Austauschprogramm: Erasmus bekommt ein Plus

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Gehst du mit mir fort von hier? Eine Viertelmillion Studenten machte zuletzt Erasmus

Die EU will ihr beliebtestes Austauschprogramm umbauen: Unter dem Namen Erasmus + fasst sie künftig alle Auslandsangebote für Studenten, Schüler und Auszubildende zusammen. Das Budget soll wachsen - allerdings weniger stark als ursprünglich geplant.

Es klingt erst mal ziemlich gut, was die zuständige EU-Kommissarin da verkündet: Das Budget des beliebten Erasmus-Austauschprogramms soll ungewöhnlich hoch aufgestockt werden. Im Haushalt für die Jahre 2014 bis 2020 wächst es im Vergleich zu den sieben Jahren zuvor um bis zu 40 Prozent, auf 14,5 Milliarden Euro. Allerdings wollte die EU-Kommission 17 Milliarden in das Programm pumpen, die Mitgliedstaaten jedoch zogen nicht mit.

Zudem baut die EU das Programm um: Unter dem Namen Erasmus + fasst sie künftig alle Austausch- und Fortbildungsprogramme zusammen, darunter Leonardo-da-Vinci für Auszubildende und Comenius für Schüler. So sollen Bewerbungsverfahren vereinfacht und Bürokratie abgebaut werden. Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur und Jugend, hofft so, vier Millionen Lern- und Arbeitswilligen einen Auslandsaufenthalt zu ermöglichen.

"Erasmus ist in wirtschaftlich schwierigen Zeiten und bei hoher Jugendarbeitslosigkeit wichtiger als je zuvor", sagte sie. Das Programm mache die jungen Menschen fit für den Job. Noch vor wenigen Monaten sah es so aus, als würde das Geld für das Programm knapp. Jetzt liegt der Plan für Erasmus + vor. Damit es 2014 starten kann, müssen noch das EU-Parlament und die Regierungen der EU-Staaten zustimmen.

Erasmus in seiner bisherigen Form zählt zu den erfolgreichsten EU-Programmen, auch in Deutschland ist es sehr beliebt. Mehr Studenten aus der Bundesrepublik denn je haben im Studienjahr 2011/12 Zeit im Ausland verbracht. Insgesamt fanden 33.363 Studenten mit dem Stipendienprogramm den Weg von einer deutschen an eine ausländische Hochschule oder an einen Praktikumsplatz. Seit der Jahrtausendwende hat sich ihre Zahl damit mehr als verdoppelt. Das geht aus aktuellen Zahlen hervor, die die EU-Kommission veröffentlichte. Auch europaweit verzeichnete Erasmus mit 252.827 Teilnehmern einen Rekord.

Rund 4,5 Prozent aller europäischen Studenten erhalten ein Erasmus-Stipendium. Der Zuschuss betrug durchschnittlich 252 Euro pro Monat. Die meisten Empfänger zog es nach Spanien, gefolgt von Großbritannien und Deutschland. Universitäten in Granada, Sevilla, Madrid und Valencia gehörten zu den Einrichtungen, die die meisten Stipendiaten aufnahmen. Die sechs beliebtesten Ziel-Unis stehen mit Ausnahme der Universität Bologna damit alle in Spanien.

Gemessen an der Gesamtzahl der Studenten eines Landes, waren Studenten aus Luxemburg, Liechtenstein und Spanien am mobilsten. Insbesondere Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler sowie Juristen zeigten Lust aufs Ausland. Die meisten Stipendiaten wechselten für rund ein halbes Jahr ins Ausland.

otr/dpa

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Vom Steurzahler
spongie2000 09.07.2013
Vom steuerzahler finanzierter Urlaub - und zusätzlich gute Noten (denn die Bewertung in zahlreichen Ländern ist deutlich besser), wer darauf verzichtet, ist selber Schuld. Allerdings haben auch Personalleiter inzwischen germerkt, dass die 1.0 aus Indien und Spanien nicht ganz mit einer 1.0 hier zu vergleichen ist.
2.
whatevertheday 09.07.2013
Zitat von spongie2000Vom steuerzahler finanzierter Urlaub - und zusätzlich gute Noten (denn die Bewertung in zahlreichen Ländern ist deutlich besser), wer darauf verzichtet, ist selber Schuld. Allerdings haben auch Personalleiter inzwischen germerkt, dass die 1.0 aus Indien und Spanien nicht ganz mit einer 1.0 hier zu vergleichen ist.
Mit Erasmus nach Indien? Das wäre mir allerdings neu :-) Ansonsten stimme ich Ihnen zu, die Bewertung ist oft besser als in Deutschland. Allerdings musste ich mit Erasmus in Belgien aufgrund der viel niedrigeren Credit-Zahlen dort auch viel mehr Kurse und Stunden an der Uni absolvieren als in Deutschland...
3.
goldenboy1989 09.07.2013
Also ganz so einfach ist nicht mit der Bewertung. In vielen Ländern wird hart bewertet, sogar strenger, und die Umrechnung in "deutsche Credits" ist oft alles andere als wohlwollend. Es mag wie immer Ausnahmen geben, selbstverständlich aber in beide Richtungen. Desweitern exisitiert ein 'weltweites' Erasmus-Programm. Es nennt sich eben 'Erasmus Mundi'.
4. ...
herrdaemlich 09.07.2013
Zitat von spongie2000Vom steuerzahler finanzierter Urlaub - und zusätzlich gute Noten (denn die Bewertung in zahlreichen Ländern ist deutlich besser), wer darauf verzichtet, ist selber Schuld. Allerdings haben auch Personalleiter inzwischen germerkt, dass die 1.0 aus Indien und Spanien nicht ganz mit einer 1.0 hier zu vergleichen ist.
Also ich hab mir große Mühe gegeben und in Spanien durchweg schlechtere Noten als in Deutschland bekommen. Von Kommilitonen aus anderen Fachrichtungen habe ich ähnliches gehört. Geschenkt wurde mir nichts.
5. von wegen Urlaub und gute Noten
Allerweltschemiker 09.07.2013
Zitat von spongie2000Vom steuerzahler finanzierter Urlaub - und zusätzlich gute Noten (denn die Bewertung in zahlreichen Ländern ist deutlich besser), wer darauf verzichtet, ist selber Schuld. Allerdings haben auch Personalleiter inzwischen germerkt, dass die 1.0 aus Indien und Spanien nicht ganz mit einer 1.0 hier zu vergleichen ist.
Als ich vor genau 20 Jahren mit Erasmus Stipendium (reichte damals gerade so fuer den Flug!) nach England ging, war (ausser in den term breaks) nix mit Urlaub. Als Chemiestudent habe ich jeden Tag Vorlesungen gehoert und im Labor gearbeitet (8:00 - 18:00). Dafuer bekam ich dann in Deutschland nur ein 4-Wochen-Praktikum erlassen, sonst nichts. Aber: Ich habe in der Zeit sehr viel gelernt, wie Forschung funktioniert, wie man wissenschaftlich arbeitet, von Sprache, Kultur, Land und Leuten ganz zu schweigen. Und genau das ist der Sinn und Zweck von Erasmus. Uebrigens liegt Indien nicht in Europa...
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