Exotenfächer: Bier, Golf, Surfen - Großbritanniens schrillste Unikurse

Von Anna Regeniter

BWL oder Jura studieren kann jeder. Mutige Studenten in Großbritannien wählen deswegen exotische Kurse wie Bierbrauen, Surfen oder Golfspielen: Die Abschlüsse sind als Mickey-Mouse-Diplome verschrien - bieten aber überraschend gute Jobchancen.

Das Bier als Studienfach: Alexander Hellkamp aus Oberhausen studiert seit drei Jahren Brauerei und Destillation in Edinburgh. Die Idee hatte er während eines Praktikums in einer Brauerei in Österreich. "Danach war ich fest entschlossen, einmal Brauer zu werden", sagt Alexander. Mit Biertrinken hat das Fach wenig zu tun - auch wenn der 20-Jährige heute im Labor ausnahmsweise einen Schluck des selbstgebrauten Saftes kosten darf. Eigentlich pauken die Studenten in den Vorlesungen Biochemie und Molekularbiologie. Eine Vorliebe für Bier und Whisky reicht nicht aus, um das Studium erfolgreich abzuschließen.

Nur zehn Studenten ergattern in jedem Jahr einen der begehrten Studienplätze an der Heriot-Watt University. Der Studiengang lockt junge Leute aus der ganzen Welt. James Valm ist von New York nach Schottland gezogen, um sich an der Uni einzuschreiben. "In Chicago gab es bis vor kurzem einen ähnlichen Studiengang", erzählt der 25-Jährige, "aber der wurde eingestellt. Die Regierung sah es nicht gerne, dass in einem Universitätsgebäude Alkohol hergestellt wurde." In Schottland, wo Whisky und Bier in rauen Mengen fließen, gibt es solche Bedenken offenbar nicht.

Die angehenden Brauer haben nach dem Studium rosige Jobaussichten. Das berichten übrigens auch Absolventen des deutschen Studienganges Brauwesen in Weihenstephan bei München. Die Getränkeprofis kommen problemlos in Brauereien und Destillerien unter, bei Molkereien oder Softdrink-Herstellern. "Bei uns ist die Konkurrenz kleiner als in Massenfächern wie Psychologie oder Journalismus", sagt Brauerei-Student Liam Dawson.

Exotische Fächer mit Mickey-Mouse-Abschluss

In Großbritannien sind gerade kleine Fächer bei Studienanfängern beliebt – auch wenn die angehenden Akademiker wegen ihrer exotischen Studienwahl oft belächelt werden. Die Abschlüsse werden als "Mickey Mouse Degrees" mit geringer oder keiner akademischen Bedeutung verhöhnt. Spätestens auf dem Arbeitsmarkt haben die Absolventen jedoch die Trümpfe in der Hand. Durch ihre spezielle Ausrichtung können sie problemlos eine Nische finden.

Die Hochschulen wollen deshalb gezielt Absolventen mit Detailwissen ausbilden: "Wenn unsere Studenten in der globalen Wirtschaft mithalten wollen, ist es wichtig, dass eine Vielfalt von Kursen angeboten wird", sagt Drummond Bone, Präsident von Universities UK, einem Zusammenschluss britischer Hochschulen. Politiker, Industrielle und Akademiker sind sich einig: Für die Wirtschaft des Landes sind die Mickey-Mouse-Fächer von großer Bedeutung. Selbst der britische Bildungsminister Alan Johnson schließt sich den Lobeshymnen an: "Wir vermitteln das Wissen, das Arbeitgeber brauchen."

So wie die Universität in Lincoln, die einen Golf-Studiengang anbietet. Die Studenten haben glänzende Aussichten, nach ihrem Abschluss einen Job in der in Großbritannien boomenden Golfindustrie zu bekommen. "Wir können als Golfprofi, Platzmanager oder Coach arbeiten", sagt Christian Swann aus Donegal in Irland. "Gleichzeitig verbessern wir unser eigenes Spiel." Die Wahl des Studiums fiel ihm leicht: "Ich wollte Spaß haben, Golf spielen und am Ende einen Bachelor-Titel verliehen bekommen. Dieser Kurs war absolut perfekt für mich."

Ganz ohne Grundlagen kommen die Studenten nicht durch das Studium. Sie lernen Anatomie, Biomechanik und technische Aspekte des Golfsportes. Die Stellen in der Branche haben sich in den vergangenen Jahren vervielfacht. Die Sport- und Freizeitindustrie in Großbritannien hat mittlerweile einen Jahresumsatz von 10 Milliarden Pfund, umgerechnet 14 Milliarden Euro.

Auch die Literatur musste einst um ihren Ruf kämpfen

In Großbritannien bieten viele Hochschulen Abschlüsse in exotischen Fächern an. In Portsmouth können Studenten einen Bachelor-Abschluss in Wassersport erwerben, an der London Metropolitan University gibt es den Studiengang Kosmetik und am Duchy College Surftechnologie. Nach dem Studium können die Experten neueste Techniken für Surfbretter ausfuchsen. Damit die Profis noch schneller und wilder über die Wellen jagen können.

Daneben können sich Studenten für die Studiengänge Weinstudien oder Sportbekleidung einschreiben. Und wer dann noch unschlüssig ist, für den ist vielleicht der Bachelor in "Business Decision Management" an der University of Bedfordshire richtig - ein Studiengang darüber, wie man Entscheidungen trifft.

Professoren und Studenten der kleinen Studiengänge sollten sich keine Sorgen darüber machen, dass die Abschlüsse von den Mickey-Mouse-Fächern gerne mal belächelt werden. So manches Fach hatte in frühen Jahren um seinen Ruf zu kämpfen. Als 1828 das University College in London als erste Uni in Großbritannien einen Bachelor in Literatur anbot, ereiferten sich ebenfalls die Kritiker. Wozu man Kurse in Lyrik oder Literaturgeschichte braucht, leuchtete den Akademikern nicht ein. Und heute? Es gibt kaum eine Uni, an der man das Fach nicht studieren kann.

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