universität zu Libyen und Saif al-Islam al-Gaddafi, 38, untersuchen. Dabei sollen auch Plagiatsvorwürfe gegen Gaddafi junior geprüft werden. Der Tyrannensohn, der einen Kampf "bis zur letzten Kugel" gegen die Regimegegner ankündigte, war von 2003 bis 2008 an der Elite-Uni eingeschrieben und verfasste dort auch eine Doktorarbeit. Thema: die Rolle der Zivilgesellschaft bei der Demokratisierung internationaler Organisationen. In der Einleitung heißt es, die Arbeit solle analysieren, wie gerechtere und demokratischere globale Regierungsinstitutionen geschaffen werden könnten.

Schon nach der Abgabe seiner Doktorarbeit hatte es Gerüchte gegeben, dass er Unterstützung von einem Ghostwriter bekommen hatte, sagte LSE-Professor David Held der britischen Tageszeitung "The Independent". Substantielle Belege fanden sich jedoch nicht.

Universität "beschämt" über die Spende aus der Gaddafi-Stiftung

Held, einer der Leiter des LSE-Instituts für Global Governance, an dem Gaddafi studierte, erinnert sich an ihn als einen "nicht sehr guten Studenten", der sich aber verbessert habe. Als die Gerüchte aufkamen, habe er sich direkt an Gaddafis Betreuer Meghnad Desai gewandt.

Desai nimmt Gaddafi gegen den Plagiatsvorwurf in Schutz. "Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass er es nicht selbst gemacht hat", sagte der Ökonom Desai der BBC. Saif al-Islam habe seine Arbeit "sehr, sehr gründlich verteidigt". Er sei allerdings enttäuscht, dass sein Student an der LSE nicht mehr über Demokratie gelernt habe.

Mittwoch vergangener Woche hatten LSE-Studenten das Rektorat gestürmt und gefordert, die Uni solle Gaddafi den Titel aberkennen - und obendrein das Geld an das libysche Volk zurückzahlen, das der Diktatorensohn der LSE gespendet hatte.

Bereits am Montagabend hatte Davies der BBC gesagt, er sei heute "beschämt" über die Verbindungen zwischen seiner Uni und dem libyschen Regime. In der Spitze der LSE sei damals "ausgiebig" darüber diskutiert worden, ob man die Spende des Gaddafi-Sohns akzeptieren könne. "Mit dem Wissen darüber, wie er sich in dieser Krise verhalten hat, können wir sagen, dass wir uns wohl anders entschieden hätten." Am Donnerstagabend zog er die Konsequenzen.

wit/dapd

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Beschämt?
hansulrich47 04.03.2011
Der nette Herr schämt sich nur, weil er erwischt wurde. Hoffentlich bekommen ein paar andere "Kaderschmieden" und Unis weltweit jetzt auch Bauchschmerzen wegen der Titel, die sie so großzügig vergeben, wenn die Kohle stimmt! Dr. h.c. und Ehrenprof. oer Honorarprof. sind sowieso geschenkte Titel und nichts wert!!
2. xxx
lokia 04.03.2011
Daran sollten sich die "Chefs" der uni Bayreuth doch mal ein Beispiel nehmen.
3. Doktorhuete
AKI CHIBA 04.03.2011
Zitat von hansulrich47Der nette Herr schämt sich nur, weil er erwischt wurde. Hoffentlich bekommen ein paar andere "Kaderschmieden" und Unis weltweit jetzt auch Bauchschmerzen wegen der Titel, die sie so großzügig vergeben, wenn die Kohle stimmt! Dr. h.c. und Ehrenprof. oer Honorarprof. sind sowieso geschenkte Titel und nichts wert!!
Die Söhne des Gad affi. Insularer Doktorhut fuer den Mann der Doktorspiele. Not very British. Auch als Profikicker im Land der Zitronen im Gespraech. War nicht machbar. Da bleibt unsereiner auf seinem Dr. lot.tot. sitzen. Kohle waechst keine rueber.
4. Guttenberg lässt grüßen
vmontantus 04.03.2011
Zitat von lokiaDaran sollten sich die "Chefs" der uni Bayreuth doch mal ein Beispiel nehmen.
Volle Zustimmung! Obwohl hier eine Täuschung durch Guttenberg vorlag und die sind dem nur auf den Leim gegangen. Dennoch erwarte ich ernste Konsequenzen für diese Blamage. Es wäre ja noch zu verzeihen gewesen, wenn sie es einfach nur nicht gemerkt hätten. Aber 'summa cum laude' das musste wirklich nicht sein. Da schaut man zweimal hin. Eigentlich. Zugleich zeigt es aber, dass diese Profs nicht weit von den BILD-Zeitungslesern und facebook-Fans entfernt sind: Sich blenden lassen, eine deutsche Eigenschaft? Hoffentlich nur eine deutsche Eigenschaft, sonst wird es gefährlich auf dieser Welt.
5. Wieviel wert hat ein Dr. Titel in D?
alpenjonny 04.03.2011
Gruezi! Seit dem beschämenden Vorfall von Dr. Googleberg und dem Ghaffi-Sohn brennt der Baum lichetrloh! Die Frage steht im Raum: wieviel wert hat heutzuatge noch ein Dr. Tiel? 2Im Prinzip nicht mehr viel, aber es lässt sich trefflich damit aufshneiden"
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