Fachhochschulen: "FH-Absolventen sollen reibungsloser promovieren "

Fachhochschulen haben kein Promotionsrecht, die Hürden für einen Doktortitel an Universitäten liegen hoch. Im Interview erklärt der Magdeburger FH-Rektor Andreas Geiger, warum Graduiertenkollegs eine gute Lösung sind und Unis mit FHs stärker kooperieren müssen.

Frage: Herr Geiger, warum sind gemeinsame Graduiertenkollegs zwischen Fachhochschulen und Universitäten nötig?

Geiger: Weil wir, um Bildungspotenziale besser auszuschöpfen, gewährleisten wollen, dass FH-Absolventen reibungsloser, als dies bisher häufig der Fall ist, promovieren können.

Frage: In gemeinsamen Graduiertenkollegs wäre das anders?

Geiger: Auf jeden Fall, weil dann vertraglich zwischen FH und Uni geregelt wäre, wie die Kooperation zu einem bestimmten Forschungsgebiet genau aussieht. Es gäbe weniger Hürden, weil beide Einrichtungen als Betreuer aufträten und die Fachhochschule am Promotionsverfahren beteiligt wäre. Die sogenannte kooperative Promotion ist bislang eine Irreführung, denn FH-Asolventen werden nur individuell von Universitätsprofessoren nach Begutachtung und mit Auflagen betreut.

Frage: Wie viele solcher Kollegs sollen denn entstehen?

Geiger: Wir gehen in der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) von 15 bis 20 Kollegs aus.

Frage: Was wird das kosten?

Geiger: Schätzungsweise etwa 500.000 bis 600.000 Euro pro Jahr für ein Kolleg.

duz: Wann wird es die Kollegs geben?

Geiger: Ende Dezember hat der HRK-Senat beschlossen, diese Idee voranzutreiben. Anfang Februar haben wir sie Bundesforschungsministerin Annette Schavan vorgestellt. Das ist auf sehr gute Resonanz gestoßen. Die dafür nötigen Mittel haben wir beim Bundesforschungsministerium bereits beantragt. Sobald es für das Geld aus dem Bundeshaushalt grünes Licht gibt, könnte man in diesem oder im nächsten Jahr mit den Ausschreibungen beginnen.

duz: Und wer organisiert das?

Geiger: Das steht noch nicht fest. In jedem Fall müssten die Konzepte internationalen Begutachtungskriterien genügen.

Frage: Wie sähe ein solches Konzept aus?

Geiger: Die kooperativen Kollegs werden so konzipiert sein, dass universitäre Grundlagenforschung und angewandte Forschung, auf der das Hauptaugenmerk der Fachhochschulen liegt, vernetzt werden. Universitäts- und Fachhochschulprofessoren werden gleichberechtigt Promovenden betreuen, wobei die Promotionsverfahren bei den Unis verbleiben. Ein Beispiel gibt es bereits: Die Uni Magdeburg und meine FH haben zur Soziosomatik in der Suchtforschung eine Nachwuchswissenschaftlergruppe gegründet. Diese könnte sich sicherlich für ein gemeinsames Graduiertenkolleg bewerben.

Frage: Werden die Fachhochschulen durch solche Kollegs attraktiver für Studierende, weil sie nicht nur schneller zum Abschluss, sondern auch zum Doktortitel führen?

Geiger: In der Tat. Wir könnten den Studienanfängern in Aussicht stellen, alle drei Stufen gemäß Bologna-Prozess mit uns zu durchlaufen: Bachelor, Master und Promotion. Das wäre wirklich neu.

Frage: Vor fünf Jahren eröffnete das erste gemeinsame Graduiertenkolleg der FH Mannheim und der Uni Heidelberg. Es wurde 2006 nicht verlängert. Sind die Gräben zwischen Uni und FH doch zu groß?

Geiger: Die Universitäten erkennen immer mehr, dass sie die Fachhochschulen im Bereich der Forschung nicht ausschließen, sondern über gemeinsame Promotionen ins Boot holen sollten. Vor allem, weil es die starre Trennung zwischen Grundlagen- und anwendungsorientierter Forschung nicht gibt.

Frage: Werden Kooperationen zwischen Unis und FH auch in der Lehre Einzug halten?

Geiger: Da werden wir gar nicht drum herumkommen. Vor allem nicht in den neuen Bundesländern. In Magdeburg sind FH und Uni 500 Meter Luftlinie voneinander entfernt. Beide haben ein sehr ähnliches Studienprogramm. Die Studierendenbewerberzahlen aus der Region werden stark zurückgehen. Da sollten wir gemeinsam als Wissenschaftsstandort werben, kooperieren und Durchlässigkeit signalisieren.

Frage: Aber in den alten Ländern wird ein "Studentenberg" erwartet, den Sie doch mit abtragen helfen könnten.

Geiger: Die Studierenden aus den alten Bundesländern oder aus dem Ausland werden das nicht kompensieren. Wenn wir in Magdeburg verhindern wollen, dass an beiden Standorten Einrichtungen geschlossen werden, müssen wir zu Kooperationen in der Lehre kommen, ob wir wollen oder nicht. Sowohl im BA- als auch MA-Bereich gibt es in Magdeburg bereits kooperative Studiengänge, bei denen die Studierenden an der FH und an der Uni eingeschrieben sind und ihren Abschluss machen.

Das Interview führte Hans-Christoph Stephan.

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