UniSPIEGEL-Kolumne: Veganer-Keile mit der Rinderkeule

Suppe und Brot waren gestern, heute verlangen Studenten mehr vom Mensa-Essen - am besten Ratatouille von glücklichen Zucchini. Um ihre Kantine zu korrektem Öko-Kochen zu erziehen, rief der Gelsenkirchener Asta zum Futter-Boykott auf. Guido Kleinhubbert findet das Banane.

Gelsenkirchener Mensa-Boykott: Zu kurz gedacht Fotos
picture-alliance / dpa

Früher gab es in Betriebskantinen und Mensen meist nur einen Schlag Suppe und eine Scheibe Graubrot dazu. Gegessen wurde, was auf den Tisch kam, man störte sich nicht an schlechtem Geschmack und anschließendem Blähbauch. Heute sind Arbeitnehmer und besonders Studenten anspruchsvoller geworden.

Ständig ist ihnen das Servierte zu fett oder zu fad, immer mehr wünschen sich den Einsatz soeben gepflückter Kräuter oder verlangen nach veganem Essen, weshalb derzeit ein Experte durch die Mensen zieht und dem Personal das Kochen ohne tierische Produkte erklärt. Früher hätten die Küchenbullen so einen Besucher mit einer Rinderkeule vermöbelt, genau wie die Flegel, die mit Essen spielen und daraus Kunstwerke drapieren.

Fotostrecke

13  Bilder
Mensa-Kunst: Mariosotto, Carrotiger, Pacmedaillon
Derlei Zeiten sind glücklicherweise vorbei, der Gelsenkirchener Asta hätte mit Blick auf sein Verhältnis zu Lebensmitteln aber zumindest eine zarte Ohrfeige verdient. Er rief die Kommilitonen auf, der Mensa einen Tag fernzubleiben, unter anderem, weil das Essen dort geschmacklich und ökologisch nichts tauge. Stattdessen wurden im Innenhof Folienkartoffeln ausgegeben, dazu legte ein DJ auf, weil das Ohr ja schließlich mitisst.

Die Mensa-Küche wurde erst am Morgen des Streiks vom AStA informiert, bis dahin nahm man billigend in Kauf, dass 900 Portionen, gut eine halbe Tonne vorgekochtes Essen, hätten entsorgt werden müssen. Glücklicherweise las ein Küchenmitarbeiter auf Facebook von dem geplanten Coup, so konnte das Essen im letzten Moment eingefroren werden. Ob die Küchenchefs sehnsüchtig an Rinderkeulen gedacht haben, ist nicht überliefert.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ökodiktatur
Diskutierender 24.07.2012
Übrigens hätte ich sicherlich nicht beim Boykott mitgemacht. Mir reicht normales Essen. Als ich selbst studiert habe, da konnte man das Öko-Vollwertessen getrost als "Biotonne querbeet" bezeichnen. Der Abschuss war "Currywurst vegetarisch". Von so etwas habe ich dann auch schlicht die Finger gelassen. Ich wünsche jedenfalls nicht, von solchen Möchtegern-Ökodiktatoren erzogen zu werden.
2.
LeToubib 24.07.2012
*"Suppe und Brot"* Wann soll denn das gewesen sein? Die Mensen, die ich kenne (Konstanz, Freiburg, Fribourg/CH, Bern/CH, Trier), rangieren von "sehr gut" (Konstanz) bis "nicht essbar" (Freiburg), aber nur "Suppe und Brot" gab es nirgends ...
3. optional
rgh1974 24.07.2012
Ich frage mich, wann der Autor das letzte mal in einer Mensa oder Kantine gewesen ist? Wahrscheinlich, als der Kaiser noch Wilhelm hieß und nicht Franz. Das vegetarische Essen in der Mensa ist schon seit vielen Jahren eine gute alternative auch für uns Nicht-Vegetarier und Fleisch und Gemüse kommen auch meist vom ökologisch überwachten Vertragsbauern.
4. Folienkartoffeln
Reg Schuh 24.07.2012
Hm.... Folienkartoffeln sind doch Kartoffeln, die in Alufolie einzeln verpackt gebacken werden, oder? Wenn der Redakteur dieser Kolumne sich nicht mit dem Begriff ("Back-Kartoffel" - "Folien-Kartoffel") geirrt hat, dann wurden da größere Mengen an Alufolie benutzt, und bei der üblichen Eß-Disziplin vermutlich nicht hinterher getrennt dem Aluminium-Recycling zugeführt. Jedenfalls befürchte ich genau das. Hoffentlich waren die Kartoffeln denn aus ökologischem Anbau. Wenn das auch geschmackliche sicher mal was anderes ist - es fehlen einige Vitamine und Mineralien, wenn man zu den Folienkartoffeln nichts grünes dazu ißt.... Es ist ja nicht so, daß eine Mensa eine gewinn-orientierte Aktiengesellschaft ist, der man mit einem Boykott mal einen Dämpfer versetzt, sondern eine subventionierte Anstalt, deren Auftrag es ist, günstig Studenten zu verpflegen (und dabei nichts wegzuwerfen!!!). Unter diesem Gesichtspunkt ist an dem Eintopf mit Resten vom Vortag überhaupt nichts einzuwenden.
5.
SeL_ 24.07.2012
Dieser Artikel ist ein Tiefpunkt in Sachen Recherche und Wiedergabe, der selbst meine schlechten Erwartungen unterbietet. 1. Die richtige Schreibweise ist AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss), wobei das allerdings der mir unverständlichen "Hauspolitik" des Spiegel zum Opfer gefallen sein könnte, nach der in Abkürzungen wie EHEC und ACTA (zwei Beispiele, die mir aufgefallen waren) jegliche Großschreibung nach dem ersten Buchstaben wegrasiert wird. 2. Es wird völlig vernachlässigt, anzugeben, zu welcher Hochschule dieser AStA gehört, eine eigentliche notwendige Information zur Identifikation des Subjekts. Eine kurze Recherche ergibt die "Westfälische Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen". 3. Recherchiert man ein wenig über den Streik, so findet man schnell heraus, dass es um mehr ging als um Qualität und Zutaten des Essens. Vor allem gab es einen konkreten Anlass für den Streik, nämlich eine Preiserhöhung. Einen besserer Artikel habe ich auf http://www3.fh-gelsenkirchen.de/JPR/lro/bp_neu.php?id=4533 gefunden. Selbst wenn die Darstellung des Autors stimmen würde, hätte ich Verständnis für den Streik, denn wie sonst soll man gegen schlechte Qualität des Essens protestieren? Einziger gültiger Kritikpunkt, wenn er denn stimmt, wäre die späte Information. Aber auch da habe ich meine Zweifel. Der Streik wurde z.B. auf http://www.asta-weho.de/akafo-streik-2.html angekündigt. Mein Fazit: schnell heruntergeschriebenes, subjektives Gewäsch, Lücken in der Recherche durch Klischees aufgefüllt, und alt (der Streik fand am 14.6. statt) – als Verantwortlicher eines "Nachrichtenmagazins" würde ich weder Geld zahlen noch meine Website für diesen Text zur Verfügung stellen. Ich war übrigens in meiner langen Unizeit treuer Besucher "meiner" Mensa.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Studium
RSS
alles zum Thema Universitäten
RSS

© UniSPIEGEL 4/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 26 Kommentare
Titelbild
Heft 4/2012 Studenten wollen die Rüstungsforschung an den Unis stoppen

Fotostrecke
So wollen Studenten ihre Unis verbessern: Wünsch dir was