Exzellenzinitiative der Unis: Bochum scheitert im Elite-Wettbewerb

Vorentscheidung im Exzellenz-Wettbewerb: Noch verhandeln Wissenschaft und Politik, doch nach Informationen von SPIEGEL ONLINE steht mindestens eine Verliererin bereits fest. Die Uni Bochum verpasst den Einzug in die Elitegruppe der Hochschulen.

Studenten an der Uni Bochum: Aufstieg missglückt Zur Großansicht
DPA

Studenten an der Uni Bochum: Aufstieg missglückt

Offiziell ist die Entscheidung noch nicht, doch es sickern erste Informationen zur Exzellenzinitiative durch, also dem Elite-Wettbewerb der Unis. Noch ringen in Bonn Vertreter der Wissenschaft und die Bildungsminister von Bund und Ländern darum, welche Unis den Elite-Status bekommen bzw. behalten dürfen. Eine Verliererin steht nach Informationen von SPIEGEL ONLINE allerdings fest: Die Ruhr Universität Bochum schafft es nicht; sie verpasst den Einzug in die Elitegruppe, wie aus Verhandlungskreisen bestätigt wird. Die offizielle Bekanntgabe der Ergebnisse ist für 15 Uhr angekündigt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Bochum in der Exzellenzinitiative scheitert. Bereits beim letzten Mal, vor fünf Jahren, schaffte die Uni es mit ihrem Zukunftskonzept nicht, in den Elite-Zirkel aufzusteigen.

Der Rektor der Uni, Elmar Weiler, sagte SPIEGEL ONLINE, er habe nicht mit dem Elite-Status gerechnet. "Realistisch ist ein Teil-Erfolg", sagte er kurz vor der Verkündung der offiziellen Ergebnisse. Er freue sich, wenn es mit der Förderlinie Exzellenzcluster klappen würde, das passe thematisch gut. An der Uni standen Sektgläser, Brezeln und süßes Gebäck bereit, um den Wettbewerb zu feiern, egal wie er ausgeht.

Der Hintergrund: In der aktuellen und letzten Phase der sogenannten Exzellenzinitiative geht es um 2,7 Milliarden Euro für die Spitzenforschung und darum, welche Unis sich künftig zur Elite zählen dürfen. Neun Unis waren das bisher, weil sie sich schon in der ersten Phase der Exzellenzinitiative durchgesetzt haben und seit 2006 oder 2007 gefördert werden. Sie stehen in Aachen, Berlin, Freiburg, Göttingen, Heidelberg, Karlsruhe, Konstanz und München. Gegen die neun Titelverteidiger traten sieben Neubewerber an: die Humboldt Universität in Berlin, die Unis Bochum, Bremen, Mainz, Köln und Tübingen sowie die Technische Universität Dresden.

Die Unis, die offiziell zur Elite gehören wollten, mussten sich in drei Förderlinien bewerben: Es geht erstens um Promotionsprogramme (Graduiertenschulen), zweitens um fachübergreifende Forschungsverbunde verschiedener Wissenschaftsdisziplinen (Exzellenzcluster) und drittens um Zukunftskonzepte der Universität selbst. Nur wer in den ersten beiden Förderlinien überzeugt und dort jeweils auch den Zuschlag für mindestens ein Projekte bekommt, hat die Chance, auch sein Zukunftskonzept durchzuboxen. Daran hängt weiteres Fördergeld - und eben das Siegel Elite-Universität und viel Renommee.

Das Geld kommt zu 75 Prozent vom Bund und zu 25 Prozent von den Ländern, es wird verteilt über fünf Jahre an die Unis fließen. Weitere Runden der Exzellenzinitiative soll es nach 2017 nicht geben. Um die Finanzierung von Spitzenforschung danach wird noch zwischen Bund und Ländern gerungen.

cht/lja/otr/son

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Sein vs. Wollen
weitWeg 15.06.2012
Wurde MIT/Yale etc mit aehnlichen Mitteln zu einer Ivy League Uni?
2. Alberner Begriff Elite
g.raymond 15.06.2012
"Exzellenz-Initiative" und die damit verbundenen Kriterien ist ja eine gute Sache. Aber das Siegel "Elite-Universität" spottet jeder Beschreibung. Vergleicht man diesen Begriff mit den angelsächsischen Top-Universitäten, die sich übrigens nicht Elite-Universitäten nennen, nach denen die deutsche Eitelkeit aber hinschielt, bleibt nur ein hohler Eindruck: ein wissenschaftliches und finanzielles Konstrukt, das irgendwie im Leeren schwebt.
3.
Zenturio.Aerobus 15.06.2012
Richtig so. Ich war bis 2009 Studierender an der Ruhr-Uni Bochum (Matr-Nr. 108004218413) und habe an derselben nichts "Elitäres" feststellen können :-)
4. Der wahre Grund des Niedergangs von Europa
hienstorfer 15.06.2012
..ist das man kaum mehr was die Bildung investiert. Es ist wichtiger, längst untergeganene Industrien zu subventionieren, anstatt in die Zukunft, in die Bildung, Forschung zu investieren. Man braucht sich ja nur die Gebäude anzusehen - dann weis man wie morsch das Bildungssystem ist. Ich habe in Deutschland studiert - aber auch schon Bildungseinrichtungen in der sogenannten 3. Welt gesehen. Nirgendswo war die Bausubstands derart abgef***t wie in Deutschland: -Ich sass in Deutschland in Hörsäälen, da waren die Wände mit Folie abgeklept - wegen der Asbestfaser. -andere Gebäude waren jahrelang eingerüstet, weil Schindeln sich von der Fassade lössten. Geld für eine Reperatur gab es nicht. -Über den Ammoniak-Gestank nicht gesäuberter Toiletten reden wir erstmal nicht ..... *Deutschland - das 3.Welt Land der Bildung!* Weiter lesen kann man auch hier: Bildung: Im Kern verrottet - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/spiegel/a-565730.html) Morsch, porös, baufällig: Deutschlands Unis sind nicht mehr ganz dicht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/morsch-poroes-baufaellig-deutschlands-unis-sind-nicht-mehr-ganz-dicht-a-500958.html)
5. Unis als Zirkusarena
leser008 15.06.2012
Es ist nicht Aufgabe eines steuerfinanzierten Staates, die Unis in irgendeinem Wettbewerb aufeinanderzuhetzen und dann die Gelder nur an 9 Unis zu verteilen. Die Studenten brauchen verlässliche und gute Studienbedingungen. Was ist, wenn man z.B. in Bochum anfängt, dann kriegen die kein Geld mehr oder machen den Studiengang mangels Exzellenz ganz zu ? Unis könnten Schwerpunkte setzen, wie es das beim Sportstudium gibt oder sich als behindertengerecht positionieren. Man könnte die Qualität auch dadurch erhöhen, dass man die Betreuung verbessert oder die Rentner raussetzt. Es muss auch nicht die halbe Welt hier umsonst studieren und die Unis verstopfen. Unis sind kein römischer Zirkus.
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Fotostrecke
Zwischenbilanz: Wie viel die Elite-Unis veröffentlichen

Exellenzinitiative - Der Wettbewerb im Überblick
Insgesamt 2,7 Milliarden Euro stellen Bund und Länder von 2012 bis 2017 für die Exzellenzinitiative bereit.
Zeitplan

1. September 2010 (Ausschlussfrist): Eingang der Antragsskizzen für Neuanträge

Mitte März 2011: Aufforderung zur Stellung der Neu- und Fortsetzungsanträge

1. September 2011 (Ausschlussfrist): Eingang der Neu- und Fortsetzungsanträge

Mitte Juni 2012: Bekanntgabe der Förderentscheidungen 2012 bis 2017 nach Abschluss eines wissenschaftsgeleiteten Verfahrens

1. November 2012: Beginn der Förderung

Förderlinien

Graduiertenschulen mit jährlich 1 bis 2,3 Millionen Euro. Info: Dr. Anselm Fremmer (anselm.fremmer@dfg.de), Dr. Annette Schmidtmann (annette.schmidtmann@dfg.de)

Exzellenzcluster mit drei bis acht Millionen Euro plus Programmpauschale. Info: Dr. Sonja Ochsenfeld-Repp (sonja.ochsenfeldrepp@dfg.de, Tel. 0228 8852387), Dr. Klaus Wehrberger (klaus.wehrberger@dfg.de, Tel. 0228 8852355)

Bis zu zwölf Zukunftskonzepte, Förderung von bis zu fünf neuen Anträgen mit insgesamt rund 142 Millionen Euro jährlich einschließlich Programmpauschale. Info: Dr. Sabine Behrenbeck (Tel. 0221 3776234), Dr. Hildegard Brauns (Tel. 0221 3776255)

Link und Literatur

Stephan Leibfried: Die Exzellenzinitiative, Campus Verlag, 2010

www.dfg.de/foerderung/programme/exzellenzinitiative

Quelle: "duz"


Fotostrecke
Elite-Unis: Das Finale der Exzellenzinitiative