Elite-Uni Konstanz: Mini-Harvard am Bodensee

Von Frank van Bebber

Einst wurde die Uni Konstanz für ihren Elite-Ambitionen verspottet. Sie zählt zu den jungen deutschen Unis, war die kleinste im Finale des Elite-Wettbewerbes - und gewann. Aus einer Skizze auf einem Schmierzettel wurde eine erfolgreiche Reformhochschule.

Uni Konstanz: "Seminarschein und Segelschein liegen nebeneinander"

Uni Konstanz: "Seminarschein und Segelschein liegen nebeneinander"

Die junge Geschichte der Universität Konstanz begann auf einem Schmierzettel: Als der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Georg Kiesinger (CDU) 1959 die Gründung einer neuen Universität erwog, steckte er dem Konstanzer Landrat bei einem Bauerntreffen das Papier zu. Darauf stand, dass er Konstanz als Standort vorschlägt.

Sieben Jahre später, 1966, wurde die kleine Reform-Universität gegründet. Sie verzichtete auf Institute als Königreiche der Professoren. Dafür wurde eine gemeinsame Bibliothek für alle Fächer eingerichtet. Für damalige Verhältnisse war das revolutionär. Die Bibliothek hat heute 24 Stunden am Tag geöffnet, die Bücher stehen frei zugänglich im Regal.

"Es war durchaus abschätzig gemeint"

Das Fächerspektrum umfasst Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften, aber weder Ingenieurfächer noch Medizin - letztere wanderte als Ausgleich zwischen Baden und Württemberg nach Ulm. Das Ziel der Gründungsväter um Lord Ralf Dahrendorf war es, Formen zu finden, "in denen Wissenschaft als Forschung" wieder ins Zentrum rückt. Nur die klügsten Köpfe sollten in den Hörsälen und Seminarräumen denken, 3000 Studienplätze waren damals vorgesehen. Der elitäre Anspruch provozierte damals das Wort von "Klein Harvard am Bodensee".

"Es war keineswegs anerkennend, sondern durchaus abschätzig gemeint", sagt der Konstanzer Historiker Professor Lothar Burchardt. Bald kämpfte auch die Universität Konstanz mit dem Massenbetrieb. Heute hat sie 174 Professoren und 10.000 Studenten aus über 80 Ländern. Doch die Uni blieb in der Hochschullandschaft dennoch eine Besonderheit.

Das liegt sicher auch an ihrer traumhaften Lage direkt am Bodensee-Ufer mit schöner Aussicht auf die Blumeninsel Mainau und die Alpen. "Seminarschein und Segelschein liegen in Konstanz nebeneinander", sagt Rektor Gerhart von Graevenitz, der an seiner Uni auch gern die "kurzen Wege und offenen Türen" lobt. Der verwinkelte Betoncampus mit Bodensee-Blick außerhalb der Stadt drängt die Fächer zusammen.

Bachelor und Master wurden früh eingeführt

Die Uni punktete als Reformuniversität aber auch mit neuen Modellen von Lehre und Forschung. 1999 schaffte sie ihre Fakultäten ab und gliederte sich in drei Sektionen. Sie war führend bei den neuen Abschlüssen Bachelor und Master ein. Im Uni-Rat sitzen nur Externe.

Professoren erhalten eine karge Grundausstattung. Wer mehr Geld will, muss es bei einem Senatsausschuss beantragen. So trainiert gehören die Konstanzer Forscher zu den besten Geld-Einwerbern in Deutschland. Seit sechs Jahren gibt es ein fachübergreifendes Forschungszentrum für den wissenschaftlichen Nachwuchs, das 30 Post-Doktoranden fördert. Die Universität hat 13 Juniorprofessuren, mehr als jede andere im Südwesten. Beim Exzellenzwettbewerb 2006 warb sie das einzige geisteswissenschaftliche Exzellenzcluster ein. Arbeit im Verbund ist unter anderem in vier Sonderforschungsbereichen fremdfinanzierter Alltag.

In der Stadtgeschichte gilt die Uni-Gründung heute unbestritten als eines der wichtigsten Ereignisse. Und der Schmierzettel aus dem Jahr 1959 hat längst einen Ehrenplatz im Uni-Archiv.

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