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Eklat an der FU Berlin: "Dieter, sprich! Dieter, sprich!"

Am Freitag knallten die Korken an der Freien Universität Berlin - sie wurde zur Eliteuni gekrönt. Heute kam der Kater nach der Party: Protestierende Studenten machten die Immatrikulationsfeier zur Farce. Sie mögen den neuen Titel ihrer Uni nicht.

Es muss jemand geahnt haben, dass es im Henry-Ford-Bau der Berliner FU heute hoch hergehen würde. Die Uni ließ am Eingang zu ihrer traditionellen Immatrikulationsfeier einen privaten Sicherheitsdienst stichprobenartig Leute kontrollieren, vor der Tür patrouillierte die Berliner Bereitschaftspolizei - das sagt zumindest der Allgemeine Studierendenausschuss. Und drinnen - da gab es Saures für Dieter Lenzen, den Präsidenten der FU, die sich neuerdings Elite-Uni nennen darf.

FU-Präsident Dieter Lenzen: Verärgert den Saal verlassen
DPA

FU-Präsident Dieter Lenzen: Verärgert den Saal verlassen

Asta-Referentin Inga Nüthen griff in ihrer Rede die Exzellenzinitiative für die Unis an: "Wir sind als Studierende Teil eines europaweiten Experiments, das gerade an der FU besonders fehlschlägt." Die Universitäten seien nicht mehr der Ort für Forschung und Bildung. Und "was am vergangenen Freitag als exzellent ausgezeichnet wurde", seien in erster Linie "gut vermarktbare Forschungsergebnisse". Ihren eigenen Uni-Präsidenten Lenzen nannte sie "antidemokratisch" und "neoliberal".

"68 ist vorbei, nur der Markt, der macht uns frei!"

Als Dieter Lenzen dann selbst die Bühne des Audimax betrat, brandete Applaus und Jubel auf. Laut, zu laut. In Wirklichkeit hatten diese klatschenden Studenten nur Hohn un Spott für Lenzen übrig, sie haben einen Dieter-Lenzen-Fanklub gegründet, ähnlich wie es Studenten aus Hessen für ihren Bildungsminister Udo Corts gemacht haben. Dieser Klub soll Lenzen nicht huldigen, sondern ärgern.

Prompt ätzten seine vermeintlichen Fans nach dem Klatschen los: "Freies Denken brauch ich nicht! Dieter, sprich! Dieter, sprich!" und "68 ist vorbei, nur der Markt, der macht uns frei!". Laut Asta zündete auch noch jemand eine Stinkbombe - da wurde es Präsident Lenzen zu bunt - er verließ verärgert den Saal.

Doch des Spottes nicht genug: Vor der Tür luden die Studenten zum "Exzellenzcluster Vergleichendem Dosenstechen" - eine weitere Parodie auf die Exzellenz-Initiative. Unter dem Motto "Auch Elite braucht Frühstück" luden die Studenten zum Freibier ein - für einen "entspannteren Uni-Start".

maf/dpa/AFP

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Forum - Elite-Unis - Wege aus der Bildungsmisere?
insgesamt 203 Beiträge
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1. Deutsche Unis erreichen bald Aldiniveau
kellitom, 19.10.2007
Auf dem Weg zu Unternehmen sinkt das Niveau deutscher Universitäten kontinuierlich auf Aldiniveau. Master und Bachelor statt Diplom sind Ausdruck dieses Niedergangs. Durch die Studiengebühren abgeschreckt, sinkt auch die Zahl der Studierenden. Geisteswissenschaften werden völlig vernachlässigt, das Einzige, was zählt, ist die Marktreife der Unis. Dieses beschränkte betriebswirtschaftliche Denken vieler Unileitungen ist Folge der neoliberalen Privatisierungswelle, die immer mehr Menschen in die Armut treibt und statt einer transparenten Demokratie eine Diktatur des Kapitals implantiert. Deutschlands Aldisierung auf allen Gebieten macht das Land der Dichter und Denker zum Land der Henker geistiger Werte.
2.
ax0l0tl 19.10.2007
Nunja..ich selbst habe in Freiburg studiert, hatte zwar nur Einblick in sehr wenige Fakultaeten, die sich jedoch unter anderem als Aushaengeschild der Universitaet schimpfen lassen duerfen. Mein Fazit: Wie dieser "Laden" als eliteuni-wuerdig bezeichet werden kann, ist mir unverstaendlich.
3. sowas
derien, 19.10.2007
im grunde genommen ist nicht die uni Elite, sondern einzelne fakultäten.Ich finde es sehr pauschal, eine Uni so zu etikettieren. Geht diese Definierung nicht irgendwie in der ganzen Ausführung verloren? Während Naturwissenschaften gern gefördert werden, sind die Geisteswissenschaften von ihrem Status definitiv unelitär, dafür sprichtja auch konstanz´s einziger kopfcluster. Und Aachen ist jetzt auch nicht gerade für seine Geisteswissenschaft mit hoher REputation versehen.
4.
MamaMiracoli 19.10.2007
Zitat von kellitomAuf dem Weg zu Unternehmen sinkt das Niveau deutscher Universitäten kontinuierlich auf Aldiniveau. Master und Bachelor statt Diplom sind Ausdruck dieses Niedergangs. Durch die Studiengebühren abgeschreckt, sinkt auch die Zahl der Studierenden. Geisteswissenschaften werden völlig vernachlässigt, das Einzige, was zählt, ist die Marktreife der Unis. Dieses beschränkte betriebswirtschaftliche Denken vieler Unileitungen ist Folge der neoliberalen Privatisierungswelle, die immer mehr Menschen in die Armut treibt und statt einer transparenten Demokratie eine Diktatur des Kapitals implantiert. Deutschlands Aldisierung auf allen Gebieten macht das Land der Dichter und Denker zum Land der Henker geistiger Werte.
Nunja, die Möglichkeit nach drei+ Jahren einen anerkannten Hochschulabschluss zu haben der einer Basisausbildung auf akademischem Niveau entspricht, finde ich nicht schlecht. Aber da wird es immer Menschen geben die der Meinung sind: "Mein Diplom ist das einzig Wahre, alles andere ist neumodischer Kram". Viel interessanter ist doch das Geschrei in Bezug auf mangelnde "hochqualifizierte" Fachkräfte und Hochschulabsolventen. Diese seien das Kapital Deutschlands. Und was wird getan diesem Problem entgegenzusteuern? Es werden Studiengebühren eingeführt. Das ist einfach nur grotesk. Da hat jemand die einfachsten ökonomischen Zusammenhänge verstanden... Mit der Einführung der Studiengebühren wurden sämtliche (betroffenen) Hochschulen zu "Elite"-Unis. Es können nämlich nur noch die hingehen die es sich leisten können.
5. wir brauchen keine "elite" unis
bekennerschraiben, 19.10.2007
Zitat von sysopWieder streiten deutsche Hochschulen um den begehrten Titel Elite-Uni. Wie gut sind die deutschen Universitäten? Wie wettbewerbsfähig sind sie im internationalen Vergleich?
1) sondern einen grossen besen, der den altbackenen und arroganten muff aus deutschen unis rausfegt - wir brauchen nicht nur leistungsfaehige, sondern auch leistungswillige professoren, und nicht etwa standardformate 2) eine deutsche jugend, welche in bildung eine chance und in leistung ein stueck lebensqualitaet sieht - wir brauchen nicht nur leistungsfaehige, sondern auch leistungswillige studenten, und nicht etwa standardformate
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