Doktor-Zwist vor Gericht: Koch-Mehrin droht Niederlage

Silvana Koch-Mehrin wird wohl auf ihren Doktor verzichten müssen: Das Verwaltungsgericht Karlsruhe deutet an, dass die Klage der FDP-Frau gegen ihren Titelentzug scheitern wird. Die Grünen fordern erneut: Streicht den Doktor aus dem Ausweis.

Politikerin Koch-Mehrin (FDP): Grüne gegen "gesellschaftliche Überhöhung" des Doktors Zur Großansicht
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Politikerin Koch-Mehrin (FDP): Grüne gegen "gesellschaftliche Überhöhung" des Doktors

Die Europa-Abgeordnete Silvana Koch-Mehrin (FDP) muss mit einer Niederlage im Streit um ihren Doktortitel rechnen. Die von ihren Anwälten monierten Verfahrensfehler bei der Aberkennung des Titels seien nicht relevant, sagte die Vorsitzende Richterin am Verwaltungsgericht Karlsruhe am Montag. Eine endgültige Entscheidung will das Gericht aber erst innerhalb der kommenden zwei Wochen bekanntgeben.

Für Koch-Mehrin würde ein negativer Entscheid aus Karlsruhe bedeuten, dass sie ihren Grad wohl endgültig verliert. In dem Verfahren geht es nicht mehr darum, ob die Politikerin in ihrer Doktorarbeit abgeschrieben hat oder nicht. Das Gericht prüft lediglich ob der Verwaltungsakt der Aberkennung an der Universität korrekt verlaufen ist.

Das Verwaltungsgericht soll auch untersuchen, ob das für die Aberkennung zuständige Gremium der Universität Heidelberg richtig gewählt worden ist. Eigentlich hatte das Gericht schon im November 2012 über die Rechtmäßigkeit der Aberkennung entscheiden wollen. Dann jedoch hatte Koch-Mehrin-Anwalt Christian Birnbaum die Frage nach der korrekten Zusammensetzung des Promotionsausschusses der philosophischen Fakultät in das Verfahren eingebracht. Daraufhin wurde die Entscheidung über den Titelentzug vertagt.

Der Promotionsausschuss der philosophischen Fakultät hatte Koch-Mehrins Dissertation geprüft und war zu dem Schluss gekommen, dass sie "in substantiellen Teilen" aus Plagiaten bestehe. Die Universität Heidelberg hatte daraufhin im Sommer 2011 entschieden, dass Koch-Mehrin der Doktorgrad entzogen wird. Einen ersten Widerspruch gegen die Entziehung hatte die Universität zurückgewiesen, worauf die Politikerin vor Gericht zog.

Grüne fordern: Doktor raus aus dem Pass

Ginge es nach der Grünen-Wissenschaftspolitikerin Krista Sager, wäre mit dem Doktorgrad als bloße Zierde im Personalausweis bald Schluss: Die forschungspolitische Sprecherin der Grünen kündigte einen neuen Anlauf für eine Gesetzesinitiative ihrer Partei an, den Titel aus allen deutschen Passdokumenten zu streichen. "Es wäre an der Zeit, den Doktorgrad von gesellschaftlichen Überhöhungen zu entlasten", sagte sie der Webseite des "Handelsblatts".

Die Argumente sind nicht neu. Schon länger weisen die Grünen darauf hin, ein Doktor sei weder ein Titel noch ein Namensbestandteil, die Eintragung international unüblich und zu aufwendig für die Behörden. Kritiker halten dagegen, dass Deutschland als Bildungsnation wissenschaftliche Titel mehr würdigen sollte.

Bereits 2007 hatte auch der damalige Innenminister der Großen Koalition, Wolfgang Schäuble (CDU) im Rahmen seiner umstrittenen Personalausweisreform die Abschaffung des Titels in den Papieren gefordert. Allerdings fand sich für den Vorschlag im Bundesrat keine Mehrheit. Aus Bayern hieß es: Ein Doktorgrad "sei nicht nur Ausdruck einer besonderen wissenschaftlichen Leistung; er ist vielmehr auch im täglichen Gebrauch zur höflichen Anrede üblich".

In Deutschland ist ein Doktortitel immer noch nützlich für die Karriere. Dabei geht es häufig nicht nur um eine wissenschaftliche Laufbahn. Allein im Bundestag hat jeder fünfte Bundestagsabgeordnete einen Titel und auch jeder zweite Vorstandsvorsitzende darf den Doktor vor dem Namen führen. Dass der Doktor auch in den Personalausweis eingetragen werden kann, ist nur in wenigen Ländern möglich, neben Deutschland unter anderem in Österreich und Tschechien.

jon/dpa

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insgesamt 49 Beiträge
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    Seite 1    
1. wenn man
gesell7890 04.03.2013
doch von all diesen hochbezahlten trickbetrügern eines lesen würde: sie suchen sich jetzt einen job nach ihren intellektuellen fähigkeiten und lassen sich nicht mehr auf steuerzahlers kosten alimentieren!
2. Manchmal fragt man sich
ballaststoffel3 04.03.2013
wie Leute die Aussichtslosigkeit ihres Unterfangens so derart falsch einordnen können. Wieso klagt eine Frau Koch-Merin? Weil ihr Unrecht geschehen ist? Wenn das nicht Kleinkindgehabe ist, was dann? Sie hat betrogen, und nun beklagt sie, dass sie den durch Betrug erlangten Titel nicht weiter tragen darf. Man stelle sich vor, sie würde Recht bekommen, versteht hier einer eigentlich was das bedeuten würde? Versteht Frau Koch Merin das? Sie steht für die Verteidigung ihres eigenen Betruges! Tolle Frau, echt! Ich finde, Menschen die ihren Betrug vor Gericht verteidigen wollen, sollten jedes volksvertretende Amt auf der Stelle niederlegen müssen, per Gesetz. Solche Charakterzüge sind nicht geeignet, auch nur Irgendwen zu vertreten.
3.
guitarjoe 04.03.2013
Ich befinde mich in der interessanten Situation, das ich (CDU Mitglied und Doktor der Naturwissenschaften) der Forderung, wenn auch irgendwie widerwillig, weil sie von Schmocks wie Koch-Mehrin und Gutenberg ausgelöst wurde, zustimmen möchte. Ich hab' den Doktor ehrlich erworben und hab' ihn aus genau den Gründen weder im Persi noch auf der EC-Karte stehen: GESELLSCHAFTLICHE ÜBERHÖHUNG. Wenn ich beim Lidl meine 7,50 mal wieder mit Karte zahlen muss, weil ich zu doof war, Bargeld zu besorgen, ist es furchtbar peinlich, mit "Auf Wiedersehen Herr Doktor ..." verabschiedet zu werden, ausserdem könnte ja einer meinen, ich hätte es genau darauf abgesehen und würde deshalb mit Karte zahlen. Nee danke. Aber ich bin trotzdem dagegen es per Dekret zu streichen, denn damit nehmen wir uns etwas, was den Gutenbergs dieser Welt immer wieder zeigt, dass man sich nicht alles kaufen kann, und öffnen eine anderen gesellschaftlichen Überhöhung, nämlich des Geldes, Tür und Tor.
4. Nietzsche
mendorvaldez 04.03.2013
"Der Verbrecher ist häufig genug seiner That nicht gewachsen: er verkleinert und verleumdet sie." Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse
5. @ballststoffel3
roryb 04.03.2013
Aber es ist doch das gute Recht von Fau Koch-Mehrin, die Entscheidung der Uni über den Titelentzug gerichtlich überprüfen zu lassen. Oder sollen solche Verwaltungsakte etwa per se von allen Adressaten akzeptiert werden müssen, weil diese als "Betrüger" von ihre Verfassungsrechte (Art19 IV GG) verwirkt haben? Das kann es ja wohl nicht sein. Auch insoweit gibt es Grenzfälle, die zugunsten der Promovenden entschieden werden können (wie derjenige des früheren niedersächsischen Kultusministers), deren gutes Rech es ist, das gerichtlich erzwingen zu wollen. Rechtsschutz ist ein hohes Gut, niemand sollte diskreditiert werden, weil er es in Anspruch nimmt!
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