Expertenbefragung: Studenten leiden zunehmend an Burnout-Symptomen

Die Umstellung auf das Bachelor-Master-Studium sowie steigender Leistungs- und Konkurrenzdruck setzen deutschen Studenten zu: Experten stellten bei ihnen zunehmend burnoutähnliche Symptome fest. Einer Befragung zufolge lassen sich vor allem Männer weniger helfen.

Burnout-Syndrom (Symbolbild): Studentinnen leiden verstärkt an Stress und Überforderung Zur Großansicht
Corbis

Burnout-Syndrom (Symbolbild): Studentinnen leiden verstärkt an Stress und Überforderung

Chemnitz - Überfordert die Umstellung auf das Bachelor-Master-System die Studenten in Deutschland? Bei einer Befragung unter psychologischen Beratern von Studentenwerken aus 14 Bundesländern stellten Experten eine deutliche Tendenz zu einer allgemeinen Überlastung und psychischen Erschöpfung bei Studenten fest.

Obwohl die meisten Fachleuten den Begriff Burnout angesichts der unterschiedlichen Erschöpfungserscheinungen mit Skepsis betrachteten, sehen 61 Prozent der Berater vor allem in den vergangenen fünf Jahren "einen deutlichen Anstieg von Burnout im engeren Sinne", erklärte die Autorin der Diplomarbeit im Fach Soziologie an der TU Chemnitz, Doreen Liebold.

Als Ursache hätten die Fachleute vor allem die Umstellung auf das Bachelor-Master-Studium benannt. Problematisch seien die erhöhte Arbeitsdichte und der Mangel an Freiräumen, verbunden mit dem gesamtgesellschaftlich steigenden Leistungs- und Konkurrenzdruck. Der Begriff Burnout werde aber im Beratungsalltag mit einer gewissen Vorsicht verwendet. Laut Liebold ist er "wenig geeignet, da er unspezifisch ist und bislang eine eindeutige Definition fehlt".

Hohe Dunkelziffer

Unterschiede zwischen einzelnen Studienrichtungen machte die Mehrheit der Experten nicht aus - wohl aber zwischen Männern und Frauen: Nach Auffassung der meisten Berater weisen männliche Studenten Hilfe ab. Ihre Probleme äußerten sich besonders in Lern- und Arbeitsstörungen. Demgegenüber litten Studentinnen verstärkt an Stress und Überforderung, verbunden mit psychosomatischen Beschwerden oder depressiven Verstimmungen.

In ihrer Diplomarbeit stieß die Wissenschaftlerin zudem auf das Problem Suchtmittel, bei dem es vor allem um Präparate zur Steigerung der kognitiven Leistungsfähigkeit gehe. "47 Prozent der Befragten waren in ihrem Beratungsalltag schon einmal mit dem Thema Leistungsdoping konfrontiert." Vermutet werde zudem eine hohe Dunkelziffer, erklärte Liebold.

Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der befragten Berater kritisierte, dass die aktuellen Personalausstattungen in den Beratungsstellen der Studentenwerke "angesichts der sich anstauenden Probleme völlig unzureichend sind", formulierte die Autorin weiter. Ihre Abschlussarbeit schrieb die Studentin an der Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften am Lehrstuhl für Industrie- und Techniksoziologie bei Professor Dr. G. Günter Voß.

Vergleichbare Erhebungen aus der Zeit vor der Einführung des Bologna-Prozesses sind nach TU-Angaben nicht bekannt. Andere Studien hätten psychosoziale Schwierigkeiten oder psychische Erkrankungen von Studenten nur allgemein erfasst, Burnout als Untersuchungsgegenstand sei bisher vernachlässigt worden, hieß es.

Für ihre Studie hat Liebold die von April bis Juni 2011 bei ihr eintreffenden schriftlichen Antworten auf einen per E-Mail versandten Fragebogen ausgewertet. Die 36 teilnehmenden Berater verteilten sich auf 25 Studentenwerke aus fast allen Bundesländern außer Hessen und Bayern - und damit auf 60 Prozent der deutschen Studentenwerke mit psychologischen Beratungsstellen.

jjc/dpa

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insgesamt 37 Beiträge
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1. Falscher Ansatz
die_piratenbraut 26.02.2012
Zitat von sysopDie Umstellung auf das Bachelor-Master-Studium sowie steigender Leistungs- und Konkurrenzdruck setzen deutschen Studenten zu
Nicht die Überforderung durch Studium oder Beruf fördern den Burn Out, es sind die fehlenden Ausgleiche, die es im früheren Gesellschaftsmodell mit großer Familie und oder vielen Freunden gab. Heute leben Singles in der Freizeit verstärkt in der virtuellen Welt und es fehlen immer mehr die entspannenden und Kraft schenkenden Momente. Aber das kann jeder für sich selber ändern.
2. eignung
aquarelle 26.02.2012
Zitat von sysopDie Umstellung auf das Bachelor-Master-Studium sowie steigender Leistungs- und Konkurrenzdruck setzen deutschen Studenten zu: Experten stellten bei ihnen zunehmend Burnout-ähnliche Symptome fest. Einer Befragung zufolge lassen sich vor allem Männer weniger helfen. Expertenbefragung: Studenten leiden zunehmend an Burnout-Symptomen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,817624,00.html)
Ich glaube auch, dass viele einfach nicht fürs Studium geeignet sind. Man muss viel selbst organisieren und sich selbst in den Hintern treten. Zeit muss eingeteilt, Fristen müssen eingehalten werden, das ist nicht Jedermanns Sache. Aufgrund des laschen Abiturs in vielen deutschen Regionen, gibt es viel mehr Studienberechtigte und viele denken, sie müssten mit Abitur unbedingt studieren. Hinzu kommt, dass sie evtl. vom Fach überfordert sind und der große Andrang an den Unis seit letztem Semester machen die Studienbedingungen nicht einfacher. Wer sich da nicht behauptet, geht in der Masse unter.
3. xxxx
snafu-d 26.02.2012
Zitat von sysopDie Umstellung auf das Bachelor-Master-Studium sowie steigender Leistungs- und Konkurrenzdruck setzen deutschen Studenten zu: Experten stellten bei ihnen zunehmend Burnout-ähnliche Symptome fest. Einer Befragung zufolge lassen sich vor allem Männer weniger helfen. Expertenbefragung: Studenten leiden zunehmend an Burnout-Symptomen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,817624,00.html)
Blödsin.... Der Grund ist m.E. eher darin zu suchen, dass in dem deutschen Wahn, alle zu "Akademikern" zu machen, Leute studieren, die weder das Potential noch die Motivation dafür haben. Und das verursacht natürlich Stress. Hat aber nichts mit der Umstellung auf das Bachelor-Master-Studium zu tun, das ist m.E. nur eine billige Ausrede.
4. Zunehmend?
ditor 26.02.2012
Zitat von sysopExperten stellten bei ihnen zunehmend Burnout-ähnliche Symptome fest. Einer Befragung zufolge lassen sich vor allem Männer weniger helfen.
Ist man sicher dass es zunimmt? Studenten die diverse Stresssymtome zeigten und verschiedene Mittelchen nahmen, konnte man schon vor vielen Jahren beobschten. Bewusstes Rausprüfen hinterließ schon seinerzeit einige Wracks.
5. Burnout?
prefec2 26.02.2012
Zitat von sysopDie Umstellung auf das Bachelor-Master-Studium sowie steigender Leistungs- und Konkurrenzdruck setzen deutschen Studenten zu: Experten stellten bei ihnen zunehmend Burnout-ähnliche Symptome fest. Einer Befragung zufolge lassen sich vor allem Männer weniger helfen. Expertenbefragung: Studenten leiden zunehmend an Burnout-Symptomen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,817624,00.html)
Die meisten Fälle (80-90% je nach Studie) von Burnout sind Depressionen. Bei Studierenden sind diese übrigens häufiger und in der Tat in den letzten Jahre nochmals angestiegen. Anstelle hier dauernd von Burnout zu faseln sollte der SPIEGEL das Kind auch einfach mal beim Namen nennen. Burnout suggeriert, dass das Problem mit dem Job also dem Studium und ggf. der Doppelbelastung mit der eigenen Finanzierung zusammenhängt. Dabei sind das selten die Gründe für die Depression. Folgende Probleme sind dabei wesentlich relevanter: a) Entsolidarisierung der Studierenden, weil sie alle Konkurrenten sind. Das Konkurrenzdenken hat auch im Studium zugenommen und trägt jetzt Früchte. b) Monotonie der Studiengänge. Für echte Bildung ist keine Zeit bzw. es wird das entsprechende Gefühl provoziert. Es herrscht Fremdbestimmung das ist nicht gut um als Individuum zu reifen. Gerade junge Menschen empfinden dies als Stress dem sie nicht entgehen können. Dies wiederum behindert Beziehungen aller Art zu Mitmenschen und dies ist schlussendlich ein wichtiger Nährboden für Depressionen. c) Die einzelnen Module im Studium und die rigorose Taktung führen dazu, dass oft schwer ein Zusammenhang erkennbar ist. Dies erhöht das Gefühl der Sinnlosigkeit im Studium. Und d) viele Studieren heute etwas praktisches anstelle etwas was für sie persönlich eine Bedeutung hat. Dies ist ein weiterer Hinderungsgrund für die Zufriedenheit. Natürlich kommt noch hinzu, dass heute zu oft geprüft wird. Was auch automatisch dazu führt, dass die Inhalte einfach abgefragt werden und das Wissen nicht genutzt werden muss. Transferfragen sind hier wesentlich nützlicher in einer Klausur aber oft schwer zu stellen. Das Studium sollte projektorientierter sein. Gerade bei MINT-Fächern sollte der Bachelor 8 Semester dauern. Ob das für Soziologen auch sinnvoll wäre müssen die Soziologen entscheiden. Das selbe gilt natürlich auch für alle anderen Fächer. Der Master darf gerne dennoch 4 Semester lang sein was dann an die alten Studienzeiten wieder heranreicht. Es ist sowieso nicht zu verstehen wo die Leute heute ein Jahr weniger Schule haben und 3 Jahre länger arbeiten sollen warum sie dann auch noch 3 Jahre kürzer studieren sollen. Was soll der Scheiß?
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