Dubiose Bildungsfirma: Berliner Senat schließt Phantom-Hochschule

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Wenn eine Privathochschule Geld kassiert, aber kaum unterrichtet, stimmt etwas nicht. Im Fall der Edu.Con-Hochschule griff der Berliner Senat jetzt zum letzten Mittel und entzog ihr nach nur einem Semester die Zulassung. Die Verantwortlichen sind offenbar abgetaucht.

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Bildungssenator Zöllner: "Klarer Schnitt im Interesse der Studenten"

Der Edu.Con University of Applied Science, einer privaten Hochschule der Edu.Con AG, ist die staatliche Anerkennung entzogen worden. Damit habe zum ersten Mal eine Berliner Privathochschule ihre Anerkennung durch die Senatsverwaltung mit sofortiger Wirkung verloren, teilte die Behörde am Dienstag mit.

Nach Angaben der Senatsverwaltung widerrief Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) unter anderem die Rechte, Prüfungen abzunehmen, akademische Grade zu verleihen und sich Hochschule zu nennen. Die Einrichtung war 2009 gegründet worden, der Lehrbetrieb begann im Sommersemester 2010.

Die Schule habe im Laufe des Semesters bis Oktober 2010 keine der staatlichen Auflagen erfüllt, die Grundlage der Anerkennung seien, kritisierte die Senatsverwaltung. Weder gebe es eine funktionierende Hochschulleitung noch werde die Lehre überwiegend von Professoren angeboten. Ebenso liege keine bestätigte Prüfungs- und Studienordnung vor, es gebe auch keine Infrastruktur für Studium und Lehre.

Vor allem Veranstaltungs- und Lichttechniker wollte die Edu.Con-Hochschule ausbilden, in den drei Bachelor-Studiengängen "Set-Design", "Lighting-Design" und "Interaction-Design". Standort sollte der Medienpark in Berlin Adlershof sein, hieß es in einer Pressemitteilung vom Februar 2010. Als Adresse wies die Web-Seite der Hochschule allerdings zuletzt ein Bürohaus im Stadtteil Charlottenburg aus. Unter der Potsdamer Telefonnummer, am Dienstagabend noch auf der Web-Seite der Hochschule zu finden, war niemand zu erreichen. Inzwischen ist auch die Homepage www.educon-university.de nicht mehr im Netz.

Studenten vor verschlossenen Türen

Laut Senatsverwaltung in Berlin häuften sich die Beschwerden über die Edu.Con-Hochschule; die Studenten, die für ein Semester satte 7000 Euro Gebühren zahlten, hätten zuletzt sogar vor verschlossenen Türen gestanden. Der Schule habe nicht einmal der Widerruf zugestellt werden können, sagte ein Sprecher der Senatsverwaltung. Laut Zöllner habe man im Interesse der zwölf Studenten und der anderen privaten Hochschulen in Berlin einen "klaren Schnitt machen" machen müssen. Die Studenten würden nun von der Senatsverwaltung beraten.

Berlin gilt als besonders privathochschulfreundliches Terrain. Das Bundesland will private Hochschulen anziehen und macht ihnen die Gründung einfacher als anderswo. Wer ein Konzept einreicht, darf zunächst einmal anfangen und kann, wenn alle Auflagen erfüllt sind, binnen fünf Jahren die endgültige Zulassung bekommen. Bei Beschwerden, wie etwa bei der Akkon-Hochschule der Johanniter Unfallhilfe, fragt die Behörde nach - verlässt sich in der Regel aber auf die jährlichen Berichte der Privaten.

Nicht so bei Edu.Con. Für die Betreiberfirma ist es schon der zweite Rückschlag binnen Jahresfrist. Im Sommer verloren ihre Tochterfirmen Edu.Con Privatschulcampus und Akzent bereits die staatliche Anerkennung für drei Berufsfachschulen in Brandenburg. Weil das Bundesland Zuschüsse pro gemeldetem Schüler an private Bildungsträger überweist, hätten die Betreiber die eigene Schülerzahl stark übertrieben und monatlich Zehntausende Euro zu viel kassiert, lautete die Begründung des Ministeriums. Die Betreiber hatten die Vorwürfe damals zurückgewiesen und juristische Schritte angekündigt.

Mit Material von dpa von dapd

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Bildungsträger
neuronom1000 24.11.2010
In diesem Sektor läuft ohnehin einiges schief. Nach einer Bewerbung und einem V-Gespräch bei einem Träger für Fort- udn Weiterbildungen wurde mir schnell klar, dass die Debatte um die Sparpotentiale bei der Arbeitsförderung auch durchaus berechtigt ist. Tenor: "Uns ist es egal was Sie können - das interessiert uns gar nicht - wichtig ist, dass Sie die Leute beschäftigen, flexibel und billig sind". Der Träger bietet Weiterbildungen nach SGB II an. "Privatwirtschaft" und "Bildung" sind ohnehin ein Widerspruch an sich.
2.
schwabe66 24.11.2010
*** Wenn eine Privathochschule Geld kassiert, aber kaum *** unterrichtet, stimmt etwas nicht. Witzig. Das trifft auch auf "ordentliche" Profs an "seriösen" Unis/FHs zu. Schmeißt man die jetzt raus? Oder kürzt man denen das Gehalt? Oder zwingt man sie zum Arbeiten?
3. Nicht der erste Widerruf in Berlin
junkievillage 24.11.2010
Die Senatsverwaltung hatte am 3. August 2009 bereits die staatliche Anerkennung der "Stenden University Berlin" als private Hochschule widerrufen. Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Stenden_University_Berlin
4. mal jemanden verhaften?
elbröwer 24.11.2010
Schon toll womit in der BRD Gauner abkassieren. Ich hoffe den Studenten ist ein Licht aufgegangen. Keine Bildung, keine Karriere, Geld pfutsch. Die mußten in kurzer Zeit die Marktwirtschaft auf brutale Art erlernen.
5. con job
DJ Doena 24.11.2010
Edu.Con? Da ist ja der Betrug schon im Namen vermerkt - Zumindest wenn man etwas Englisch kann. ;-)
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