Nach knapp drei Monaten Studium habe ich die erste Krise.
Allerdings quälen mich nicht in erster Linie die Klausuren, sondern mein nicht vorhandenes Latinum. Für mein Theologie-Studium muss ich es machen, an der TU Dresden dauert das drei Semester. Will ich mir das wirklich antun? Zusammen mit Altgriechisch insgesamt zweieinhalb von drei Jahren Regelstudienzeit mit alten Sprachen verbringen?
Was auch den Plan vom Auslandssemester gefährden könnte? "Sie müssen es sich doch nicht so schwer machen", sagt die nette Frau von der Studienberatung, mit der ich überlege, wie ich das Latinum umgehen kann. Theologie aufgeben? Oder vielleicht doch irgendwas mit Medien studieren? Noch nie habe ich mich so planlos gefühlt.

Mir ist selbst schnell klar: Ich will gar nicht von der Theologie und der Philosophie weg, ich will nur keine Sprachen pauken. Dafür findet sich eine simple Lösung: Indem ich auf Philosophie als Kernfach wechsle und Theologie im Nebenfach belege, muss ich zumindest im Bachelor weder Latein noch Altgriechisch machen.
Ich bin erleichtert. Kurze Zeit später kommt schon die Zusage, dass ich ins zweite Fachsemester Philosophie aufgenommen bin. Weil ich ja nur Haupt- und Nebenfach gewechselt habe, muss ich nicht noch einmal ganz von vorn anfangen.
Wie komme ich nach Kanada?
Auch meine Auslandssemester-Planung ist ein willkommener Grund, mich nicht mit meinen Prüfungen beschäftigen zu müssen. Schließlich soll es schon zum Sommersemester 2013 losgehen. Am liebsten möchte ich nach Großbritannien oder Kanada. In Europa geht es am leichtesten mit dem Erasmus-Programm: Ich müsste mich mit einem Motivationsschreiben für eine Uni bewerben, mit der das Institut ein bilaterales Abkommen hat. Bei Erasmus fallen die Studiengebühren weg, es gibt elterneinkommensunabhängig monatlich Geld und ich kann vielleicht sogar Module in Dresden anrechnen lassen.
Das Problem: Mein Institut für katholische Theologie hat leider nur Abkommen mit Städten in Österreich, Litauen und Italien, auch über Philosophie kann ich im Grunde nur nach Frankreich oder Italien. Ich könnte mich zwar initiativ an der Wunsch-Uni bewerben, dann wird es aber richtig kompliziert - und teuer. Deswegen versuche ich im Moment, ein neues bilaterales Abkommen zu arrangieren. Passende Unis in Großbritannien habe ich schon angeschrieben. Jetzt heißt es erst mal abwarten und, very british, Tee trinken - oder doch endlich mal für Klausuren lernen.
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