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Exzellenzinitiative: "Der Elite-Wettbewerb schwächt die Hochschulen"

Spitzenunis findet Richard Münch überhaupt nicht spitze - sondern überflüssig. Im Interview erklärt der Bamberger Soziologe, warum er das Geld aus der Exzellenzinitiative für ein "problematisches Geschenk" hält und den Studenten eher Nachteile drohen.

SPIEGEL ONLINE: Nach den Vorreitern TU und LMU München sowie Karlsruhe dürfen sich nun bald weitere Universitäten das Elite-Siegel anhängen. Wie viele Spitzenunis braucht Deutschland?

Soziologe Münch, Autor des Buches "Die akademische Elite": "Zahl der Spitzenforscher nimmt nicht zu"
Uni Bamberg

Soziologe Münch, Autor des Buches "Die akademische Elite": "Zahl der Spitzenforscher nimmt nicht zu"

Münch: Am liebsten keine einzige. Der ganze Wettbewerb ist so aufgezogen, dass er paradoxerweise die Hochschulen in Deutschland schwächt, statt sie zu stärken.

SPIEGEL ONLINE: 1,9 Milliarden Euro für eine Verschlimmbesserung?

Münch: Der Elite-Wettbewerb hatte sicherlich eine gute Intention, nämlich die Forschung zu forcieren. Auch gegen die Abkehr vom Gießkannenprinzip ist nichts einzuwenden. Das Geld ist jedoch ein problematisches Geschenk: Es wird in Strukturen und Standorte gepumpt und nicht direkt in Köpfe investiert. Die Spitzenkräfte eines Fachgebiets, die die Forschung vorantreiben, sitzen aber nicht alleine an einer Hochschule, sondern sind über viele Standorte verteilt.

SPIEGEL ONLINE: Um solche Netze zu stärken, fördern die Initiatoren sogenannte Exzellenzcluster, für die sich mehrere Unis zusammentun können. Ist das falsch?

Münch: Die in der Regel 25 Forscher, die ein solcher lokaler Verbund mehrerer Forschungseinrichtungen umfasst, sind niemals alles Spitzenkräfte. Es werden im Gegenteil sogar viele Projektmitarbeiter finanziert, die ansonsten nicht an der Uni geblieben wären und es nach Auslaufen ihrer Projekte schwer haben werden, dort unterzukommen. So vergrößert man das akademische Proletariat. Die Zahl der tatsächlichen Spitzenforscher nimmt um keinen einzigen zu, der Wettbewerb wird im Gegenteil sogar behindert.

SPIEGEL ONLINE: Viele Hochschulen kamen bislang bei dem Wettbewerb nicht zum Zuge. Mit welchen Folgen?

Münch: Diese Universitäten werden in einer akademischen Zwei-Klassen-Gesellschaft zunehmend an den Rand gedrängt und zu reinen Lehranstalten degradiert. In der Folge werden künftig Forschung und Lehre sogar räumlich getrennt, eine weitere Abkehr vom Ideal der Einheit von Forschung und Lehre.

SPIEGEL ONLINE: Was haben die Studenten von der Exzellenzinitiative?

Münch: Mit den Studenten hat das Ganze zunächst gar nichts zu tun, es sei denn, sie bekommen als Hilfskräfte oder später als Doktoranden einen Teil der Fördergelder ab. Die Masse der Studenten hat aber eher Nachteile, weil ihre Professoren durch den erheblichen Aufwand ja zunehmend von der Exzellenzinitiative absorbiert werden: Sie müssen noch mehr Anträge schreiben als bisher, sich vor Hochschulgremien rechtfertigen und die Forschungsarbeit evaluieren. Umso weniger Zeit haben die Dozenten für ihre Studenten.

SPIEGEL ONLINE: Wem nutzt dann der Geldsegen?

Münch: Letztlich geht der Großteil in die Verwaltung, die Bürokratie wird weiter aufgebläht. Und dann profitiert vor allem die Außendarstellung ausgewählter Hochschulen. Vergleicht man die Uni mit einer Firma, dann könnte man sagen, dass die Marketing-Abteilung gestärkt wurde.

Das Interview führte Jan Friedmann

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Forum - Elite-Unis - Wege aus der Bildungsmisere?
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1. Deutsche Unis erreichen bald Aldiniveau
kellitom, 19.10.2007
Auf dem Weg zu Unternehmen sinkt das Niveau deutscher Universitäten kontinuierlich auf Aldiniveau. Master und Bachelor statt Diplom sind Ausdruck dieses Niedergangs. Durch die Studiengebühren abgeschreckt, sinkt auch die Zahl der Studierenden. Geisteswissenschaften werden völlig vernachlässigt, das Einzige, was zählt, ist die Marktreife der Unis. Dieses beschränkte betriebswirtschaftliche Denken vieler Unileitungen ist Folge der neoliberalen Privatisierungswelle, die immer mehr Menschen in die Armut treibt und statt einer transparenten Demokratie eine Diktatur des Kapitals implantiert. Deutschlands Aldisierung auf allen Gebieten macht das Land der Dichter und Denker zum Land der Henker geistiger Werte.
2.
ax0l0tl 19.10.2007
Nunja..ich selbst habe in Freiburg studiert, hatte zwar nur Einblick in sehr wenige Fakultaeten, die sich jedoch unter anderem als Aushaengeschild der Universitaet schimpfen lassen duerfen. Mein Fazit: Wie dieser "Laden" als eliteuni-wuerdig bezeichet werden kann, ist mir unverstaendlich.
3. sowas
derien, 19.10.2007
im grunde genommen ist nicht die uni Elite, sondern einzelne fakultäten.Ich finde es sehr pauschal, eine Uni so zu etikettieren. Geht diese Definierung nicht irgendwie in der ganzen Ausführung verloren? Während Naturwissenschaften gern gefördert werden, sind die Geisteswissenschaften von ihrem Status definitiv unelitär, dafür sprichtja auch konstanz´s einziger kopfcluster. Und Aachen ist jetzt auch nicht gerade für seine Geisteswissenschaft mit hoher REputation versehen.
4.
MamaMiracoli 19.10.2007
Zitat von kellitomAuf dem Weg zu Unternehmen sinkt das Niveau deutscher Universitäten kontinuierlich auf Aldiniveau. Master und Bachelor statt Diplom sind Ausdruck dieses Niedergangs. Durch die Studiengebühren abgeschreckt, sinkt auch die Zahl der Studierenden. Geisteswissenschaften werden völlig vernachlässigt, das Einzige, was zählt, ist die Marktreife der Unis. Dieses beschränkte betriebswirtschaftliche Denken vieler Unileitungen ist Folge der neoliberalen Privatisierungswelle, die immer mehr Menschen in die Armut treibt und statt einer transparenten Demokratie eine Diktatur des Kapitals implantiert. Deutschlands Aldisierung auf allen Gebieten macht das Land der Dichter und Denker zum Land der Henker geistiger Werte.
Nunja, die Möglichkeit nach drei+ Jahren einen anerkannten Hochschulabschluss zu haben der einer Basisausbildung auf akademischem Niveau entspricht, finde ich nicht schlecht. Aber da wird es immer Menschen geben die der Meinung sind: "Mein Diplom ist das einzig Wahre, alles andere ist neumodischer Kram". Viel interessanter ist doch das Geschrei in Bezug auf mangelnde "hochqualifizierte" Fachkräfte und Hochschulabsolventen. Diese seien das Kapital Deutschlands. Und was wird getan diesem Problem entgegenzusteuern? Es werden Studiengebühren eingeführt. Das ist einfach nur grotesk. Da hat jemand die einfachsten ökonomischen Zusammenhänge verstanden... Mit der Einführung der Studiengebühren wurden sämtliche (betroffenen) Hochschulen zu "Elite"-Unis. Es können nämlich nur noch die hingehen die es sich leisten können.
5. wir brauchen keine "elite" unis
bekennerschraiben, 19.10.2007
Zitat von sysopWieder streiten deutsche Hochschulen um den begehrten Titel Elite-Uni. Wie gut sind die deutschen Universitäten? Wie wettbewerbsfähig sind sie im internationalen Vergleich?
1) sondern einen grossen besen, der den altbackenen und arroganten muff aus deutschen unis rausfegt - wir brauchen nicht nur leistungsfaehige, sondern auch leistungswillige professoren, und nicht etwa standardformate 2) eine deutsche jugend, welche in bildung eine chance und in leistung ein stueck lebensqualitaet sieht - wir brauchen nicht nur leistungsfaehige, sondern auch leistungswillige studenten, und nicht etwa standardformate
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