Exzellenz-Uni-Gutachter im Interview: "Das Niveau ist bemerkenswert hoch"

Die Elite-Kronen wurden an elf Universitäten verteilt, dreien wurde sie entrissen. Der französische Spitzenforscher Pierre Braunstein war dafür mitverantwortlich. Ein Gespräch mit dem Hochschulmagazin "duz" über Lust und Last bei der Vergabe von 2,4 Milliarden Euro an die Besten der Besten.

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Leuchtturmsuche vorerst abgeschlossen: Die Exzellenzinitiative ist zu Ende

Frage: Herr Braunstein, Sie haben etliche Wochen mit vielen Diskussionen hinter sich. Wie viel Arbeit war es, aus 16 Anträgen für den Elite-Titel die besten herauszufiltern und die Sieger-Universitäten zu küren?

Braunstein: Jedenfalls deutlich mehr, als ich mir vorgestellt hatte. Dazu gehörten ja nicht nur die Besuche vor Ort und die Treffen der Kommissionen - sondern vor allem die Zeit, die ich mit Lesen verbrachte. Die Anträge waren sehr dicht und umfangreich, ich habe unglaublich viel gelernt. Uns kam dabei zugute, dass das ganze Verfahren sehr gut strukturiert und vorbereitet war. Nach kurzer Zeit wussten wir, wo in den Anträgen was zu finden war. Für die Vorbereitung der Besuche vor Ort war das sehr wichtig.

Frage: Wie lief eine solche Begehung ab?

Braunstein: Wir haben uns am Abend vorher getroffen, damit die Gutachter sich kennenlernen und durch eine Vorstellung des Programms Exzellenzinitiative mit dem Verfahren noch besser vertraut gemacht werden konnten. Dadurch konnten sie ihre Eindrücke zum Antrag effizienter diskutieren und schneller zu einer gemeinsamen Einschätzung kommen. Ich war als Berichterstatter der Auswahlkommissionen dabei, hörte zu und stellte Fragen. Es war schon spannend zu sehen, was den Kollegen im Einzelnen aufgefallen ist.


Frage: Was denn?

Braunstein: Da kamen alle Themen auf den Tisch, die aktuell wichtig sind - von Gender-Aspekten bis zur Verwaltungsstruktur, von der Nachwuchsförderung bis zu konkreten Forschungsvorhaben. Jede Uni hatte einen standardisierten und sehr umfangreichen Fragebogen erhalten und konnte sich gezielt vorbereiten. So hatte man schnell eine Basis, auf der diskutiert werden konnte. Man musste bei einer solchen Begehung die unterschiedlichsten Kompetenzen durch die Gutachtergruppe abdecken. Die meisten Gruppen hatten zehn bis zwölf Mitglieder, in der großen Mehrheit ausländische Experten. Die musste man erstmal unter einen Hut bekommen.

Frage: Wie haben Sie sich vorbereitet?

Braunstein: Es gab Treffen im Vorfeld. Da wurden nicht nur die Abläufe erklärt, sondern auch Details der Arbeit durchgesprochen. An der Stelle muss ich einfach auch mal der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrats ein großes Lob aussprechen. Wir wurden von dort aus immer gut betreut. Die professionelle Organisation hat zum Erfolg der Exzellenzinitiative einen großen Teil beigetragen.

Frage: Wie haben Sie sich überzeugen lassen, als Kommissionsmitglied dabei zu sein? Zu viel Freizeit haben Sie ja wahrscheinlich nicht.

Braunstein: (lacht) Vielleicht lerne ich einfach nur zu langsam, Nein zu sagen? Aber im Ernst: Ich war als Postdoc als Stipendiat der Humboldt-Stiftung an der TU München und habe seitdem viele Kontakte und Freunde in Deutschland gefunden. Wenn dann so eine Anfrage kommt, ist das auch eine Ehrensache. Dazu kommt: Der intensive Blick in ein anderes Land, in andere Forschungseinrichtungen bringt einen selbst weiter. Der frühere Präsident einer US-Universität, der als Gutachter dabei war, hat mir gesagt: "Das hätte ich besser mal früher gemacht - da hätte ich mir für meine eigene Arbeit einiges abschauen können." Das kann ich nur bestätigen: Ich wünsche mir, dass mehr Länder ihre Forschungseinrichtungen so gründlich evaluieren wie Deutschland. "Es war wirklich nicht leicht, einzelne herauszusuchen, die ein klein bisschen besser waren."

Frage: Die Evaluation ist die eine Seite - die andere sind die Ergebnisse. Wie eng war das Feld der 16 Elite-Kandidaten?

Braunstein: Insgesamt lagen die Anträge auf einem bemerkenswert hohen Niveau. Auch wenn natürlich nicht alle gefördert werden können - jeder der Anträge war sehr stark. Da zeigte sich wirklich die große Vielfalt der deutschen Universitäten mit ihren individuellen Stärken. Und manchmal war es auch überraschend und eindrucksvoll, auf welchem Gebiet eine Universität plötzlich Stärke und Innovation zeigte. Es war wirklich nicht leicht, aus diesem breiten Portfolio sehr solider und sehr guter Wissenschaft einzelne Universitäten herauszusuchen, die noch ein kleines bisschen besser waren als die anderen.

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1. spätestens
n+1 29.06.2012
Zitat von sysopDie Elite-Kronen wurden an elf Universitäten verteilt, dreien wurde sie entrissen. Der französische Spitzenforscher Pierre Braunstein war dafür mit verantwortlich. Ein Gespräch über Lust und Last bei der Vergabe von 2,4 Milliarden Euro an die Besten der Besten. Exzellenzinitiative: Gutachter Pierre Braunstein im Interview - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,841304,00.html)
seit die Uni Bremen "elite" ist und die TU Darmstadt nicht, wissen wir, was wir von diesen "Eliten" zu halten haben.
2. xxx
Dumpfmuff3000 29.06.2012
Zitat von n+1seit die Uni Bremen "elite" ist und die TU Darmstadt nicht, wissen wir, was wir von diesen "Eliten" zu halten haben.
Das geht nach dem Prinzip "Wer hat, dem wird gegeben". Die Eliteunis erhalten nämlich nicht nur deutlich mehr Geld aus diesen speziellen Fördertöpfen, sie werden auch bei der Verteilung aus Landesmitteln bevorzugt. Besser wäre ja gewesen, man hätte einfach mal die gesamten Bildungsbudgets erhöht, aber nein konservative Ignoranz hat in Deutschland immer Vorfahrt.
3. Einfach mitgeschleppt
udippel 29.06.2012
Hat mal jemand sich Gedanken gemacht, wo dieses ganze Konstrukt eigentlich herkommt? Der Bund darf nach (Grund-)Gesetz keine Hochschulen dauerhaft alimentieren. Die Länder sind dermeist pleite, und können das auch nicht. Was aber geht, ist temporär speziellen Hochschulen, besser: deren Programmen, unter die Arme zu greifen. Und wer zahlt bestimmt auch wofür. Also ist dieses ganze Geschlonze eingentlich nur eine halb-legale Umgehung des Grundgesetzes, die vollkommen überkommene Kulturhohheit der Länder zu umgehen. Blablabla kann man da sagen. Warum hat das überhaupt eine Bedeutung? Es hat eine Bedeutung wegen der (Personal-)finanzierung der Unis. In der jetzigen Situation können alle Stellen aus Bundesmitteln nur zeitlich befristet sein. Nur die Länder können aus eigenen, meist nicht vorhandenen Mitteln Dauerstellen schaffen. Das ist aber wichtig, denn der Grossteil der Akademiker ist mit Aufgaben beschäftigt, die über eine zeitlich befristete Forschungsarbeit hinausgehen. Und die müssen dann nach einigen Jahren "ausgewechselt" werden, was der Qualität nicht unbedingt hilft.
4. Auf den Punkt gebracht
profdoc 30.06.2012
Hat mal jemand sich Gedanken gemacht, wo dieses ganze Konstrukt eigentlich herkommt? Der Bund darf nach (Grund-)Gesetz keine Hochschulen dauerhaft alimentieren. Die Länder sind dermeist pleite, und können das auch nicht. Was aber geht, ist temporär speziellen Hochschulen, besser: deren Programmen, unter die Arme zu greifen. Und wer zahlt bestimmt auch wofür. Also ist dieses ganze Geschlonze eingentlich nur eine halb-legale Umgehung des Grundgesetzes, die vollkommen überkommene Kulturhohheit der Länder zu umgehen. Blablabla kann man da sagen. Warum hat das überhaupt eine Bedeutung? Es hat eine Bedeutung wegen der (Personal-)finanzierung der Unis. In der jetzigen Situation können alle Stellen aus Bundesmitteln nur zeitlich befristet sein. Nur die Länder können aus eigenen, meist nicht vorhandenen Mitteln Dauerstellen schaffen. Das ist aber wichtig, denn der Grossteil der Akademiker ist mit Aufgaben beschäftigt, die über eine zeitlich befristete Forschungsarbeit hinausgehen. Und die müssen dann nach einigen Jahren "ausgewechselt" werden, was der Qualität nicht unbedingt hilft. Das ist genau der Punkt. ..... Und unser großes Problem in D. Wir brauchen unbefristete Hochschulstellen, aber die Länder können nicht, weil sie mehr oder weniger pleite sind. In NRW kommt dann noch eine Landesregierung und will an den Hochschulen Kettenverträge abschaffen, einerseits löblich, aber ohne Verstetigung katastrophal. Bleibt also nur der Bund, der könnte, darf aber nicht wg. Föderalismusreform. Also was bleibt dann ...
5. ...
Newspeak 01.07.2012
Man betreibt Kosmetik. Glaube mal keiner, daß bei den Anträgen nicht aufgehübscht wird, wo es geht. Und die Gutachter entstammen einem Inzuchtsystem. Die sind alle so alt und betriebsblind, die stellen nichts mehr in Frage, die bewahren vor allem das, was sie kennen. Wo da Innovation herkommen soll, bleibt fraglich. Professoren zählen meiner Erfahrung nach zu den größten Opportunisten, die es gibt. Passt aber gut zu Politikern. Die sind da auch gut drin, aber nicht ganz so gut. Am Ende bespaßen sich alle gegenseitig, jeder fühlt sich gut, und am System hat sich nichts geändert, außer daß man echte Forschung durch das ganze Antragsschreiben und Evaluieren behindert hat. Aber echte Forschung hat auch keine Priorität.
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  • Freitag, 29.06.2012 – 08:59 Uhr
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Zur Person
  • Pierre Braunstein, Jahrgang 1947, zählt zu den klügsten Köpfen Frankreichs. Seit 1990 leitet der Chemiker ein Spitzenforschungsinstitut der Universität Straßburg. Braunstein wurde vielfach ausgezeichnet. Seit 2005 ist er Mitglied der Nationalakademie Leopoldina und seit Langem DFG-Gutachter. In der aktuellen Vergaberunde der Exzellenzinitiative begleitete er für den Wissenschaftsrat die Bewertung der Elitekonzepte.

Fotostrecke
Zwischenbilanz: Wie viel die Elite-Unis veröffentlichen
Exellenzinitiative - Der Wettbewerb im Überblick
Insgesamt 2,7 Milliarden Euro stellen Bund und Länder von 2012 bis 2017 für die Exzellenzinitiative bereit.
Zeitplan

1. September 2010 (Ausschlussfrist): Eingang der Antragsskizzen für Neuanträge

Mitte März 2011: Aufforderung zur Stellung der Neu- und Fortsetzungsanträge

1. September 2011 (Ausschlussfrist): Eingang der Neu- und Fortsetzungsanträge

Mitte Juni 2012: Bekanntgabe der Förderentscheidungen 2012 bis 2017 nach Abschluss eines wissenschaftsgeleiteten Verfahrens

1. November 2012: Beginn der Förderung

Förderlinien

Graduiertenschulen mit jährlich 1 bis 2,3 Millionen Euro. Info: Dr. Anselm Fremmer (anselm.fremmer@dfg.de), Dr. Annette Schmidtmann (annette.schmidtmann@dfg.de)

Exzellenzcluster mit drei bis acht Millionen Euro plus Programmpauschale. Info: Dr. Sonja Ochsenfeld-Repp (sonja.ochsenfeldrepp@dfg.de, Tel. 0228 8852387), Dr. Klaus Wehrberger (klaus.wehrberger@dfg.de, Tel. 0228 8852355)

Bis zu zwölf Zukunftskonzepte, Förderung von bis zu fünf neuen Anträgen mit insgesamt rund 142 Millionen Euro jährlich einschließlich Programmpauschale. Info: Dr. Sabine Behrenbeck (Tel. 0221 3776234), Dr. Hildegard Brauns (Tel. 0221 3776255)

Link und Literatur

Stephan Leibfried: Die Exzellenzinitiative, Campus Verlag, 2010

www.dfg.de/foerderung/programme/exzellenzinitiative

Quelle: "duz"


Fotostrecke
Elite-Unis: Das Finale der Exzellenzinitiative

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