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Eliteuni-Reaktionen: Die Gewinner jubeln - zufriedene Verlierer

Champagnerlaune in Bochum, Genugtuung in Berlin: Acht Unis feiern den Einzug ins Elite-Finale der Exzellenzinitiative. Doch auch viele weitere sind zufrieden mit dem Ergebnis und hoffen auf Fördergelder - für ihre Graduiertenschulen und Exzellenzcluster.

Außenseiter Uni Bochum: "Ein bisschen Sekt haben wir heute schon getrunken"

Außenseiter Uni Bochum: "Ein bisschen Sekt haben wir heute schon getrunken"

"Ein bisschen Sekt haben wir heute schon getrunken", so Elmar Weiler, Rektor der Ruhr-Universität Bochum. Seine Hochschule stieß überraschend ins Finale der besten acht Unis vor. "Von unserem Konzept waren wir natürlich überzeugt - und sind vom Erfolg trotzdem überrascht", sagte der Professor SPIEGEL ONLINE. Den Erfolg erklärt er damit, dass die Ruhr-Universität Bochum systematisch auf ihre Stärken gesetzt habe - die "starke Vernetzung einer kooperationsfreudigen Wissenschaftlergemeinde auf einem geschlossenen Campus mit kurzen Wegen".

Auch im Siegestaumel bleibt man jedoch realistisch. "Die Chancen in der Endrunde stehen fifty-fifty", sagte Weiler. "Natürlich ist die finanzielle Förderung für die Ruhr-Universität wichtig. Aber die positive Begutachtung unserer Projektskizzen sorgt auch für einen Aufschwung auf dem Campus - wir wollen mit unseren Ideen und Visionen für die Zukunft eine gewisse Anerkennung gewinnen."

Aufatmen in Berlin

Ähnlich groß ist die Freude in Berlin, wo man zuvor geargwöhnt hatte, die nahezu bankrotte Stadt werde sowieso immerzu benachteiligt. Zwei Unis kämpfen nun um Elite-Ehren, insgesamt 15 Projekte aus der Hauptstadt sind in der Endauswahl. "Endlich wird das brillante Forschungspotenzial der Berliner Universitäten international gewürdigt", sagte Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD). "Die beteiligten Wissenschaftler haben mit diesem Ergebnis ihre Chancen im Wettbewerb mehr als gewahrt. Jetzt kommt es darauf an, die Kräfte zu bündeln und sich gemeinsam erfolgreich durchzusetzen."

Die Uni Freiburg konnte nach dem knappen Ausscheiden der vergangenen Runde ihrem Favoritenstatus gerecht werden. "Unser Zukunftskonzept ist als so hervorragend beurteilt worden, dass es für uns gar keine Frage war, es erneut einzureichen", sagte der Rektor der Universität Freiburg, Professor Wolfgang Jäger. "Mit drei Exzellenzclustern und zwei Graduiertenschulen haben wir ein phantastisches Ergebnis erreicht."

Hoch sind auch die Erfolgserwartungen in Heidelberg. "Die Chancen sind jetzt wirklich groß", betonte Professor Jochen Tröger, Prorektor für Forschung und Medizin der Universität Heidelberg. Entsprechend sollen diesmal nicht die Fehler des Vorjahres wiederholt werden. "Wir werden jetzt richtig loslegen", sagte Rektor Peter Hommelhoff. "Wir nehmen die Kritik an unserem ersten Antrag ernst, halten aber an unserem Konzept der Volluniversität fest."

Bremen schaffte es diesmal nicht in die Endauswahl, doch immerhin sind zwei Kandidaten für Graduiertenschulen weiterhin im Rennen. "Selbst wenn wir diesmal nicht in der Förderlinie drei berücksichtigt worden sind, bestätigt diese Entscheidung den Weg der Universität Bremen", kommentierte Uni-Rektor Professor Wilfried Müller das Ergebnis. "Es wird einmal mehr die hohe Forschungsqualität der Universität Bremen und ihrer wissenschaftlichen Kooperationspartner aus den Forschungsinstitutionen des Landes sowie der Jacobs University bestätigt."

Aufbruchsstimmung auch bei den Verlierern

Auch an der Uni Hannover hält sich die Enttäuschung über die verpasste Endrunde in Grenzen. "Es ist für mich keine Überraschung, dass es unser Zukunftskonzept leider nicht geschafft hat, in die Endauswahl zu kommen. Hierzu war der Andrang wohl doch zu groß", sagte Universitätspräsident Erich Barke. "Die konzeptionelle Basisarbeit ist getan, wir werden schauen, was aus eigenen Mitteln realisiert werden kann."

Die Ludwig-Maximilians-Universität in München gehört schon seit der vorigen Runde zum Spitzentrio, ist aber auch diesmal mit einem Exzellenzcluster im Rennen. "Wir sind die einzige Volluniversität, die es in der ersten Runde zur Spitzenuniversität gebracht hat", sagte LMU-Rektor Professor Bernd Huber. "Bislang waren vor allem unsere Naturwissenschaften erfolgreich - jetzt wollen wir mit unseren Geisteswissenschaften punkten."

In der hohen Zahl erfolgreicher geisteswissenschaftlicher Anträge sah Bundesbildungsministerin Annette Schavan ein positives Signal. "Im Jahr der Geisteswissenschaften ist besonders das starke Abschneiden geisteswissenschaftlicher Anträge erfreulich", sagte Schavan. Dadurch werde die hohe internationale Akzeptanz der Forschung in diesem Bereich in Deutschland deutlich.

Folgt Fortsetzung?

Für Nordrhein-Westfalen sieht es diesmal besser aus als im enttäuschenden Vorjahr - das Land mit der größten Universitätsdichte Europas ist mit zwei von acht Unis gut im Rennen. "Dass Aachen erneut in die Endrunde kommt, ist ein Ausweis für die Stärke der RWTH, war allerdings erwartet worden", sagte NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart. "Dass mit Bochum nun eine zweite NRW-Uni unter die letzten Acht gekommen ist, ist ein riesiges Kompliment für die Arbeit der Ruhr-Universität und gibt der gesamten nordrhein-westfälischen Hochschullandschaft zusätzliche Motivation bei ihrer Aufholjagd."

Die Unterstützung der Exzellenzinitiative wird zunächst bis zum Jahr 2011 gewährt. Wie es dann weitergeht, ist noch unklar. Matthias Kleiner, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erklärte, ihm liege die Nachhaltigkeit der Initiative "sehr am Herzen". Es gebe aber "ermutigende Signale", dass das Programm verstetigt werden könne.

Peter Strohschneider, der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, hält eine solche "Verstetigung", so die gemeinsame Sprachregelung, ebenfalls für notwendig. Man dürfe den angestoßenen Prozess der Dynamisierung des deutschen Hochschulsystems nicht gleich wieder stoppen. DFG und Wissenschaftsrat machen den deutschen Hochschulen also Hoffnungen, dass es nach 2011 weitergeht und zu einer dritten Runde kommen könnte.

sto/dpa/AFP

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