Extremismus-Vorwurf: Uni Leipzig feuert umstrittenen Honorarprofessor

Michael Vogt ist Experte für Krisenkommunikation - und seit heute nicht mehr Honorarprofessor an der Uni Leipzig. Schuld daran sind angebliche Kontakte in die rechte Szene, die Vogt jedoch bisher dementiert hat.

Am Donnerstagabend hat es noch einmal ein Treffen zwischen Vogt und der Institutsleitung gegeben. Nun steht fest: Michael Vogt, der umstrittene Honorarprofessor, muss gehen. "Das Institut wird bei der Fakultät und der Universitätsleitung einen Antrag auf Beendigung der Lehrtätigkeit von Prof. Vogt an der Universität Leipzig in die Wege leiten", erklärt der Leipziger Professor Michael Haller in einer Pressemitteilung.

Uni Leipzig (Neubau): Seit Tagen hatte es Diskussionen um die Zukunft des Kommunikationswissenschaftlers Michael Vogt gegeben.
DDP

Uni Leipzig (Neubau): Seit Tagen hatte es Diskussionen um die Zukunft des Kommunikationswissenschaftlers Michael Vogt gegeben.

Um Vogts Zukunft war in Leipzig seit Tagen heftig diskutiert worden. Gestern hat der Studentenrat seine Abberufung gefordert. Seit einiger Zeit gibt es unschöne Vorwürfe gegen ihn: Es ging es um den Film "Geheimakte Heß", den Vogt im Jahr 2004 gedreht hatte. Er handelt vom Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß - und ist wegen wissenschaftlicher Fehler umstritten. Hinzu kommt ein dubioses Treffen am 25. September in Straßburg. Dazu hatte die - inzwischen zerbrochene - rechtsextreme Fraktion "Identität, Tradition, Souveränität" (ITS) im Europäischen Parlament eingeladen. Nach Aussagen von Teilnehmern soll Vogt dabei gewesen sein. Er selbst stritt das auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE ab: "Ich kann mir nicht erklären, warum mein Name dort auftaucht, ich war an diesem Tag definitiv nicht in Frankreich, ich habe deshalb sofort veranlasst, dass mein Name gelöscht wird." Teilnehmer des Treffens, der Bundesvorsitzende der Republikaner, Rolf Schlierer, erinnern sich anders: "Ja, er war da, wir haben sogar miteinander gesprochen."

Es dürfte sich nur schwerlich um eine Verwechslung gehandelt haben. Schließlich kennen sich Vogt und Schlierer gut, beide waren während ihrer Studentenzeit Mitte der siebziger Jahre Funktionäre in der Deutschen Burschenschaft. Schlierer war Mitglied der Gießener Burschenschaft Germania, Vogt in der pflichtschlagenden Münchner Verbindung Danubia.

Wert legt die Uni Leipzig übrigens darauf, dass Vogts politische Auffassungen oder Aktivitäten in seiner Arbeit "nach Aussagen der Studierenden zu keiner Zeit eine Rolle gespielt" hätten.

chs/ddp

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