Eliteschmiede EBS: Hochschule durchsucht, Präsident verhaftet

Von Armin Himmelrath und Markus Verbeet

Die European Business School besuchen künftige Manager - jetzt kamen auch Ermittler vorbei: Sie durchsuchten die teure Privathochschule und verhafteten den Präsidenten. Der geschäftstüchtige Christopher Jahns ist der Untreue verdächtig. Er selbst hat alle Vorwürfe zurückgewiesen.

Wenn Christopher Jahns spricht, kann er überaus überzeugend wirken. Die Augen lässt er blitzen, das Jackett legt er gerne mal ab - ein charismatischer Macher, den Kritiker um seinen Erfolg beneiden und nur deshalb mit schlimmen Vorwürfen überziehen. So sieht sich Jahns, Präsident der European Business School, gerne selbst.

Nun wird er seine ganze Überzeugungskraft brauchen: Jahns' Hochschule wurde durchsucht, er selbst festgenommen. Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden und das hessische Landeskriminalamt ermitteln unter anderem wegen möglicher Untreue. Der 41-Jährige hat die Vorwürfe stets zurückwiesen, aber die Ermittler glauben ihm offenbar nicht mehr, dass er tatsächlich seine Tätigkeiten als Hochschulpräsident und Geschäftsmann immer sauber getrennt hat.

An neun "Objekten", wie es in der Sprache der Fahnder heißt, waren sie am Montagvormittag zur Hausdurchsuchung angerückt: in Oestrich-Winkel, wo die European Business School gegründet wurde, und in Wiesbaden, wo sie neuerdings ihren Sitz hat. Außerdem waren die Ermittler in Frankfurt am Main im Einsatz, dort durchsuchten sie Jahns' Privatwohnung. Kistenweise wurden Computer und Akten beschlagnahmt. Mitarbeiter der Hochschule berichteten, dass zeitweise nicht mehr gearbeitet werden konnte, weil die Ermittler alle Rechner konfisziert hatten.

"Verdacht der Untreue" gegen Hochschul-Chef Jahns

Am Nachmittag wurde Jahns dann dem Haftrichter vorgeführt. Der setzte den Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug. "Es besteht der dringende Verdacht der Untreue", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiesbaden. Die Spitze der Hochschule äußerte sich am Montag nicht, zahlreiche Anfragen von SPIEGEL ONLINE während des Tages blieben unbeantwortet.

Im Januar hatte der SPIEGEL aufgedeckt, dass Jahns zuweilen als Hochschulpräsident aufgetreten ist und dabei das Geschäft der Unternehmen zu befördern versucht hat, denen er eng verbunden ist. Es handelt sich um ein Firmengeflecht in Deutschland und der Schweiz, an mindestens einem Unternehmen ist Jahns beteiligt. Dabei geht es unter anderem um die Beratungsgruppe BrainNet. Ein Top-Manager sitzt im Stiftungsvorstand der Hochschule, Jahns wiederum gehört Verwaltungsräten mehrerer Unternehmen aus dem BrainNet-Imperium an. Geschäftsbeziehungen gibt es unter anderem zur Hochschule. Die Firmengruppe mit dem Verwaltungsrat Jahns hat die Hochschule des Präsidenten Jahns beraten - und zumindest in manchen Fällen auch Honorare kassiert.

Jahns beruft sich gerne darauf, dass der Aufsichtsrat alles genehmigt und geprüft habe. Doch die Staatsanwaltschaft hat offenbar große Zweifel, dass wirklich alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Auch an der Hochschule scheint die Kritik zu wachsen. Zuletzt hatte Jahns sein Amt ruhen lassen, der Aufsichtsrat hatte sich mehrfach hinter ihn gestellt. Die Professoren der Hochschule aber ließen sich nicht so leicht beruhigen, zumindest nicht alle. Schon vor der Festnahme hatten kritische Geister einen brisanten Punkt auf die Tagesordnung der Senatssitzung setzen lassen, die am Dienstagabend stattfinden soll: den Antrag auf Abwahl des Präsidenten.

Dem kam Jahns im Laufe des Tages zuvor. In einer knappen Mitteilung verkündete die Hochschule, dass er mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als Präsident zurücktrete. Alle weiteren Ämter, die er an der Hochschule bekleide, lasse er ruhen: als Inhaber eines Lehrstuhls, als Chef eines Instituts und auch als Chief Executive Officer der European Business School. So kann Jahns sich ab jetzt wohl ganz den Vorwürfen und der Aufklärung widmen - und die Ermittler von seiner Sicht der Dinge zu überzeugen versuchen.

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insgesamt 53 Beiträge
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1. - ? -
dr.épernay-boiler 04.04.2011
Wo Banker und Manager ausgebildet werden, ist es doch mehr als absurd, diese wegen ihrer üblichen Tätigkeiten dann festzunehmen?! Die Schule hätte ja sonst keine Zulassung erhalten dürfen. Wer derartige Leute ausbildet und beschäftigt, der muß sinngemäß auch damit rechnen, dass diese sich wie derarige Leute verhalten.
2. Hoffentlich eine gute Lehre..
Golden Age 04.04.2011
Die enge Verflechtung mit der Wirtschaft zeigt hier mal wieder seine hässliche Fratze. Private Interessen müssen von denen der Institution klar getrennt sein. Das ist zumindest eine gute Lehre in "Compliance" und "Corporate Governance" für den Nachwuchs der Wirtschaftselite.
3. Es sind nur Netzwerke
gorge11 04.04.2011
Zitat von dr.épernay-boilerWo Banker und Manager ausgebildet werden, ist es doch mehr als absurd, diese wegen ihrer üblichen Tätigkeiten dann festzunehmen?! Die Schule hätte ja sonst keine Zulassung erhalten dürfen. Wer derartige Leute ausbildet und beschäftigt, der muß sinngemäß auch damit rechnen, dass diese sich wie derarige Leute verhalten.
Top ist da gar nichts. Schon die Grossherzöge Nassaus wussten, dass in Wiesbaden keine Uni geben darf.
4. Heute und damals ...
Günter Stalinski 04.04.2011
Zitat von dr.épernay-boilerWo Banker und Manager ausgebildet werden, ist es doch mehr als absurd, diese wegen ihrer üblichen Tätigkeiten dann festzunehmen?! Die Schule hätte ja sonst keine Zulassung erhalten dürfen. Wer derartige Leute ausbildet und beschäftigt, der muß sinngemäß auch damit rechnen, dass diese sich wie derarige Leute verhalten.
Alter Witz: Sagte der Chef am Morgen zu seinem Lehrling: "Heute machen wir mal Konkurs, damit Du auch lernst, wie das geht".
5. Die teure Primitiv-"Elite"
lefs 04.04.2011
Die talentierten Normalbürgerkinder sollen in Zukunft in der Gesamtschule neben ihrer eigenen Karrierevorbereitung solidarisch in gemeinsamer Bildung für die bessere Eingliederung der Zuwanderer und die bessere Schulmilieubildung sonstiger bildungsfernerer Schichten herhalten. UND ?? Die betuchten Bubis machen gleichzeitig völlig unsolidarisch einen auf Privatschule und Schnelldurchgang an der Privatuni. Dies Privatunis und Privatschulen gehören abgeschafft. Sie verschieben massiv die Chancen von Menschen mit sonst gleichen Anlagen zum Geldadel hin. So steht das aber nicht in Artikel 1! Liebe Eltern! Bis das geschafft ist, lasst Euch ja nicht das Gymnasium wegnehmen. Es ist die allerletzte Chance für Eure Kinder, wenigstens noch einigermaßer ähnliche Startbedingungen zu haben wie diese Oberschichtenkids. Da fehlt immer noch das Vitamin B, aber ohne Gymnasien haben Eure Kinder gegen diese Schnösel nicht die geringste Chance. Passt auf!!! ps. Und lasst Euch ja nicht von dem hinterhältigen Argument übers Ohr hauen, dass sie natürlich auch ein paar Hochbegabte arme Schnösel mit Stipendien versorgen. Das dient nur als Alibi.
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