European Business School: Hessen fordert 800.000 Euro zurück

Jetzt ist es amtlich: Die European Business School in Oestrich-Winkel hat Steuergeld offenbar nicht ordentlich eingesetzt. Das zeigt ein neuer Prüfbericht. Hessen fordert 800.000 Euro von der ohnehin schon klammen Privat-Hochschule zurück.

EBS-Campus in Oestrich-Winkel: Hochschule unter besonderer Beobachtung Zur Großansicht
Thomas Lohnes / dapd

EBS-Campus in Oestrich-Winkel: Hochschule unter besonderer Beobachtung

Es geht um viel Geld: 17 Millionen Euro hat die die European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel in den Jahren 2009 und 2010 vom Land Hessen bekommen. Sie sollte damit eine juristische Fakultät aufbauen. Dass das aber aber offenbar alle Fördergelder in die neue Law School geflossen sind, zeigt der Prüfbericht einer Stuttgarter Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, der am Mittwoch in Wiesbaden von der hessischen Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann vorgestellt wurde.

Danach gibt es einige Unstimmigkeiten bei den Abrechnungen: Personal, das nur teilweise am Aufbau der Law School mitwirke, sei von der EBS zu einem hohen Anteil in die Förderung eingerechnet worden. Außerdem fehlten Belege über die Vergabe von abgerechneten Aufträgen.

Die Wissenschaftsministerin zieht daraus Konsequenzen: Sie fordert für die beiden Jahre mindestens 800.000 Euro von der privaten Hochschule zurück. Damit ist der Fall aber noch nicht abgeschlossen. Weitere Prüfungen folgen, die Rückforderung könne sich noch um weitere 666.000 Euro erhöhen. Zunächst wolle das Ministerium aber eine Stellungnahme der EBS abwarten. Einige Sachverhalte seien von den Wirtschaftsprüfern anders beurteilt worden als von der EBS. Diese Punkte gelte es zu klären.

Die Universität äußerte sich in einer knappen Mitteilung. Darin heißt es, der Bericht sei der Hochschule am Mittwoch zugestellt worden und werde zurzeit genau geprüft. Das könne einige Tage in Anspruch nehmen. Bis dahin könne die Hochschule keine Aussagen zu den Inhalten des Berichts treffen.

Die Rückforderung des Ministeriums ist nicht der einzige Fall, mit dem sich die private Hochschule im Moment herumschlagen muss. Im Raum steht auch der Verdacht der Untreue durch Christopher Jahns, den ehemaligen Präsidenten der EBS. Insgesamt 180.000 Euro soll Jahns an seine eigenen Firmen transferiert haben.

Mit dem Fall beschäftigt sich zurzeit die Staatsanwaltschaft Wiesbaden. Anfang April durchsuchte sie mehrere Standorte der EBS, auch die Privatwohnung von Christopher Jahns. Der Fall wird zurzeit noch geprüft, teilt die Staatsanwaltschaft mit.

Die Hochschule leitet Christopher Jahns schon längst nicht mehr - einen enormen Schaden wird sie aber trotzdem haben. Die Leitung hat zum 1. Juni Rolf Cremer, langjähriger Dekan der China Europe International Business School, übernommen. Gegen seine Entlassung geht Jahns juristisch vor.

Für den Aufbau der juristischen Fakultät hätte die EBS zwischen 2009 und 2012 insgesamt 24,7 Millionen Euro vom Land Hessen bekommen. Obwohl Jahns nicht mehr Präsident der Hochschule ist, hat das Land noch ausstehende Zahlungen eingefroren, die ohnehin knapp bei Kasse ist, wie der neuer Chef Cremer im SPIEGEL-ONLINE-Interview einräumte. Zunächst müsse die Prüfung komplett abgeschlossen sein, teilte das Ministerium mit.

Die Opposition im Landtag wirft der hessischen Regierung vor, erst auf öffentlichen Druck hin aktiv geworden zu sein. Linkspartei, SPD und Grüne forderten mehr Transparenz und verlangten, dass der vollständige Bericht dem Landesparlament vorgelegt werden müsse.

Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Thomas Spies kritisierte, erst habe die Landesregierung den hessischen Hochschulen 30 Millionen Euro weggenommen, um "diese dann im EBS-Parkhaus zu verbuddeln und dabei noch nicht einmal die korrekte Verwendung der Mittel zu prüfen", Die CDU-Fraktion hingegen lobte die Regierung für ihr "klares und überlegtes Handeln" und das eindeutige Vorgehen.

mer/dapd

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1. -_-
+.+ 25.07.2011
Bedenklich ist ja das sich das Teil Business School nennt, die Leute aber scheinbar nicht mit Geld umgehen können (was nach meiner bescheidenen Vorstellung die Kernkompetenz einer BUSINESS School sein sollte)
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