Ersti-Tagebuch: Hilfe, die Klausuren kommen

2. Teil: Bei Fabienne kriselt's: Latein fürs Hauptfach? Ohne mich

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Maren Volk

Nach knapp drei Monaten Studium habe ich die erste Krise.

Allerdings quälen mich nicht in erster Linie die Klausuren, sondern mein nicht vorhandenes Latinum. Für mein Theologie-Studium muss ich es machen, an der TU Dresden dauert das drei Semester. Will ich mir das wirklich antun? Zusammen mit Altgriechisch insgesamt zweieinhalb von drei Jahren Regelstudienzeit mit alten Sprachen verbringen?

Was auch den Plan vom Auslandssemester gefährden könnte? "Sie müssen es sich doch nicht so schwer machen", sagt die nette Frau von der Studienberatung, mit der ich überlege, wie ich das Latinum umgehen kann. Theologie aufgeben? Oder vielleicht doch irgendwas mit Medien studieren? Noch nie habe ich mich so planlos gefühlt.

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Die Beraterin ist Psychologin und beruhigt mich: "Wenn Sie in den Journalismus wollen, kommt es auf das Latinum ja wirklich nicht an." Dann zieht sie Tabellen mit Studienfächern und den Zugangsvoraussetzungen hervor.

Mir ist selbst schnell klar: Ich will gar nicht von der Theologie und der Philosophie weg, ich will nur keine Sprachen pauken. Dafür findet sich eine simple Lösung: Indem ich auf Philosophie als Kernfach wechsle und Theologie im Nebenfach belege, muss ich zumindest im Bachelor weder Latein noch Altgriechisch machen.

Ich bin erleichtert. Kurze Zeit später kommt schon die Zusage, dass ich ins zweite Fachsemester Philosophie aufgenommen bin. Weil ich ja nur Haupt- und Nebenfach gewechselt habe, muss ich nicht noch einmal ganz von vorn anfangen.

Wie komme ich nach Kanada?

Auch meine Auslandssemester-Planung ist ein willkommener Grund, mich nicht mit meinen Prüfungen beschäftigen zu müssen. Schließlich soll es schon zum Sommersemester 2013 losgehen. Am liebsten möchte ich nach Großbritannien oder Kanada. In Europa geht es am leichtesten mit dem Erasmus-Programm: Ich müsste mich mit einem Motivationsschreiben für eine Uni bewerben, mit der das Institut ein bilaterales Abkommen hat. Bei Erasmus fallen die Studiengebühren weg, es gibt elterneinkommensunabhängig monatlich Geld und ich kann vielleicht sogar Module in Dresden anrechnen lassen.

Das Problem: Mein Institut für katholische Theologie hat leider nur Abkommen mit Städten in Österreich, Litauen und Italien, auch über Philosophie kann ich im Grunde nur nach Frankreich oder Italien. Ich könnte mich zwar initiativ an der Wunsch-Uni bewerben, dann wird es aber richtig kompliziert - und teuer. Deswegen versuche ich im Moment, ein neues bilaterales Abkommen zu arrangieren. Passende Unis in Großbritannien habe ich schon angeschrieben. Jetzt heißt es erst mal abwarten und, very british, Tee trinken - oder doch endlich mal für Klausuren lernen.

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insgesamt 34 Beiträge
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1. Erstis...
banteng 21.02.2012
Typisch Erstis halt. Theologie zu studieren ohne sich mit Altsprachen, also die Sprachen der alten Texte, auseinandersetzen zu wollen, ist wie Ingenieurwissenschaften zu studieren aber nichts mit Mathe zu tun haben wollen. Na ja, irgendwann wird es schon zum aufwachen kommen.
2.
muehle79 21.02.2012
Zitat von bantengTypisch Erstis halt. Theologie zu studieren ohne sich mit Altsprachen, also die Sprachen der alten Texte, auseinandersetzen zu wollen, ist wie Ingenieurwissenschaften zu studieren aber nichts mit Mathe zu tun haben wollen. Na ja, irgendwann wird es schon zum aufwachen kommen.
Das ist eine Sache, die ich nun wirklich nicht verstehe. Wie hat sich das Mädel über sein Studium und dessen Inhalt vorher informiert? Was dachte sie, dass da passiert im Theologie-Studium? Irgendwie habe ich bei ihr das Gefühl: Ach, egal was, Hauptsache ich bin als Studentin eingeschrieben. Was ist, wenn für das Philosophie-Studium dann ein Matheschein oder ein Logik-Seminar gefordert ist? Gibt sie dann auf?
3.
cap_hh 21.02.2012
Zitat von muehle79Das ist eine Sache, die ich nun wirklich nicht verstehe. Wie hat sich das Mädel über sein Studium und dessen Inhalt vorher informiert? Was dachte sie, dass da passiert im Theologie-Studium? Irgendwie habe ich bei ihr das Gefühl: Ach, egal was, Hauptsache ich bin als Studentin eingeschrieben. Was ist, wenn für das Philosophie-Studium dann ein Matheschein oder ein Logik-Seminar gefordert ist? Gibt sie dann auf?
Man kann es ihr, den Profs und den Mitstudierenden nur wünschen. Auf mich macht sie auch den Eindruck von "Studieren ist ja sooo toll". Einfach mal aus der kunterbunten Bonbonwelt aufwachen und sich mal vorher informieren ist auch echt zuviel verlangt, wenn man die nächsten Jahre seines Lebens verplant. Kopfschüttelnde Grüße
4. Logik
Eodaari 21.02.2012
Zitat von muehle79Das ist eine Sache, die ich nun wirklich nicht verstehe. Wie hat sich das Mädel über sein Studium und dessen Inhalt vorher informiert? Was dachte sie, dass da passiert im Theologie-Studium? Irgendwie habe ich bei ihr das Gefühl: Ach, egal was, Hauptsache ich bin als Studentin eingeschrieben. Was ist, wenn für das Philosophie-Studium dann ein Matheschein oder ein Logik-Seminar gefordert ist? Gibt sie dann auf?
Das erinnert mich an einen Kurs über klassische Prädikatenlogik an meiner Uni. War laut Vorlesungsverzeichnis ein Wahlkurs für Studierende der Informatik, Mathematik und der Philosophie. Sehr anspruchsvoller Inhalt, der richtig Arbeit erforderte. Komischerweise waren aber nur ein paar Mathematiker drin, jedoch niemand aus der Philosophie. Warum bloß?
5.
glatzokalypse 21.02.2012
Zitat von EodaariDas erinnert mich an einen Kurs über klassische Prädikatenlogik an meiner Uni. War laut Vorlesungsverzeichnis ein Wahlkurs für Studierende der Informatik, Mathematik und der Philosophie. Sehr anspruchsvoller Inhalt, der richtig Arbeit erforderte. Komischerweise waren aber nur ein paar Mathematiker drin, jedoch niemand aus der Philosophie. Warum bloß?
Weil Philosophiestudenten faule Gammler sind, die ihr Bafög zum Feiern aufbrauchen, später mal hundertprozentig arbeitslos werden und dem Staat auf der Tasche liegen, und weil Mathestudenten grundsätzlich fleißige, hochkompetente Menschen sind, die 24 Stunden am Tag (und nochmal 24 in der Nacht) lernen und Deutschland somit helfen, seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Das wollten sie doch sagen, oder?
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