Ersti-Tagebuch: Hilfe, die Klausuren kommen

3. Teil: Larissas Déjà-vu: Den kenn ich doch...

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Sandra Bauer

Ein bisschen habe ich mich gefühlt, wie beim Politik-Eignungstest im Sommer. Damals habe ich auf vier Seiten ein Zitat von Trotzki erörtert und hinterher völlig erledigt mit meinem Freund die Stadt erkundet. Heute sitze ich im selben Hörsaal und schreibe meine erste Politik-Prüfung. Zum Eignungstest kam ich im T-Shirt und mit Sonnenbrille, diesmal packe ich mich zur Klausuren-Premiere in Strumpfhose, Jeans, Rollkragen-Fleece-Weste und weiß-rot gestreiften Glücks-Wollsocken ein. Die haben schon beim Abitur geholfen.

Das Ergebnis beim Eingangstest für mein Tübinger Politikstudium war miserabel verlaufen - es war meine gute Abi-Note, die mir schließlich den Studienplatz gerettet hat - doch dieses Mal weiß ich, was mich erwartet, und ich kenne wenigstens einen Teil der Leute um mich herum. Luisa drückt mir einen Traubenzucker-Ausdauer-Lolli in die Hand, dann geht es los: Nach neunzig Minuten habe ich meine erste Prüfung geschafft, vor dem Eignungstest war ich aufgeregter.

Die Schlacht um die Stühle

Ich habe mir schnell abgewöhnt, zum Lernen in die Bibliothek zu gehen, dort ist es einfach zu voll und ich konnte mich nur schwer konzentrieren. Stattdessen versuche ich, alles Störende aus meinem Zimmer zu verbannen oder ich verlagere meinen Lernort gleich in die Küche. Dort hindert mich lediglich der Kühlschrank hin und wieder, mich auf Regierungskrisen, Partizipationsbegriffe und autoritäre Systeme einzulassen.

Entspannen während der Klausuren-Phase geht am besten mit Freunden aus anderen Studiengängen - ansonsten ist die Gefahr groß, dass man doch wieder bei Politik landet. "Kein Wort über die Klausuren!", haben meine Freundin Patricia und ich uns fest versprochen.

Ich habe schnell gemerkt, dass man Definitionen politischer Systeme am besten bei Käse-Tomaten-Pfannkuchen oder Schoko-Birnen-Crêpes in den Tübinger Studentenkneipen aus dem Kopf scheuchen kann. Auch Patricias Weihnachtsgeschenk eignet sich gut: das Zwei-Personen-Raclette. Es ist ideal um schnell alle Reste aus dem Kühlschrank verschwinden zu lassen. Doch selbst klebriger, geschmolzener Käse und ein Einweihungsabend mit guter Freundin schaffte es nicht ganz, das Thema Klausuren aus der Küche zu verbannen.

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insgesamt 34 Beiträge
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1. Erstis...
banteng 21.02.2012
Typisch Erstis halt. Theologie zu studieren ohne sich mit Altsprachen, also die Sprachen der alten Texte, auseinandersetzen zu wollen, ist wie Ingenieurwissenschaften zu studieren aber nichts mit Mathe zu tun haben wollen. Na ja, irgendwann wird es schon zum aufwachen kommen.
2.
muehle79 21.02.2012
Zitat von bantengTypisch Erstis halt. Theologie zu studieren ohne sich mit Altsprachen, also die Sprachen der alten Texte, auseinandersetzen zu wollen, ist wie Ingenieurwissenschaften zu studieren aber nichts mit Mathe zu tun haben wollen. Na ja, irgendwann wird es schon zum aufwachen kommen.
Das ist eine Sache, die ich nun wirklich nicht verstehe. Wie hat sich das Mädel über sein Studium und dessen Inhalt vorher informiert? Was dachte sie, dass da passiert im Theologie-Studium? Irgendwie habe ich bei ihr das Gefühl: Ach, egal was, Hauptsache ich bin als Studentin eingeschrieben. Was ist, wenn für das Philosophie-Studium dann ein Matheschein oder ein Logik-Seminar gefordert ist? Gibt sie dann auf?
3.
cap_hh 21.02.2012
Zitat von muehle79Was ist, wenn für das Philosophie-Studium dann ein Matheschein oder ein Logik-Seminar gefordert ist? Gibt sie dann auf?
Man kann es ihr, den Profs und den Mitstudierenden nur wünschen. Auf mich macht sie auch den Eindruck von "Studieren ist ja sooo toll". Einfach mal aus der kunterbunten Bonbonwelt aufwachen und sich mal vorher informieren ist auch echt zuviel verlangt, wenn man die nächsten Jahre seines Lebens verplant. Kopfschüttelnde Grüße
4. Logik
Eodaari 21.02.2012
Zitat von muehle79Was ist, wenn für das Philosophie-Studium dann ein Matheschein oder ein Logik-Seminar gefordert ist?
Das erinnert mich an einen Kurs über klassische Prädikatenlogik an meiner Uni. War laut Vorlesungsverzeichnis ein Wahlkurs für Studierende der Informatik, Mathematik und der Philosophie. Sehr anspruchsvoller Inhalt, der richtig Arbeit erforderte. Komischerweise waren aber nur ein paar Mathematiker drin, jedoch niemand aus der Philosophie. Warum bloß?
5.
glatzokalypse 21.02.2012
Zitat von EodaariDas erinnert mich an einen Kurs über klassische Prädikatenlogik an meiner Uni. War laut Vorlesungsverzeichnis ein Wahlkurs für Studierende der Informatik, Mathematik und der Philosophie. Sehr anspruchsvoller Inhalt, der richtig Arbeit erforderte. Komischerweise waren aber nur ein paar Mathematiker drin, jedoch niemand aus der Philosophie. Warum bloß?
Weil Philosophiestudenten faule Gammler sind, die ihr Bafög zum Feiern aufbrauchen, später mal hundertprozentig arbeitslos werden und dem Staat auf der Tasche liegen, und weil Mathestudenten grundsätzlich fleißige, hochkompetente Menschen sind, die 24 Stunden am Tag (und nochmal 24 in der Nacht) lernen und Deutschland somit helfen, seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Das wollten sie doch sagen, oder?
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