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Eliteuni-Parade: Die glorreichen Zehn

Von und

Das Gezerre um deutsche Spitzenunis dauerte Jahre - jetzt steht fest, welche Hochschulen die Nase vorn haben. Die Zehnerliste der Expertenkommission birgt dicke Überraschungen: Einige Favoriten sind aus dem Rennen, dafür ist auch ein großer Außenseiter dabei.

Die ersten Vorentscheidungen im Wettbewerb um deutsche Elite-Universitäten sind gefallen. Am Freitagabend präsentierten die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Wissenschaftsrat in Bonn auf einer gemeinsamen Pressekonferenz die Sieger.

Uni Bremen: Überraschungssieger
Uni Bremen

Uni Bremen: Überraschungssieger

Die Liste der Hochschulen, die für ihre "Zukunftskonzepte zur universitären Spitzenforschung" ausgezeichnet wurden, birgt einige Namen, mit denen kaum jemand gerechnet hätte. Ein detaillierteres Konzept einreichen sollen demnach folgende zehn Universitäten: RWTH Aachen, FU Berlin, Universität Bremen, Universität Heidelberg, Universität Freiburg, Universität Karlsruhe, LMU München, TU München, Universität Tübingen und Universität Würzburg.

Zu den in dieser Runde gescheiterten Favoriten gehören die Humboldt-Universität Berlin sowie die Technischen Universitäten in Darmstadt und Dresden. Auch die Universitäten Mannheim, Konstanz, Bonn, Leipzig, Stuttgart und Erlangen-Nürnberg patzten beim großen Schaulaufen der Kandidaten und sind vorerst aus dem Rennen.

Bei der Förderlinie Graduiertenschulen konnte die RWTH Aachen besonders punkten, bei den Exzellenzclustern die LMU München und die TU München. Nimmt man alle drei Förderlinien zusammen, sind insgesamt 36 Universitäten aufgefordert, Vollanträge einzureichen. Insgesamt 74 Universitäten hatten sich mit 319 Antragsskizzen für eine der drei oder für mehrere Förderlinien beworben. Der Bund trägt drei Viertel der künftigen Förderung, die Länder müssen ein Viertel beisteuern.

Belohnung für Aufholrennen

Die Auswahlkommission belohnte offenbar in besonderem Maße die jüngsten Bemühungen von Hochschulen, gegen einen eher schlechten oder mittelmäßigen Ruf anzuarbeiten. Das erklärt beispielsweise die Aufnahme der einst als "rote Uni" geschmähten Universität Bremen, die aber mit ihren Forschungsleistungen und Drittmittelerfolgen auf sich aufmerksam macht, in die Liste. Das Bremer Beispiel soll so die anderen Hochschulen anspornen.

Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Ernst-Ludwig Winnacker sagt, dass sich die Kommission ihrer "historischen Rolle" durchaus bewusst sei. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass der Schwung, den die deutschen Universitäten im letzten halben Jahr entwickelt haben, sie auch mit weiteren kreativen Einfällen in die zweite Runde tragen wird." Im Oktober werden die weiteren Entscheidungen fallen darüber, welche Hochschule tatsächlich Mittel aus dem Elite-Fördertopf bekommt.

"Die Universitäten, die jetzt nicht zum Zug gekommen sind, werden vielleicht enttäuscht sein", sagte Winnacker. "Die Exzellenzinitiative hat eine vorher nicht gekannte Aufbruchstimmung und neuen Schwung in die Universitäten gebracht, das strategische Denken gestärkt und viele neue Ideen geboren."

Der Wettbewerb unterstütze "einen lang ersehnten Paradigmenwechsel im deutschen Hochschulsystem, mit dem wir uns von der Idee der Homogenität verabschieden", sagte der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Max Einhäupl. Insgesamt 27 Hochschulen hatten sich darum beworben, auf die Zehner-Liste zu kommen.

DFG und Wissenschaftsrat ernteten viel Lob aus der Politik. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) gratulierte den Gewinnern der ersten Runde. "Die Wissenschaft hat entschieden und die besten Konzepte ausgewählt." Die Hochschulen würden nun angespornt, weitere Konzepte zu entwickeln.

Politik will wenig Einfluss gehabt haben

"Das Exzellenzprogramm zeigt, dass Politik auch etwas richtig machen kann", erklärte Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU). "Das Verfahren ist hervorragend gelaufen, nämlich wissenschaftsgestreuert. Wir wollten keinen Einfluss haben, und wir hatten keinen Einfluss." Damit spielte Frankenberg auf eine Debatte aus den vergangenen Wochen an, welche Rolle die Politik bei der Bestimmung der akademischen Leuchttürme in Deutschland einnimmt.

Eine rheinland-pfälzische Universität schaffte es nicht in den Kreis der zehn Universitäten mit Top-Chancen auf Sonderförderung. Das bedauerte Landeswissenschaftsminister Jürgen Zöllner (SPD) und begrüßte dennoch das Verfahren der Exzellenzinitiative: "Dieser auf den ersten Blick etwas komplizierte Ansatz ist der richtige Weg, um Spitzenleistungen in der Forschung in Deutschland zu fördern", so Zöllner.

Kritiker befürchten, dass die Universitäten, die nicht zu den Auserwählten gehören, nun weitere Nachteile befürchten müssen. "Falsch wäre es, wenn die Auswahl von etwa zehn Elite-Unis dazu führt, dass die übrigen Hochschulen in eine Abwärtsspirale von geringerer Reputation und sinkenden Fördermitteln geraten", so Priska Hinz, die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion.

Die Hochschulen, die jetzt in der engeren Wahl sind, können sich noch keineswegs sicher sein, dass die Millionenzuschüsse sie erreichen werden. Nachdem sie die erste Auswahlhürde genommen haben, sollen sie bis zum 20. April ausformulierte Anträge einreichen. Im Sommer tagen abermals die international besetzten Gutachtergruppen, am 13. Oktober werden ihre Entscheidungen verkündet. Bereits im November 2006 soll dann die Förderung über fünf Jahre beginnen: für etwa 20 Graduiertenschulen, 15 "Exzellenzcluster" sowie die Zukunftskonzepte, für die DFG und Wissenschaftsrat keine konkrete Zahl nennen.

Wer diesmal leer ausgeht, kann auf die nächste Runde im Programm Ezellenzinitiative hoffen. Im zweiten Schritt soll die Zahl der geförderten Konzepte deutlich steigen: rund 40 Graduiertenschulen, Exzellenzcluster und eine offene Zahl von Zukunftskonzepten. Bewerbungsstart ist ebenfalls im April 2006, entschieden wird allerdings erst im Oktober 2007.

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